Experten-Talk Hyper-lokale Fulfillment-Strategien und ihre Auswirkungen auf die Logistik

Ein Gastkommentar von Julia Jocher 2 min Lesedauer

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Wie passen sich die Logistikstrategien 2026 an, um dem Trend zu hyper-lokalen Fulfillment-Netzwerken gerecht zu werden und den wachsenden Anforderungen an schnelle und kostengünstige Lieferungen zu entsprechen? 

(Bild:  © tashechka/stock.adobe.com)
(Bild: © tashechka/stock.adobe.com)

Die Logistikstrategien im Jahr 2026 befinden sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Der Trend hin zu hyper-lokalen Fulfillment-Netzwerken ist keine kurzfristige Entwicklung, sondern die logische Antwort auf veränderte Konsumentenerwartungen, geopolitische Rahmenbedingungen und regulatorische Eingriffe in globale Lieferketten. Schnelligkeit, Transparenz und Kostenkontrolle sind längst keine Differenzierungsmerkmale mehr, sondern Grundvoraussetzungen für Wettbewerbsfähigkeit im E-Commerce.

Unternehmen setzen verstärkt auf dezentrale Lagerstrukturen, urbane Micro-Fulfillment-Center und flexible Multi-Node-Netzwerke, um Same-Day- oder Next-Day-Delivery wirtschaftlich realisieren zu können.

Julia Jocher, Projekt- und Innovationsmanagement bei Group7

Aus logistischer Sicht bedeutet Hyperlokalität vor allem eines: Nähe zum Endkunden bei gleichzeitig hoher Skalierbarkeit. Unternehmen setzen verstärkt auf dezentrale Lagerstrukturen, urbane Micro-Fulfillment-Center und flexible Multi-Node-Netzwerke, um Same-Day- oder Next-Day-Delivery wirtschaftlich realisieren zu können. Damit steigen jedoch auch die Anforderungen an integrierte IT-Systeme, präzise Forecasts sowie an ein dynamisches Bestands- und Retouren-Management. Gerade im E-Commerce zeigt sich, dass operative Exzellenz nur dann funktioniert, wenn Transport, Lager, Zoll und IT nahtlos zusammenspielen.

Regularien und Plattformen aus Asien

Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung sind regulatorische Anpassungen im internationalen Warenverkehr. Die verschärfte Handhabung von Direktimporten aus China führt dazu, dass Plattformen wie Shein, Temu & Co. verstärkt Logistik- und Distributionszentren in Europa aufbauen. Für Endkunden bedeutet dies kürzere Lieferzeiten und eine höhere Warenverfügbarkeit. Für den europäischen Logistikmarkt entstehen zusätzliche Volumina, neue Infrastrukturen und ein deutlich wachsender Bedarf an leistungsfähigen E-Fulfillment-Strukturen.

Diese Entwicklung hat jedoch auch eine Kehrseite. Lokale Händler und mittelständische Anbieter geraten stärker unter Druck, da internationale Plattformen ihre Skaleneffekte nun auch innerhalb Europas ausspielen können. Gleichzeitig verlieren kleinere chinesische Anbieter den direkten Marktzugang nach Deutschland. Die Entscheidung der USA, den direkten Import aus China weitgehend zu unterbinden, verstärkt diesen Effekt zusätzlich und lenkt weitere Warenströme nach Europa, insbesondere nach Deutschland als zentralem Logistik-Hub.

Parallel dazu reagiert China auf die veränderten Rahmenbedingungen mit einer strategischen Diversifikation seiner Absatzmärkte, unter anderem durch eine stärkere Fokussierung auf den afrikanischen Kontinent. Auch hier entstehen neue Handelsrouten und logistische Komplexitäten, die ein belastbares internationales Netzwerk und Erfahrung im Umgang mit sich wandelnden Marktbedingungen erfordern.

Für Logistikdienstleister bedeutet diese Marktdynamik, dass klassische Transportleistungen allein nicht mehr ausreichen. Gefragt sind tief integrierte Lösungen entlang der gesamten Supply-Chain. Group7 begleitet Kunden unterschiedlichster Größenordnungen bei genau diesen Herausforderungen von der internationalen Beschaffung über Zoll- und Handelslogistik bis hin zu skalierbaren Fulfillment- und Retouren-Prozessen. Die Nähe zu E-Commerce-Geschäftsmodellen ermöglicht es, Anforderungen frühzeitig zu erkennen und logistische Strukturen flexibel auszurichten.

hyper-lokale Fulfillment-NetzwerkeJulia Jocher
verantwortet das Projekt- und Innovationsmanagement bei Group7.

Bildquelle: Group7

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