Cross-Border-Handel E-Commerce-Präsenz: Was Händler dabei beachten sollten

Verantwortliche:r Redakteur:in: Stefan Girschner 6 min Lesedauer

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Der grenzüberschreitende Onlinehandel wächst rasant. Schon heute entfällt fast ein Viertel aller weltweiten E-Commerce-Transaktionen auf diesen Sektor. Und bis 2030 soll das Volumen der Cross-Border-Transaktionen auf rund acht Billionen US-Dollar anwachsen. Hier steckt großes Potenzial für eine globale E-Commerce-Präsenz.

(Bild:  Shutter2U/Adobe Stock)
(Bild: Shutter2U/Adobe Stock)

Onlinehändler können es sich deshalb nicht mehr leisten, den internationalen Markt zu ignorieren. Die Expansion ins europäische Ausland und in den Rest der Welt birgt ein gigantisches Potential. Allein innerhalb der EU sind bis zu 400 Millionen zusätzliche potentielle Kunden zu erreichen. Trotzdem schrecken viele Händler vor diesem Schritt zurück. Denn der Aufbau einer globalen E-Commerce-Präsenz ist kein leichtes Unterfangen. Wer weltweit verkaufen will, muss nicht nur die logistische Herausforderung bewältigen. Von skalierbarem Webhosting über Zahlungslösungen bis hin zur unterschiedlichen Rechtslage sind viele komplizierte Fragen zu klären. 

Für kleine Unternehmen scheint es auf den ersten Blick kaum möglich, diese Aufgabe zu stemmen. Vor wenigen Jahren war das auch ohne Zweifel noch der Fall. Mittlerweile gibt es aber eine Vielzahl von Dienstleistungen, die speziell auf den internationalen Online-Handel zugeschnitten sind. Sie lösen einige der dringendsten Probleme, denen Online-Händler gegenüberstehen, wenn sie international expandieren wollen. 

Onlinehändler, die international expandieren wollen, müssen sich natürlich dennoch ein gewisses Know-how aneignen und neue Strukturen im Unternehmen schaffen. Aber der Aufwand ist zu bewältigen – und rentiert sich angesichts des enormen Potentials auch. Die folgenden Beispiele zeigen, wie sich gängige Herausforderungen beim Aufbau einer globalen E-Commerce-Präsenz überwinden lassen. E-Commerce-Präsenz: E-Zoll und Logistik als Aufgaben 

E-Commerce-Präsenz: E-Zoll und Logistik als Aufgaben 

Die größte Hürde, die Händler auf dem Weg zur globalen E-Commerce-Präsenz nehmen müssen, sind die Themen Zoll und Logistik. Laut einer Umfrage von Statista gibt es vor allem in den folgenden Bereichen Probleme:
 
Zollabwicklung (44,5 Prozent)
 
Grenzüberschreitende Logistik (37 Prozent)
 
Grenzüberschreitende Warenrücksendungen (33,5 Prozent)
 
Erwartungen der Kunden zur Liefergeschwindigkeit (34,5 Prozent)
 
Sendungsverfolgung (27,5 Prozent)  

Innerhalb der EU ist die Situation noch vergleichsweise entspannt. Denn hier gibt es keine Zollschranken. Außerdem sind Versandlaufzeiten und Kosten moderat. Sobald Waren in ein Land außerhalb der EU geliefert werden sollen, wird es aber kompliziert. Für jede Sendung in ein Drittland muss ein Ausfuhrverfahren durchgeführt und die Zollinhaltserklärung CN22 oder CN23 ausgefüllt werden. Neben einer genauen Beschreibung des Inhalts muss die richtige Zolltarifnummer angegeben werden. 

Kosten für eine Rücksendung Falsche oder unvollständige Angaben können zu Verzögerungen bei der Zollabwicklung oder zu teuren Rücksendungen führen. Die Kundenzufriedenheit leidet darunter erheblich. Auch die Frage danach, wer die Kosten für eine Rücksendung trägt, birgt Konfliktpotential. Denn beim internationalen Versand können die Kosten dafür schnell den ursprünglichen Kaufpreis übersteigen. Alternative Lösungen wie Sammelrücksendung sollten daher geprüft werden.  

Dienstleister wie Eurosender oder Asendia sind auf den internationalen Versand von E-Commerce-Ware spezialisiert. Sie bieten unter anderem Lösungen für den weltweiten Expressversand, für die Zustellung zu Verteilzentren, für die Zollabwicklung oder für das Retourenmanagement an. Internationale Händler kommen zwar trotzdem nicht darum herum, sich intensiv mit dem Thema Zoll zu befassen. Sie können aber ihren Aufwand reduzieren und ihre Versandbedingungen kundenfreundlicher gestalten. 

Zahlungslösungen und Währungen: Kunden fordern Vielfalt

Auch die Abwicklung von Zahlungen ist eine große Herausforderung im globalen E-Commerce. Händler stehen vor zwei Problemen: Zum einen die Annahme von Zahlungen in fremden Währungen und den Wechselkurs-Risiken, die damit verbunden sind. Zum anderen erwarten die Kunden im Ausland ganz andere Zahlungsmittel als im Inland. Üblich sind je nach Markt:

  • Kreditkarten, zum Beispiel Visa, Mastercard

  • Debitkarten, zum Beispiel Girocard, Bancontact

  • E-Wallets, zum Beispiel Paypal, PagSeguro

  • Zahlung auf Rechnung, zum Beispiel Klarna, Clearpay

  • Ratenzahlung, zum Beispiel Klarna, Paypal, Stripe

  • Sofortüberweisung, zum Beispiel Sofort, iDeal, Trustly

Zu allem Überfluss gibt es nur wenige Bezahlmethoden (zum Beispiel Paypal oder Visa), die eine globale Reichweite haben. So erwarten Kunden in den USA etwa, dass sie mit der American-Express-Kreditkarte bezahlen können. Hierzulande sind hingegen nur Visa und Mastercard üblich. Wo ein deutscher Kunde per Girocard bezahlt, setzt ein Kunde aus Frankreich Bancontact ein. Und Käufer aus Holland möchten vielleicht lieber mit iDeal bezahlen als mit Sofortüberweisung.

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Für den Händler selbst ist es praktisch unmöglich, in diesem Dschungel der globalen Zahlungslösungen den Überblick zu behalten. Für die internationale Expansion ist es deshalb sinnvoll, mit einem Zahlungsdienstleister zu arbeiten, der eine Komplettlösung anbietet. Anbieter wie Checkout oder Bolt sorgen dafür, dass Kunden auf jedem Markt attraktive Zahlungsoptionen zur Verfügung haben und nehmen dem Händler damit fast die gesamte Arbeit ab.  

Skalierbares Webhosting: die Geschwindigkeit zählt

Schnelle Ladezeiten erhöhen den Umsatz und die Kundenzufriedenheit. Leistungsfähiges Webhosting ist deshalb ein wichtiger Erfolgsfaktor für Online-Händler. Im Rahmen der internationalen Expansion gerät die bisherige Hosting-Lösung aber oft an ihre Grenzen. Die steigende Anzahl an Besuchern führt dazu, dass die Prozessorleistung und der Arbeitsspeicher nicht ausreichen. Je mehr Kunden die Homepage erreicht, umso wichtiger werden auch andere Anforderungen an das Hosting. Dazu gehören: 

  • Hohe garantierte Uptimeautomatische Backups

  • Schutz gegen Hackerangriffe und DDoS-Angriffe

  • Automatische Backups

  • Rechenzentren in Standortnähe zu den Kunden

  • Ausreichend Speicherplatz für Produktfotos, Videos und Backend-Software

Wer eine globale E-Commerce-Präsenz aufbauen will, braucht deshalb unbedingt eine skalierbare Hosting-Lösung. Ein sogenannter VPS-Server ist in der Regel die beste Wahl. Denn im Gegensatz zu einem dedizierten Server ist keine Datenmigration nötig, wenn die Kapazitäten des gebuchten Pakets nicht mehr ausreichen. Zusätzliche CPU-Kerne, RAM und Speicherplatz lassen sich kurzfristig hinzubuchen. Der Shopbetreiber kann also zu Beginn seine Kosten gering halten und die Kapazitäten nach und nach erweitern. 

Beim VPS-Anbieter Hostinger ist es zum Beispiel möglich, für den Einstieg ein VPS-Paket mit einem CPU-Kern und 4GB RAM zu buchen. Nach Bedarf kann es schrittweise auf bis zu 8 CPU-Kerne und 32GB RAM erweitert werden. Der Wechsel zu einem leistungsfähigeren Paket ist dabei auch kurzfristig möglich. Wenn der Online-Shop wächst und die Website nicht mehr mithalten kann, lassen sich die Kapazitäten also von einem Tag auf den anderen erhöhen.

Rechtliche Fragen: ein häufiger Stolperstein

Andere Länder, andere Sitten. Das gilt ganz besonders in rechtlichen Fragen. Diese leidvolle Erfahrung haben schon viele Onlinehändler gemacht, die sich unbedarft ins internationale Geschäft gestürzt haben. Probleme können unter anderem folgende Aspekte machen: 

  • Verkaufsbeschränkungen für bestimmte Waren

  • Besondere Kennzeichnungspflichten

  • Abweichendes Verbraucherschutzrecht

  • Steuerbestimmungen

E-Commerce-Präsenz: Fragen der Gerichtsbarkeit

Auch hier gilt, dass sich der Aufwand innerhalb der EU in der Regel in Grenzen hält. Das Wirrwarr aus unterschiedlichen Umsatzschwellen und Meldeverfahren für die Mehrwertsteuer wird durch das One-Stop-Shop-Verfahren erheblich erleichtert. Beim Versand von Waren in Drittländer kommen Unternehmen um eine Rechtsberatung aber kaum herum.Fachanwälte für internationales Handelsrecht helfen dabei, die Geschäftsbedingungen rechtssicher zu gestalten, Datenschutzvorschriften einzuhalten und Rechtsverstöße im Drittland zu vermeiden. Unter Umständen kann es auch nötig sein, einen Anwalt im Zielland hinzuzuziehen. 

E-Commerce-Präsenz: Personal im Ausland rekrutieren

Wenn das Geschäft im Ausland gut läuft, kann es Sinn machen, eine eigene Niederlassung aufzubauen. Das erlaubt es zum Beispiel, günstigeren Versand anzubieten, das Sortiment anzupassen und den Online-Auftritt besser an die örtlichen Kundenpräferenzen anzupassen. Der Aufwand ist zwar nicht zu unterschätzen. In einem profitablen Markt rentiert er sich aber auf jeden Fall langfristig. 

Eine besonders große Herausforderung stellt dabei die Personalgewinnung dar. Denn je nach Land gibt es teilweise große Unterschiede darin, wie der Bewerbungsprozess aussieht und welche Erwartungen die Kandidaten and das Unternehmen haben. Außerdem gibt es kaum Möglichkeiten, die Arbeit der ausländischen Mitarbeiter zu überwachen. Ein vertrauensvolles Verhältnis ist deshalb besonders wichtig.

Deshalb bietet sich die Zusammenarbeit mit einem Recruiting-Unternehmen an. Recruiting-Spezialisten kennen die Bedingungen im Zielland und wissen, wie sie die gewünschten Fachkräfte finden und richtig ansprechen. Die Zusammenarbeit mit Recruiting-Firmen kann zwar kostspielig sein. Allerdings verringert sie für den Händler den Aufwand bei der Personalsuche. Vor allem hilft sie aber, Fehlbesetzungen zu vermeiden, die das Wachstum im Ausland ausbremsen.

Wachstumschancen im globalen Onlinehandel nutzen

Der Aufbau einer globalen E-Commerce-Präsenz ist ein langfristiges Unterfangen, das viel Planung erfordert. Glücklicherweise gibt es immer mehr Dienstleistungen, die speziell auf die Anforderungen des internationalen Online-Handels zugeschnitten sind. Dadurch haben auch kleine Unternehmen eine realistische Perspektive auf dem weltweiten Markt. Anstatt viel Arbeit in „selbstgemachte“ Lösungen zu investieren, die möglicherweise nicht zufriedenstellend funktionieren, können sie auf diese Weise schnell in neue Märkte vorstoßen. Und sich so einen Anteil am rasanten Wachstum des globalen Online-Handels sichern.