Kommentar

Fast-Fashion-Falle: Shein und Temu gefährden Nachhaltigkeit und lokale Märkte

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Unethisch und ungestraft?

Das Geschäftsmodell der ultraschnellen Mode erzeugt nicht nur riesige Mengen an Treibhausgasen und Textilabfällen. Erschwerend kommt noch hinzu, dass es keine allgemeingültigen, Gesetze oder Vorschriften zur Nachhaltigkeit gibt, so dass es fast unmöglich ist, Gegenmaßnahmen durchzusetzen.

Im Anschluss an eine britische Dokumentation über die Praktiken von Shein gab das Unternehmen bekannt, dass alle seine Zulieferer einen Verhaltenskodex befolgen müssen. Dieser basiert auf den Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation sowie lokalen Gesetzen und Vorschriften. Ferner versicherte das Unternehmen, dass die Zulieferer von weltweit führenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaften geprüft werden, die in den letzten 12 Monaten mehr als 2.600 Audits durchgeführt haben. Bei mehr als 6.000 Zulieferern ist es jedoch klar, dass sie nicht alle regelmäßig geprüft werden, was Fragen zu den Menschenrechten aufwirft

Die philanthropische Initiative des Unternehmens, einen auf fünf Jahre angelegten Klimafonds in Höhe von 50 Mllionen US-Dollar einzurichten, von denen 15 Millionen  US-Dollar an die OR Foundation gehen, um Textilabfälle in Ghana zu bekämpfen, wurde von Forschern als „soziale Kompensation“ kritisiert. Genau wie bei der Klimakompensation wird auch hier angeprangert, dass die Initiative das Problem nicht an der Wurzel packt, das in diesem Fall die riesigen Mengen produzierter Kleidung sind. 

Im Grunde müssten wir die Modezyklen wieder verlangsamen und insgesamt weniger Produkte herstellen. Wir sollten nicht nur berücksichtigen, welche Kosten Fast Fashion unserer Umwelt abverlangt, sondern auch die Folgen für die Menschen, die unsere Kleidung herstellen. 

Fazit

Ich habe mein ganzes Arbeitsleben damit verbracht, den besten Marken der Welt beim Aufbau effizienter, belastbarer, transparenter und verantwortungsvoller Lieferketten zu helfen, um den Kunden die besten, nachhaltigsten und ethisch korrekt hergestellten Produkte zu liefern.

Diese neue Welle chinesischer Fast Fashion ist das Ergebnis einer Verzerrung und Zweckentfremdung von Lieferketten und digitaler Technologie, und sie ist etwas, das unsere Gesellschaften und Regierungen bekämpfen und stoppen müssen. Sie bedroht unsere Volkswirtschaften, unsere Marken, unsere Bürger (sowohl Käufer als auch Mitarbeitende in den Geschäften), unsere Ethik und unsere Umwelt selbst.

Wie lange werden Temu und Shein noch unter dem Radar unserer Regierungen fliegen? Wie wir kürzlich in den USA gesehen haben, können dort, wo der politische Wille vorhanden ist, schnell Maßnahmen folgen. Tik Tok, die Uhr tickt für chinesische Fast Fashion in Europa.

Fast Fashion – Shein – TemuHenri Seroux
ist Senior Vice President Europe bei Manhattan Associates.

Bildquelle: Manhattan Associates

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