ECommerce Masterminds Podcast

Umsatztreiber Omnichannel: Zukunft des Handels durch kanalübergreifende Lösungen

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Künstliche Intelligenz, Wallet-Lösungen und der Payment-Markt von morgen

KI, biometrische Authentifizierung und Wallet-Lösungen werden das Omnichannel-Payment prägen. Wie bereitet sich Computop darauf vor?

Henning Brandt: Bei Payment-Trends ist die spannende Frage, ob sich das Bezahlen wirklich Account-to-Account-Lösungen zuwendet – Direktzahlung von Konto zu Konto, ohne Kartenintermediäre, über Open-Banking-Schnittstellen oder Zahlarten wie Wero. Bei all diesen Entwicklungen sind wir vorne dabei. Bei Wero werden wir zu den Ersten gehören, die es im E-Commerce anbieten.

Künstliche Intelligenz ist schon lange wichtig in der Betrugsprävention. Bei Biometrie sehen wir das in der Zwei-Faktor-Authentifizierung der Banking-Apps, aber es wird auch bei Zahlarten eingesetzt. Das neue Click to Pay kombiniert mit Geräteerkennung macht das Bezahlen fast nebenbei möglich – ein echter One-Click-Checkout, der durch die Integration der Biometrie sehr einfach und sicher wird.

Wie sehen Sie die Chancen und Risiken von KI-Agenten im Conversational Commerce?

Henning Brandt: Der neue „Agentic Commerce“ ist Chance und Risiko zugleich. Zum Risiko wird es, wenn Suchmaschinen den Einkauf gleich übernehmen – Google fragt „Soll ich es gleich bestellen?“ und der Kunde besucht den Online-Shop gar nicht mehr. Aber Händler können das mitgestalten. Wir werden bald erste Shops sehen, die Zugriffsmöglichkeiten speziell für KI-Agenten anbieten, optimiert auf deren Geschwindigkeit und Informationsbedarf.

KI-Agenten können Kunden auch im Shop helfen, sich im Sortiment zurechtzufinden – durch Dialog darüber, was der Kunde haben möchte. Eine gute KI bietet dann zum Abschluss den Zahlungslink an, der auf eine vorausgefüllte Zahlungsseite führt. Vielleicht lernt sie auch, welcher Kunde was präferiert, und bietet das gleich an.

GLOSAR

Omnichannel: Verzahnung verschiedener Vertriebskanäle (online, mobil, stationär) mit nahtlosen Übergangsmöglichkeiten für Kunden innerhalb ihrer Customer Journey.

Payment Service Provider (PSP): Dienstleister, der Händlern die technische Anbindung an verschiedene Zahlungsverfahren ermöglicht und Zahlungsprozesse abwickelt.

Click & Collect: Service, bei dem Kunden online bestellen und die Ware in einer Filiale abholen können.

Instore-Return: Möglichkeit, online gekaufte Waren in einem stationären Geschäft zurückzugeben.

Account-to-Account-Zahlung: Direkter Geldtransfer von einem Bankkonto zum anderen ohne Zwischenschaltung von Kreditkartenunternehmen.

Open Banking: Regulatorischer Rahmen, der Banken verpflichtet, Schnittstellen für Drittanbieter bereitzustellen.

Agentic Commerce: Neue Form des Handels, bei der KI-Agenten eigenständig Einkäufe für Kunden tätigen.

Click to Pay: Neue Kreditkartenzahlung ohne Eingabe der Kartennummer, die biometrische Authentifizierung nutzt.

Viele stationäre Händler haben sich noch nicht intensiv mit den Chancen einer Omnichannel-Strategie befasst. Können Sie Click & Collect, Instore-Return und die Nutzung des Filialnetzes als Lager näher beleuchten?

Henning Brandt: Click & Collect und Instore-Return sind Klassiker, aber nicht so einfach zu erreichen. Click & Collect bedeutet, dass man die Lager in den Filialen kennt und diese Informationen in Echtzeit auf der Webseite anbietet. Interessant ist, wenn Händler direkt aus den Filialen liefern, gerade im Fashion-Bereich. Stationäre Händler haben immer Abschriften – das freut Kunden beim Saisonende, ist aber bitter für Händler. Es könnte sein, dass Artikel, die in Augsburg hängen geblieben sind, in Flensburg total beliebt wären. Wenn man diese Artikel online an Flensburger Kunden verkaufen kann, reduziert das Abschriften deutlich.

Das bedingt aber, dass jede Filiale versenden kann – sie muss Kartons haben, geschultes Personal, Verbindung zum Paketdienst. Da ist viel zu tun, aber es steckt viel Potenzial drin. Ein Beispiel aus Bamberg: Den Bürstenhändler Bürsten-Nickles gibt es seit 1907. Er wollte schon zumachen, aber der Urenkel, ursprünglich Informatiker, hat 2016 übernommen. Er hat die Regale abgestaubt, das Sortiment gestrafft und einen Onlineshop aufgebaut. Mit diesem spezialisierten Sortiment erreicht er online eine ganz andere Kundschaft als im Ladengeschäft. Der Onlineshop macht etwa ein Viertel des Umsatzes aus. Omnichannel ist hier jedoch einfach – er liegt derzeit noch in einer Hand.

Wie sehen Sie die weitere Entwicklung des Payment-Markts in Deutschland und Europa?

Henning Brandt:  Wir werden im Payment immer wieder Veränderungen sehen. Im Moment haben wir die Diskussion um europäische Souveränität – zahlungsmäßig auf eigenen Beinen zu stehen, nicht abhängig von großen amerikanischen Unternehmen. Ein europäisches Zahlungsverfahren muss sein, nicht nur als Fallback-Lösung. Dafür kommt Wero an den Start und später der digitale Euro. Wenn der mit Akzeptanzpflicht und Offline-Funktion kommt, wird das ein starkes Argument. Bis 2030 wird man klar sehen, wie das aussieht.

Die großen Kartennetzwerke lassen sich die Butter nicht vom Brot nehmen – sie bereiten sich auf kontenbasierte Zahlungen und Agentic Commerce vor. Paypal greift den POS wieder an, nachdem ihr Wallet eine NFC-Funktion bekommen hat. Das kontaktlose Bezahlen mit dem Smartphone funktioniert jetzt auch mit Paypal wie mit Apple Pay. Computop wird wie in den vergangenen 30 Jahren munter mittendrin stecken und Händler mit einfacher Anbindung mit allem versorgen, was man zum Bezahlen braucht.

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