Cookies sollen abgeschafft werden. Ein echtes Dilemma für Digital Marketing, denn eine gute Alternative gibt es nicht – bis jetzt. Das Start-up Uhoo hat jetzt eine neue Lösung entwickelt, die auf Big Data und künstlicher Intelligenz basiert. So können Daten auch ohne Cookies ausgewertet werden.
(Quelle: one photo/Shutterstock)
Man stelle sich vor, man hat was zu verkaufen. Zum Beispiel Sportschuhe. Dafür muss man wissen, wer wann wo Sportschuhe benötigt. Also seine Zielgruppe kennen. Und wie ermittelte man diese Sportschuh-Zielgruppe bisher am besten? Das Digital Marketing verwendet hierfür Cookies. Sie müssen vom User inzwischen auf jeder Website akzeptiert werden. Das soll sich jedoch bald ändern.
Nun dürfte mittlerweile bekannt sein, dass Cookies – momentan die wichtigsten Daten-Tools für Marketingzwecke – abgeschafft werden sollen. Zwar erklären Internetkonzerne wie Google, dass man „nicht das Digital Marketing an und für sich gefährden wolle“, aber eine echte Alternative zu Cookies gibt es allerdings bis jetzt nicht.
Digital Marketing: Big Data und KI anstatt Cookies
Die Lösung kommt nun von der in der Schweiz ansässigen Uhoo. Das Start-up setzt auf Big Data und künstliche Intelligenz statt auf Cookies. Dank eines virtuellen Netzes über die gesamte Schweiz kann exakt ermittelt werden, wer wo wohnt und arbeitet, was in einer Gemeinde gewählt wird und wie viele Geschäfte sich dort befinden, die Sportschuhe verkaufen. Diese von Uhoo bereitgestellten Daten werden in einem Verfahren entwickelt, welches in der Zusammenarbeit mit dem HSG-Spinoff Novalytica entwickelt wurde.
Unter dem Motto „Wir sehen etwas, was du nicht siehst“ liefert Uhoo ein benutzerfreundliches, leicht zugängliches Daten-Tool, welches dank GPS-Targeting zielgenau Aussagen über Standort und Präferenzen einer Region machen kann. „Die Schweiz braucht eine Lösung, die auf hiesigen Daten beruht. Ansonsten wird die Schweizer Werbewelt die nächsten Jahre Schwierigkeiten haben, akkurat und effizient Werbekampagnen auszurollen“, erklärt Christoph Maag, Head of Sales von Uhoo.
Datenanalyse – so genau und sicher wie nie zuvor
Nun sind Daten eine sensible Angelegenheit. Natürlich hält sich Uhoo ans Schweizer Datenschutzgesetz. Schweizer Daten, unter anderem von Bund und Kantonen, wurden per künstlicher Intelligenz so genau wie nie zuvor ausgewertet – in anonymisierter Form. Dank Know-how und spezifischen Algorithmen können Kampagnen genau dann und dort gespielt werden, wo sie von echten Menschen gesehen werden. So kommen die Sportschuhe auch ohne Cookies zu ihrer Zielgruppe. Und das allseits unbeliebte Häkchen muss beim Internetsurfen nicht mehr gesetzt werden.
(Die Marketinglösung von Uhoo ist derzeit nur in der Schweiz verfügbar. (Bild: Uhoo))
Interview mit Stephan Frey, Geschäftsführer von Uhoo
Woher bezieht Partnerunternehmen Novalytica von Uhoo die Daten für das Data-Targeting?
Stephan Frey: Wir verwenden nur öffentlich zugängliche Daten, wie vom Bundesamt für Statistik, regionalen Statistikämtern, Online-Plattformen wie Homegate, Comparis oder Immoscout, Amtsblättern, themenspezifische Webseiten wie Verbände, Google Maps und Open Street Maps, Open Data Plattformen, SBB, Webseiten von verschiedenen Dienstleistern und Buchungsplattformen wie Airbnb, Booking oder Tripadvisor.
Wie werden diese Daten für eine Digital-Kampagne verwendet?
Stephan Frey: Als Erstes kann mit den Daten die Zielgruppe des Kunden genau abgebildet werden. Mittels GPS-Targeting können wir bestimmen, wo sich der User gerade aufhält und entsprechend Werbung platzieren. Hier ein paar Beispielkampagnen, die sich bereits daraus ergeben haben:
Alle Ausbildungsinstitute für Weiterbildungsinstitute
Alle Gemeindehäuser für ein Energieunternehmen
Alle wohlhabenden Personen in katholischen Gemeinden für ein Fundraising
Alle wohlhabenden Personen mit überdurchschnittlicher Entfernung zum ÖPNV für ein Automarke
Alle E-Tankstellen für eine Automarke
Alle Gemeinden mit schlechtem Anschluss und geringer ÖPNV-Nutzung für eine Automarke
Alle Gemeinden mit Bergtourismus für ein Erfrischungsgetränk
Alle Badeanlagen für eine Lebensrettungsgesellschaft
Alle Seepromenaden für eine Versicherung
Alle französischen Unternehmen in der Schweiz für eine Bahngesellschaft
Alle Wohngegenden mit Altersdurchschnitt 50 plus für ein Aktivierungsprojekt von älteren Personen
Alle Wohngegenden mit sehr hohem Anteil an Familien für Ferienregionen
Alle Supermärkte für eine Essenshersteller
Alle Wohngegenden von wohlhabenden Personen für eine Bank
Warum ist noch niemand früher auf diese Idee gekommen?
Stephan Frey: Der Bedarf für alternative Targeting-Modelle war lange nicht vorhanden, da Cookie Targeting diesen Platz für sich besetzt hat. Zudem ist Novalytica ein junges Unternehmen und dieser große Datenstamm hat schlichtweg nicht existiert. Auch die direkte Anbindung an eine Werbekampagne war im Vorfeld so nicht möglich.
Stand: 16.12.2025
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Mit Cookies kann man im Digital Marketing nur einen Teil der Online-Bevölkerung erreichen, da gewisse Browser diese blockieren. Wie hoch ist der Anteil der erreichten Nutzer mit Uhoos Technologie? Die Technologie bei Uhoo verzichtet vollständig auf Cookies und kann so theoretisch alle Internetuser der Schweiz erreichen. Egal, welchen Browser sie nutzen. So kann standardmässige Cookie-Blockade von Firefox oder Safari – und bald wohl auch Google Chrome – überwunden werden. Lediglich gegen Adblocker kann auch Uhoo nichts machen.
Wie sicher ist Uhoo Lösung in Bezug auf die Datenschutzrichtlinien?
Stephan Frey: Uhoo bezieht all seine Daten aus öffentlichen Quellen und speichert keine Personendaten auf individueller Ebene ab, was sowohl mit der Schweizer Rechtslage und dem revidierten Bundesgesetz über Datenschutz, das derzeit im Parlament diskutiert wird, übereinstimmt. Alle erfassten Daten werden nur in Bezug auf die Geolokalisierung abgespeichert.
Cookies verlieren beim Digital Marketing immer mehr an Bedeutung. Könnte Uhoos „Data-Targeting“ diese ersetzen? Was ist der Unterschied zwischen Cookies und Uhoo-Daten?
Stephan Frey: Cookies gibt es seit 26 Jahren und basieren auf der „Online-Verfolgung“ eines einzelnen Users. Uhoo basiert auf Offline-Data, welche in die Online-Welt übergeben werden. Die Lösung kann so nicht alles ersetzen, wie die Interessen eines Users. Aber sie schafft deutlich mehr Nähe von User Umfeld zum Creative. Wir schalten Werbung auf Smartphones oder Computern an spezifisch passenden Orten, wie das Erfrischungsgetränk im Schwimmbad, der Fond im Bankenhaus, das Luxusgut in der Villa etc.
Bis jetzt setzen Sie nur auf Digital Marketing. Könnte man diese neue Technologie auch für Out of Home (OOH) und insbesondere Digital Out of Home (DOOH) nutzen?
Stephan Frey: Absolut. DOOH ist bereits Teil unseres Angebots.
Sie bieten fertige Pools sowie individuelle Lösungen an. Wann erscheint eine individuelle Lösung sinnvoll und wie teuer ist sie?
Stephan Frey: Unsere Pools bieten vordefinierte Zielgruppen an, die wir schnell und einfach zur Verfügung stellen können. Eine individuelle Lösung kann dann absolut Sinn machen, wenn die Bedürfnisse einer Zielgruppe sehr individuell sind, wie beispielsweise Personen, die in Ortschaften wohnen, welche eine überdurchschnittliche Entfernung zu einer Fast-Food-Kette haben. Basierend auf der Zielgruppe kann man dann auch das Creative dementsprechend anpassen, sodass es für die Zielgruppe ansprechend ist. Einen Preisunterschied gibt es zwischen den beiden Lösungen aber nicht.
Ist das Angebot derzeit nur in der Schweiz verfügbar? Ist eine Erweiterung auf weitere Länder geplant?
Stephan Frey: Wir beobachten vorerst in der Schweiz, wie sich Uhoo entwickelt. Eine Erweiterung können wir uns durchaus vorstellen. (sg)