Studie zu Attitude Behavior Gap Umweltbewusstsein: Verbraucher zwischen Anspruch und Realität

Verantwortliche:r Redakteur:in: Stefan Girschner 4 min Lesedauer

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Deutschland hat hohe Ansprüche an das Umweltbewusstsein, genügt aber diesen oft selbst nicht. Eine neue Studie von Kleinanzeigen hat die „Attitude Behavior Gap“ untersucht. Diese zeigt, warum viele Verbraucher trotz guter Vorsätze nicht nachhaltig handeln.

(Bild: Supatman/Adobe Stock)
(Bild: Supatman/Adobe Stock)

Starkregen, extreme Hitze oder Stürme – für 60 Prozent der Verbraucher in Deutschland ist klar: Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen der Menschheit. Die Studie zeigt allerdings auch, dass 34 Prozent der Verbraucher trotz positiver Umwelteinstellung nicht entsprechend handelt. Diese Kluft zwischen dem Umweltbewusstsein und dem tatsächlichen Verhalten wird Attitude Behavior Gap (ABG) genannt. 

Für die Studie von YouGov im Auftrag von Kleinanzeigen wurde Verbrauchern eine Reihe von Fragen gestellt, die zum einen erfassen, wie wichtig die Umwelt den Befragten ist. Und zum anderen, welche umweltbewussten Verhaltensweisen diese tatsächlich umsetzen. Daraus konnten für jede Person die Werte für Umwelteinstellung und Umweltverhalten sichtbar gemacht und miteinander verglichen werden, um die Lücke zwischen Einstellung und Handeln, also die Attitude-Behaviour-Gap, zu ermitteln.

Umweltbewusstsein: Verbraucher aus Berlin und Hamburg liegen vorn

Ein Blick auf ausgewählte Bundesländer zeigt regionale Unterschiede: Menschen in Berlin und Hamburg haben mit jeweils 28 Prozent eine geringere Lücke zwischen Einstellung und Handeln – sie verhalten sich also entsprechend nachhaltiger und spüren den gesellschaftlichen Druck beim Umweltbewusstsein, besonders stark (Berlin: 40 Prozent, Hamburg: 39 Prozent). Auch die Angst vor der Zukunft ist dort sehr viel größer (jeweils 50 Prozent) als im Rest von Deutschland. Bayern hingegen liegt hinsichtlich der ABG mit 39 Prozent über dem Durchschnitt – Anspruch und Realität klaffen hier besonders groß auseinander.

Zahlreiche Hürden für das Umweltbewusstsein

Doch was bereitet Probleme, den nachhaltigen Absichten Taten folgen zu lassen? Rund die Hälfte (45 Prozent) findet es schwierig, zu beurteilen, ob die Nachhaltigkeitsinformationen vertrauenswürdig sind. Im Vergleich zu den anderen Generationen tun sich die Babyboomer (Jahrgänge 1946 – 1964) besonders schwer damit (53 Prozent). Zudem haben vier von zehn (42 Prozent) Schwierigkeiten, Informationen darüber zu finden, ob ein Produkt nachhaltig hergestellt wird. Circa ein Drittel (30 Prozent) hat Probleme, diese Informationen zu verstehen.

Medien beeinflussen Umweltbewusstsein

Über Nachhaltigkeit zu schreiben und zu sprechen bestärkt nachhaltiges Handeln: Seitdem das Thema mehr mediale Aufmerksamkeit bekommt, haben 33 Prozent der Menschen hierzulande ihr Verhalten zugunsten der Umwelt geändert. Besonders lassen sich Millennials (Jahrgänge 1980 – 1994) mit 40 Prozent und die Gen Z (Jahrgänge 1995 – 2010) mit 46 Prozent dadurch beeinflussen. Jedoch kann die Medienpräsenz auch gegenteilig wirken: 21 Prozent geben an, aufgrund der Berichterstattung weniger auf die Umwelt zu achten. Besonders auffällig ist die ablehnende Haltung der Millennials (34 Prozent) und der Gen Z (25 Prozent).

Sollen doch andere handeln

In der Verantwortung, mehr für die Nachhaltigkeit zu tun, sieht Deutschland vor allem die Wirtschaft (61 Prozent), die Politik (57 Prozent) und ihre Mitmenschen (52 Prozent). Letztere können sogar einen großen motivierenden Effekt haben: 43 Prozent der Befragten geben an, es motiviere sie, nachhaltiger zu handeln, wenn Menschen in ihrem direkten Umfeld dies auch tun.

Das Tempolimit zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes in Deutschland ruft zwiespältige Meinungen hervor: Eine knappe Mehrheit ist dafür (55 Prozent). Diese Idee erhält vor allem von den Boomern Zuspruch (62 Prozent). Erstaunlicherweise sind nur 42 Prozent der Gen Z dafür – 13 Prozentpunkte unter dem Gesamtdurchschnitt. Positiver stehen die Befragten dem Ausbau des Schienennetzes (69 Prozent) und der Radwege (64 Prozent) gegenüber. Günstigere ÖPNV-Tarife (33 Prozent) oder bessere Anbindung an Bus, Tram und Co. (32 Prozent), würde rund ein Drittel motivieren, das Auto (öfter) stehen zu lassen.

Umweltbewusstsein: Klimaproteste, nein danke

Aktivismus kommt nicht gut an: Die Hälfte (49 Prozent) lehnt Demonstrationen wie „Fridays for Future“ ab. Nur bei der Gen Z überwiegt die Zustimmung (43 Prozent) die Ablehnung (30 Prozent). Aktionen wie die der Letzten Generation lehnen Babyboomer mit 81 Prozent vehement ab. Die größte Zustimmung kommt von den Millennials (33 Prozent), allerdings sind auch sie mit 46 Prozent dagegen. Für den Aktionsmonat Veganuary können sich die Babyboomer am wenigsten begeistern (17 Prozent). Jüngere Menschen zeigen sich dafür deutlich aufgeschlossener: 46 Prozent der Millennials und 44 Prozent der Gen Z unterstützen diese Initiative.

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Ältere Verbraucher konsumieren nachhaltiger

Was die Nutzung von Produkten angeht, verhalten sich Babyboomer besonders nachhaltig: 92 Prozent der Befragten versuchen, sie so lange wie möglich zu verwenden. Bei Millennials und der Gen Z sind es nur 67 Prozent. Jedem dritten Millennial ist es außerdem wichtig, immer die neuesten Trends und Produkte zu besitzen. Für acht von zehn Babyboomern spielt das keine Rolle.

Zur Methodik der Studie: Die verwendeten Daten basieren auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 3.523 Personen zwischen 30. Juli und 7. August 2024 teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren in Bezug auf Geschlecht und Alter. Die „Attitude Behavior Gap“ wurde durch YouGov berechnet. Für die Auswertung wurden aus einem Fragenset die Variablen „Umwelteinstellung“ und „Umweltverhalten“ gebildet. Daraus konnte für jede und jeden Befragten ein individueller Einstellungs- und Verhaltenswert ermittelt und anschließend verglichen werden.

Die Fragen zum Umweltbewusstein wurden in Zusammenarbeit mit dem Wuppertal Institut und der Funke Mediengruppe entwickelt. Kleinanzeigen ist ein Online-Kleinanzeigenmarkt in Deutschland, in dem durchschnittlich mehr als 50 Millionen Anzeigen verfügbar sind – von Kinderbedarf über Elektronik bis hin zu Immobilien. Mit monatlich mehr als 35 Millionen Nutzern zählt Kleinanzeigen hierzulande zu den reichweitenstärksten Web-Angeboten.