Jeden Tag werden neue Produkte und Lösungen erdacht. Wenn es eine Idee in den Geschäftsalltag schafft, dann gilt es, geistiges Eigentum strategisch zu schützen – vor allem in Zeiten, in denen das Vervielfältigen von Informationen und Ideen so einfach fällt wie nie zuvor.
(Bild: Loki Studio / Adobe Stock)
Deutschland hat den Ruf als Erfinderland – viele Innovationen wurden hierzulande erfunden. Trotzdem schaffen es viele innovative Ideen aus Forschung und Entwicklung gar nicht erst in die Anwendung. Gründe, die immer wieder genannt werden, sind fehlender Zugang zu Kapital, Überbürokratisierung, Regulierung, aber auch die kulturell begründete Angst vor dem Scheitern. Sind diese riesigen Hürden jedoch einmal erfolgreich genommen und geistiges Eigentum ist in ein Unternehmen oder ein Produkt überführt, gilt es diese wertvolle Ressource natürlich besonders zu schützen. Doch wie lässt sich das bewerkstelligen?
Markus Schlotter, Managing Director Deutschland und Zentraleuropa bei Exotec, gibt Unternehmen fünf Tipps zum Schutz des geistigen Eigentums an die Hand.
1. Geistiges Eigentum frühzeitig schützen
Vor allem in der Welt der Technik und noch mehr in der Robotik, wo Software und Hardware aufeinandertreffen, gilt es stets informiert und vorsichtig zu handeln. Der frühzeitige Schutz des geistigen Eigentums ist von entscheidender Bedeutung, vor allem für Neugründungen.
Es gilt zuerst herauszufinden, welche Arten von geistigem Eigentum vorliegen: Patente, Marken, Urheberrechte, Designs oder Geschäftsgeheimnisse. Können Innovationen patentiert werden? Bei technischen Erfindungen lohnt es sich immer zu prüfen, ob ein Patent beantragt werden kann. Diese räumen exklusive Rechte ein und schützen vor Nachahmern.
2. Verletzungen geistigen Eigentums vermeiden
Durch die Beobachtung von Patentaktivitäten im jeweiligen Bereich, bleibt man dem technologischen Fortschritt stets einen kleinen Schritt voraus. Patentübersichten und -landschaften können Bereiche aufzeigen, in denen Gründer einen Wettbewerbsvorteil haben und helfen neue Innovationsmöglichkeiten aufzuspüren. Auf diese Weise lässt sich auch sicherstellen, dass die neuen Produkte oder Dienstleistungen nicht versehentlich gegen bestehende Schutzrechte verstoßen.
Bei technischen Erfindungen lohnt es sich immer zu prüfen, ob ein Patent beantragt werden kann. Diese räumen exklusive Rechte ein und schützen vor Nachahmern.
Markus Schlotter
Durch eine frühzeitige Analyse der Betriebsfreiheit (Freedom-to-Operate, FTO) lässt sich vorsorgen, dass sich niemand mit bestehenden Patenten oder anderen Rechten des geistigen Eigentums auf die Füße getreten fühlt.
3. Rechtliche Aspekte und Verträge berücksichtigen
Rechtliche Bestimmungen und Verträge sind entscheidend, um sich zu schützen. Schon in der Anfangsphase sollten alle Gründer und Mitarbeiter Verträge unterzeichnet haben, die die Übertragung von Rechten an geistigem Eigentum auf das Unternehmen regeln. Arbeitsverträge sollten Klauseln enthalten, die sicherstellen, dass alle Rechte an geistigem Eigentum, die während des Arbeitsverhältnisses entstehen, auf das Unternehmen übertragen werden. Bei der Zusammenarbeit mit externen Entwicklern, Beratern oder anderen Unternehmen sollten die Rechte in den Verträgen klar geregelt werden.
4. Verwaltung und Überwachung von Werten
Eine wirksame Verwaltung des IP-Portfolios ist notwendig, um den langfristigen Wert und Schutz des geistigen Eigentums zu gewährleisten. Das IP-Portfolio sollte regelmäßig gepflegt und überwacht werden, um sicherzustellen, dass alle IP-Rechte auf dem neuesten Stand sind und rechtzeitig erneuert werden. Es ist wichtig, darauf vorbereitet zu sein, IP-Rechte durchzusetzen, sei es durch rechtliche Schritte oder durch Verhandlungen und Lizenzen.
5. Geistiges Eigentum bewerten
Die Bewertung und Präsentation des geistigen Eigentums sind auch bei der Beschaffung von Finanzmitteln entscheidend. Daher sollte dieser Schritt sorgfältig vorbereitet und durchgeführt werden. Schließlich macht das geistige Eigentum in vielen Fällen einen erheblichen Teil des Unternehmenswerts aus. Bei Finanzierungsrunden sollten daher die IP-Strategie und das IP-Portfolio besonders deutlich und überzeugend dargestellt werden, um den Investoren zu zeigen, wie gut das Start-up aufgestellt ist.
Wie sich geistiges Eigentum schützen lässt
Zum Beispiel in der schnelllebigen Robotikbranche ist eine klare, auf das jeweilige Geschäftsmodell abgestimmte IP-Strategie entscheidend für den langfristigen Erfolg. Sie schützt Innovationen, verschafft Wettbewerbsvorteile und sorgt dafür, dass bestehende Schutzrechte nicht verletzt werden. Dieser proaktive Ansatz zieht Investoren an, eröffnet Einnahmequellen durch Lizenzierung, steigert den Markenwert und unterstützt die globale Marktexpansion.
Indem Gründer ihr Engagement im Bereich geistiges Eigentums mit ihren allgemeinen Geschäftszielen verbinden, schaffen sie eine solide Grundlage für nachhaltiges Wachstum. Durch eine sorgfältige Vorbereitung können Gründerinnen und Gründer von Anfang an sicherstellen, dass sie in Bezug auf den Schutz des geistigen Eigentums gut vorbereitet sind und die für den langfristigen Erfolg und die Wettbewerbsfähigkeit wertvollen Ressourcen geschützt werden.
Stand: 16.12.2025
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