Online-Betrug Vertrauen auf dem Prüfstand: Wie Deepfakes den Onlinehandel bedrohen

Verantwortliche:r Redakteur:in: Stefan Girschner 3 min Lesedauer

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Sie sehen aus wie echte Videos, klingen wie vertraute Stimmen und wirken wie authentische Fotos – sie sind es aber nicht. Sogenannte Deepfakes, also durch künstliche Intelligenz erzeugte oder manipulierte Inhalte, haben sich zu einer realen Bedrohung für den E-Commerce entwickelt.

(Bild:  © xartproduction/stock.adobe.com - generiert mit KI)
(Bild: © xartproduction/stock.adobe.com - generiert mit KI)

Deepfakes haben sich innerhalb weniger Jahren von einer Art „technischer Sensation“ zu einer realen gesellschaftlichen Bedrohung entwickelt. Was viele Menschen jetzt vielleicht noch als Problem von Prominenten oder individuelle Einzelfälle wahrnehmen, ist längst ein strukturelles Risiko: für Unternehmen, für den Handel, für jede Person, die sich im digitalen Raum bewegt. Denn KI macht es heute möglich, Identitäten zu fälschen, Vertrauen zu simulieren und Wirklichkeiten zu erfinden – und das bereits im industriellen Maßstab sowie mit wachsender Perfektion.

Gravierende Folgen hat das auch im Online-Handel: Kriminelle nutzen KI-generierte Bilder, Videos und Stimmen, um Verbraucherinnen und Verbraucher gezielt zu täuschen, zum Beispiel mit gefälschten Online-Shops, manipulierten Bewertungen und täuschend echten Produktversprechen. „Das Vertrauen der Verbraucher und Verbraucherinnen ist das wertvollste Gut im E-Commerce. Deepfakes sind eine direkte Bedrohung genau dieses Fundaments“, kommentiert Sabrina Engling, KI-Expertin bei Trusted Shops.

Starker Anstieg der Betrugsversuche mit Deepfakes

Jeder achte Online-Käufer ist laut einer Umfrage der Verbraucherzentrale in den vergangenen zwei Jahren auf einen Fake-Shop hereingefallen. Der jährliche Schaden durch betrügerische Online-Shops in Deutschland wird auf rund 100 Millionen Euro mit etwa 300.000 Opfern pro Jahr geschätzt. Der Einsatz von KI macht diese Betrugsmasche nun noch gefährlicher: In Deutschland sind Deepfake-gestützte Betrugsversuche zuletzt um über 50 Prozent gestiegen.

Früher war ein schlecht gestalteter Shop, ein fehlendes Impressum oder ein verdächtiger Domainname ein Warnsignal. Heute genügen diese „Faustregeln“ nicht mehr. KI-Tools erstellen binnen Minuten täuschend echte Onlineshop-Oberflächen inklusive erfundener Kundenbewertungen, generierter Produktfotos und gefälschter Gütesiegel. Deepfakes-Videos zeigen bekannte Persönlichkeiten, die vermeintlich für Produkte werben. Microsoft hat allein zwischen April 2024 und April 2025 rund vier Milliarden US-Dollar an Betrugsversuchen dieser Art verhindert. Sabrina Engling betont: „Die Frage ist nicht mehr: Sieht das echt aus? Sondern: Wie kann ich überhaupt noch wissen, ob es echt ist? Das ist eine fundamentale Verschiebung und sie verändert, wie wir Vertrauen im Netz denken müssen."

So schützen sich Verbraucher vor Deepfakes

  • Gütesiegel prüfen: Seriöse Siegel wie das Gütesiegel lassen sich direkt auf der Anbieter-Website verifizieren – ein Klick genügt.

  • Angebote hinterfragen: Preise deutlich unter Marktpreis sind ein klassisches Warnsignal, auch wenn der Shop professionell wirkt.

  • Zahlungsart wählen: Kreditkarte oder Dienste mit Käuferschutz bieten im Betrugsfall bessere Rückbuchungsmöglichkeiten als Vorkasse oder Überweisung.

  • Kritisches Hinterfragen von Videos: Prominente Testimonials in Werbeanzeigen – besonders auf Social Media – können gefälscht sein. Im Zweifel: die Quelle direkt prüfen.

Der rechtliche Rahmen hinkt hinterher

Während die Technologie rasant fortschreitet, kämpft der Gesetzgeber um Anschluss. Das Bundesministerium der Justiz hat angekündigt, strafrechtliche Lücken bei Deepfakes schließen zu wollen. Doch bis Regelungen greifen, schützt im Online-Handel vor allem eines: informierte Verbraucherinnen und Verbraucher, die auf geprüfte Vertrauenssignale setzen. Engling erklärt: „

Vertrauen entsteht nicht durch Versprechen, sondern durch Nachweise. Wer als Händler auf unabhängig geprüfte Siegel setzt und wer als Verbraucher darauf achtet, ist heute bereits einen entscheidenden Schritt voraus.

Sabrina Engling, Trusted Shops

Trusted Shops in Köln bietet ein Kundenbewertungssystem und ein Gütesiegel inklusive Käuferschutz an. Das Kundenbewertungssystem sorgt für nachhaltiges Vertrauen bei Händlern und bei Käufern. Anhand von Einzelkriterien wie Preistransparenz, Kundenservice und Datenschutz überprüft Trusted Shops die Mitglieder und vergibt das Gütesiegel. Mit dem Käuferschutz, den jeder zertifizierte Online-Shop anbieten kann, sind Verbraucher beispielsweise bei Nichtlieferung von Waren abgesichert.

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