Systeme für Headless Commerce erfreuen sich mittlerweile großer Beliebtheit bei E-Commerce-Experten und Onlinehändlern. Schließlich versprechen sie viel Gestaltungsspielraum und eine flexible Anbindung an andere IT-Systeme. Wie sich mit dem Best-of-Breed-Ansatz die Systemlandschaft zukunftsfähig aufstellen lässt, erklärt Anatolij Woromsbecher von Kosmonaut.
(Quelle: Peshkova/Shutterstock)
Der Online-Hype ist im vollen Gang. Nicht zuletzt, weil die globale Pandemie die Verhältnisse zwischen stationären Geschäften und Onlineshops im Einzelhandel neu geordnet hat. In den letzten Jahren wurde eine Vielzahl von E-Commerce-Lösungen entwickelt, um einen Onlineshop möglichst schnell ans Laufen zu bringen. Viele Lösungsanbieter werben sogar damit, dass ein Händler alles in Eigenregie stemmen kann. An dieser Stelle sollten Händler jedoch vorsichtig sein. Natürlich gibt es Anwendungsbereiche, in denen solche Baukasten-Lösungen funktionieren, doch häufig kommt ein schnelles Ende. Meist, weil der Funktionsumfang zu klein ist. Onlinehandel ist heute alternativlos und deshalb wird ein neuer Ansatz wie Headless Commerce benötigt.
Headless Commerce: Alternative zu All-in-One-Lösungen
Der Onlinehandel ist heute hart umkämpft, denn wie im stationären Einzelhandel tummeln sich hier viele E-Commerce-Anbieter. Der Kreis dieser ist sogar viel größer, wodurch sich auch der Kampf um die Kundschaft weiter zuspitzt. Er verlagert sich von lokal und regional zu national und teilweise international. Die Anforderungen an Business-Modelle im E-Commerce, aber auch die Erwartungen der Konsumenten sind heute so groß, dass es nur wenige Anwendungsbereiche gibt, in denen All-in-One-Lösungen überzeugen können.
Komplexe E-Commerce-Architekturen schrecken viele ab. Manchen Händlern fehlt die Notwendigkeit die bestehenden Systeme genau unter die Lupe zu nehmen. Andere haben viel ausprobiert, kehren aber immer wieder zum Bekannten zurück. Oder man hat sich von den Versprechen einer Baukasten-Lösung überzeugen lassen, weil es an Ressourcen mangelt, um das Thema voranzutreiben. Schließlich sind die Budgets, die für E-Commerce-Projekte bereitgestellt werden, meist noch immer schmal. Es gibt viele Gründe, warum man sich mit vermeintlich komplexen Systemen nicht beschäftigt. Headless Commerce kann Händlern eine echte Alternative bieten.
Headless Commerce: Trennung von Frontend und Backend
Das Prinzip von Headless Commerce liegt darin, dass Frontend und Backend voneinander getrennt werden. Klassischerweise sind diese nämlich miteinander verknüpft oder besser gesagt: Der Kopf (das Backend) ist fest verbunden mit dem Körper (das Frontend). Im Backend werden alle administrativen Vorgänge verarbeitet. Im Frontend werden Shop-Funktionalitäten für den Kunden bereitgestellt. Der Headless Commerce etabliert das Prinzip, dass Lösungen nicht länger an ein bestimmtes Backend-System gekoppelt sein müssen – der Körper kann sich also vom Kopf lösen.
Über das Backend werden dann nur noch verschiedene Lösungen angebunden und verwaltet. Gesteuert werden die einzelnen Systeme über ihre eigenen Anwendungen. So können Händler beispielsweise ein ERP-System oder eine CRM-Lösung nutzen, die funktional nicht unbedingt für ihr Backend-System ausgelegt sind oder gar entwickelt wurden. Headless Commerce entfernt so die strengen Limitierungen vieler Lösungsanbieter und ermöglicht skalierbaren und flexiblen E-Commerce.
Best-of-Breed-Ansatz im E-Commerce führt zum Erfolg
Der Begriff Best of Breed kommt ursprünglich aus der IT und beschreibt vereinfacht gesagt: Für jeden Anwendungsbereich im Unternehmen wird die beste erhältliche Softwarelösung ausgewählt und verwendet. Klingt simpel, hat in der Praxis allerdings weitreichende Konsequenzen. Vor allem aus Sicht der Systemadministration ergeben sich Besonderheiten, wenn der Best-of-Breed-Ansatz verfolgt werden soll.
An erster Stelle ist sicher das Problem der Komplexität zu nennen. Je mehr Anbieter beteiligt sind, desto komplexer wird die Systemlandschaft. Es wird also schwerer für den Systemadministrator, den Überblick zu behalten. Wer auf Komplettlösungen von einem Anbieter setzt, hat den Vorteil einen einzigen Ansprechpartner bei Problemen zu haben. Der Vorteil verschiedener Anbieter und Lösungen ist hingegen, dass separat an unterschiedlichen Baustellen gearbeitet werden kann, wenn mehrere Systeme ausfallen oder andere Probleme entstehen.
Bei Komplettlösungen sind die Systeme oft so miteinander verknüpft oder voneinander abhängig, dass der Ausfall eines Systems automatisch andere Ausfälle nach sich zieht. In einem Best of Breed-Setup kann eine einzelne Lösung leichter aus dem System entfernt werden, um Fehler individuell beheben zu können. Die Schnittstellen-Abhängigkeit bei Headless-Commerce-Lösungen und beim Best-of-Breed-Ansatz mag viele Händler mit kleinen E-Commerce-Teams zunächst abschrecken. Schließlich müssen bei dieser Strategie viele Kapazitäten und Ressourcen für IT-Infrastruktur und Administration bereitgestellt werden.
Stand: 16.12.2025
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Mit Best-of-Breed-Strategie Systemlandschaft harmonisieren
Eine Best-of-Breed-Strategie lohnt sich auch mit Hinblick auf die Harmonisierung der Systemlandschaft. Durch die Wahl spezifischer Lösungen kann so ein E-Commerce-System vorangetrieben werden, dass genau aufeinander zugeschnitten ist. Ein unterschätzter Faktor, denn in den vergangenen Jahren haben sich viele Altlasten in den Systemen von Onlineshop-Betreibern angesammelt. Oft werden Entwicklungsbudgets heruntergeschraubt, was dazu führt, dass vor allem Systeme, die auf Baukasten-Lösungen basieren, oft rückständig sind. In letzter Konsequenz wirkt sich das dann auf die Kundschaft aus. Denn neue und bessere Technologien sowie Lösungen adaptieren veränderte Nutzerbedürfnisse heute wesentlich besser.
Genau aufeinander abgestimmte Software vereinfacht die Entwicklungsarbeit an Systemen, lässt sich leichter warten und ist weniger fehleranfällig, wodurch in letzter Konsequenz auch Kosten reduziert werden. Im E-Commerce stehen wir an einem Wendepunkt. Vielleicht ist es jetzt Zeit, das Motto „Never change a winning team“ abzulegen und in skalierbare E-Commerce-Systeme zu investieren. Dadurch können Plattformstrukturen effizienter etabliert werden und Shop-Betreiber wären besser für die zukünftigen Markt- und Kundenentwicklungen gewappnet. So belohnt man sich am Ende mit einer E-Commerce-Architektur, die auf einem zukunftsfähigen, skalierbaren und flexiblen Fundament steht.
(Anatolij Woromsbecher ist Gründer und CTO der Kosmonaut GmbH. (Bild: Kosmonaut))
Über den Autor: Anatolij Woromsbecher ist einer der beiden Gründer und Chief Technology Officer (CTO) der E-Commerce-Agentur Kosmonaut in Rheda-Wiedenbrück. Der Softwareentwickler war zuvor für ChannelAdvisor und als selbstständiger Entwickler tätig. Er verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung im E-Commerce und hat seinen Schwerpunkt bei der strategischen Beratung von E-Commerce-Prozessen, API- und E-Commerce-Middleware-Entwicklung.