Logistik Insight

Experten-Talk: Technologien für die Logistik von morgen

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Körber Supply Chain, Logistics Reply und Timocom

Michiel Veenman – VP Product & Portfolio Management bei Körber Supply Chain

Grundsätzlich sind Kompaktheit und Flexibilität bei Lagerlösungen erfolgskritisch, um auf Sortimentsänderungen und Nachfrageschwankungen infolge von Kampagnen, Weihnachtsspitzen, Produkteinführungen oder ähnlichen Ereignissen reagieren zu können. Angesichts stetig wachsender Produktpaletten rückt zudem die Raumeffizienz immer stärker in den Fokus – insbesondere, da Waren teilweise in der Nähe wichtiger Kundenstandorte gelagert werden müssen, wo Lagerfläche entsprechend teuer ist. Lagerungssysteme der neuen Generation mit integrierter AMR-Technologie sind kompakt und skalierbar und stellen damit einen echten Wettbewerbsvorteil dar.

Michiel Veenman, VP Industry Solutions & Design bei Körber Supply Chain Automation.(Bild:  Körber Supply Chain Automation)
Michiel Veenman, VP Industry Solutions & Design bei Körber Supply Chain Automation.
(Bild: Körber Supply Chain Automation)

Distributed-Order-Management-System (DOMS): Darüber hinaus lässt sich die Effizienz in der Logistik auch durch die richtige Lagerstrategie in Kombination mit Software-Lösungen steigern. Ein Distributed-Order-Management-System ermöglicht es beispielsweise, seltener verkaufte Produkte zentral zu lagern, während stärker nachgefragte Artikel kundennah vorgehalten werden. So lassen sich sowohl Lieferzeiten als auch Raumkosten optimieren.

Die zunehmende Konsolidierung von Lieferungen führt in der Praxis häufig zu einem Mix aus Cross-Docking- und Kommissioniervorgängen, die teilweise parallel abgewickelt werden müssen. Robotiklösungen wie unser VarioPick für dynamische Picking-Aufgaben können diese Prozesse vereinfachen und gleichzeitig die Qualität erhöhen – auch mit dem Ziel, Retouren zu minimieren. Deren Abwicklung wiederum lässt sich durch moderne Technologien ebenfalls erleichtern, etwa durch intelligente Bildverarbeitungssysteme zur automatischen Erkennung der Produktqualität.

Alexander Edelmann – Partner von Logistics Reply

Schwankende Nachfrage, steigende Serviceanforderungen und schnelle Lieferzusagen zwingen Unternehmen dazu, ihre E-Commerce-Prozesse in Echtzeit zu steuern und permanent zu optimieren. Wettbewerbsfähig bleibt, wer datengetrieben handelt und operative Entscheidungen schneller trifft als der Markt. Genau hier setzen zwei technologische Entwicklungen an, die die Logistik nachhaltig verändern: Agentic AI und intelligente Warehouse-Orchestration.

Alexander Edelmann, Partner von Logistics Reply.(Bild:  Logistcs Reply)
Alexander Edelmann, Partner von Logistics Reply.
(Bild: Logistcs Reply)

Agentenbasierte KI-Systeme ermöglichen es Unternehmen, Entscheidungsprozesse zu automatisieren und Routineaufgaben zu delegieren. Moderne Plattformen erlauben die Erstellung solcher KI-Agenten bereits ohne Programmierkenntnisse. Durch den Zugriff auf Live-Daten, Mustererkennung, Anomaliedetektion und automatisierte Handlungsempfehlungen lassen sich beispielsweise Produktivitätsrückgänge frühzeitig erkennen oder zeitintensive Schritte wie der Retouren-Abgleich deutlich beschleunigen. Der strategische Vorteil: Mitarbeiter gewinnen Zeit für wertschöpfende Tätigkeiten, während KI operative Stabilität und Geschwindigkeit sicherstellt.

Systemübergreifende Koordination der Lagerprozesse: Ergänzend stellt Warehouse Orchestration eine übergeordnete Steuerungsebene dar, die Lagerprozesse systemübergreifend koordiniert. Sie synchronisiert WMS, Automatisierung, IT-Systeme und Ressourcen in Echtzeit, priorisiert Aufträge dynamisch anhand von Regeln und Kapazitäten und sorgt für eine durchgängige Transparenz aller Abläufe. So entstehen skalierbare, robuste und hochreaktive Lagerstrukturen, die insbesondere in hybriden und stark automatisierten Logistikumgebungen für entscheidende Effizienz- und Durchsatzvorteile sorgen.

Die Kombination aus Agentic AI und orchestrierten Lagerprozessen ermöglicht eine Logistik, die nicht nur automatisiert, sondern auch intelligent agiert. Sie reduziert Komplexität, erhöht die Resilienz und macht Unternehmen zukunftsfähig.

Gunnar Gburek – Head of Business Affairs bei Timocom

Wettbewerbsfähigkeit entsteht immer stärker durch die Fähigkeit, Komplexität intelligent zu beherrschen. Für die Logistik des stationären und digitalen Handels werden KI-basierte Agenten entscheidend, die etwa bei der Vergabe von Transportaufträgen unterstützen. Transportbedarfe lassen sich mit wenigen Klicks aufsetzen, Angebote automatisiert vergleichen und Verhandlungen vorbereiten oder sogar führen. Das ist besonders relevant für kleinere Sendungsmengen, bei denen Zeitdruck, Sprachbarrieren oder fehlende Markttransparenz bislang echte Hürden waren. KI-Agenten können Preise einordnen, Vorschläge unterbreiten und Prozesse beschleunigen, ohne den Menschen aus der Verantwortung zu nehmen. Daran arbeitet auch Timocom.

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Gunnar Gburek, Head of Business Affairs bei Timocom.(Bild:  Timocom)
Gunnar Gburek, Head of Business Affairs bei Timocom.
(Bild: Timocom)

Schlaue KI-Agenten: Darüber hinaus übernehmen KI-Agenten Aufgaben, die bislang viel manuelle Koordination erfordert haben – gerade in Disposition und Kundenkommunikation. Im E-Commerce ist der Informationsbedarf naturgemäß sehr hoch: Wo befindet sich die Sendung? Wann kommt sie an? Lässt sich kurzfristig etwas ändern? KI-gestützte Systeme können solche Anfragen automatisiert beantworten, Statusinformationen bündeln und proaktiv kommunizieren. Das entlastet Teams und sorgt gleichzeitig für einen Servicegrad auf einem neuen Level.

Gerade für kleine und mittlere Unternehmen ist das ein wichtiger Hebel. KMU stehen vor der Herausforderung, trotz begrenzter Ressourcen mit automatisierten Logistikservices internationaler Konzerne zu konkurrieren. KI-Agenten schaffen hier Ausgleich: Sie ermöglichen schnelle Reaktionen, konsistente Kommunikation und eine strukturierte Abwicklung.

Konstantin Pfliegl
ist leitender Redakteur für das e-commerce Magazin und Digital Business. Er verfügt über mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung als Journalist für verschiedene Print- und Online-Medien.

Bildquelle: Foto Marquart, Tutzing