Personalmanagement Mitarbeiterbindung: Wie JYSK diese verbessern konnte

Ein Gastbeitrag von Lucia Ramminger 5 min Lesedauer

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Talente suchen, finden, halten – das sind die Kernaufgaben von HR-Verantwortlichen in diesen turbulenten Zeiten. Insbesondere die Handelsbranche muss sich einiges einfallen lassen, um Mitarbeiter zu motivieren. Eine 4-Tage-Woche oder Homeoffice sind schwierig umzusetzen. Es bedarf adaptierter Konzepte, um die Mitarbeiterbindung zu stärken.

(Bild:  JYSK)
(Bild: JYSK)

Ein Klassiker, den wir alle kennen: abends auf dem Sofa noch schnell ein Geburtstagsgeschenk online bestellen. Unser Smartphone ersetzt in vielerlei Hinsicht den Gang in Einzelhandelsgeschäfte. Wir können jederzeit online aus dem vollen Produktsortiment schöpfen und Ladenöffnungszeiten werden immer irrelevanter. Laut dem Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) ist der Brutto-Umsatz für im E-Commerce 2023 um 11,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Blickt man allerdings auf das letzte Jahrzehnt, ist ein klarer Aufwärtstrend zu erkennen. 

Der Preis, den wir dafür zahlen müssen, ist allerdings nicht unbedeutend. Schlagzeilen wie diese – Chinesische Online-Händler verstopfen Lufttransporte – ist nur eine Schattenseite der aktuellen Entwicklung. Zusätzlich ist und bleibt der Fachkräftemangel ein großes Problem unserer Zeit. Zum einen tun sich Unternehmen (unabhängig von Größe und Branche) schwer, qualifiziertes Personal zu finden. Zum anderen braucht es zukunftsfähige Konzepte, um eine nachhaltige Mitarbeiterbindung zu erreichen. Doch wie schaffen das Organisations- und HR-Verantwortliche?

Mitarbeiterbindung: Eine Portion KI bitte

Talente suchen und finden ist in wirtschaftlich und gesellschaftlich angespannten Zeiten eine wahre Herausforderung. Wichtig dabei ist, dass Unternehmen mit diesen Problemen nicht allein gelassen werden. Politische Bemühungen müssen darauf ausgerichtet sein, Hürden zu minimieren, Genehmigungsverfahren zu vereinfachen und damit eine Art Entbürokratisierung zu schaffen. Zu dieser Aussage kommt die Randstad-ifo-Personalleiterbefragung im vierten Quartal 2023. So ist auch kein Wunder, dass beispielsweise der Ruf nach mehr Technologie in der Talentansprache immer lauter wird. Künstliche Intelligenz etwa kann helfen, Texte für Stellenausschreibungen zu verfassen oder potenzielle Interessenten anzusprechen. 

Unabhängig davon ist jedoch immer das Ziel, Informationen möglichst schnell und einfach zur Verfügung zu stellen, damit Verantwortliche damit arbeiten können. Hier braucht es RecruiterInnen, die mit ihrem Know-how, Einfühlungsvermögen und schlicht Menschlichkeit die nächste Stufe im Bewerbungsprozess erreichen. Aber die eigentliche Kunst in der HR besteht heute in der Mitarbeiterbindung: Personal lange an die Organisation zu binden indem beispielsweise gezielt Benefits eingesetzt werden.

Erfolgreiche Mitarbeiterbindung am Beispiel JYSK

JYSK hat in Vechta das Store Concept 3.0 umgesetzt.(Bild:  JYSK)
JYSK hat in Vechta das Store Concept 3.0 umgesetzt.
(Bild: JYSK)

Die erste Wahl bei Mitarbeitenden im Einzelhandel zu sein – dies ist ein ambitionierter und mutiger Vorsatz, den sich JYSK (ehemals Dänisches Bettenlager) zum Ziel gesetzt hat. Auch für den dänischen Konzern hat sich seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie die Lage am Arbeitsmarkt verändert. Viele Arbeitnehmende haben dem Handel in der Hochphase der Pandemie den Rücken gekehrt. Auch der Trend in Richtung E-Commerce ist bis heute spürbar. Damit wird Geschwindigkeit als Haupttreiber für den Handel und die damit verbundene Generierung von Geschäftserfolg zum Hauptakt. Infolgedessen wird Mitarbeiterbindung zum wichtigsten Credo. Für JYSK steht dabei Vertrauenswürdigkeit an oberster Stelle. 

Die Auswahl an Benefits, die Unternehmen ihren Mitarbeitenden gewähren können, ist groß. Dabei handelt es sich im Allgemeinen um Sachzuwendungen (§ 8 EstG), die eine Zusatzleistung des Arbeitgebers an seine Angestellten darstellt, die zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Lohn gewährt werden. Man unterscheidet zwischen steuerbegünstigten Gehaltsextras, wie beispielsweise den Verpflegungs- oder Fahrtkostenzuschuss sowie steuerfreien Benefits, wie den Betreuungskostenzuschuss und den 50-Euro-Sachbezug. 

Verantwortung übernehmen zum Wohle des Personals

„Der Kampf um Talente hat eine neue Dimension erreicht. Verantwortliche dürfen sich nicht mehr länger auf die besten Verkaufszahlen verlassen. Mitarbeiterbindung und -rekrutierung müssen ganz oben auf der Agenda stehen. Alles steht und fällt mit qualifizierten, engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sonst haben wir keine Chance, als Handelsunternehmen langfristig erfolgreich zu sein und unsere Kunden zu begeistern“, weiß Christian Schirmer, Vorstand bei JYSK. 

Ihm und seinem HR Director Alois Over ist viel daran gelegen, neue zeitgemäße Anreize für mehr Mitarbeiterbindung und -zufriedenheit zu schaffen. Der Auftrag, den das dänische Unternehmen dabei verfolgt: das Beste für den Mitarbeitenden rauszuholen, und zwar für alle im Team. „Das heißt, dass wir als Unternehmen in der Verantwortung sind, dass es ihnen [Anm.: den Mitarbeitenden] gut geht und sie mit den besten Benefits dafür belohnt werden“, sagt Alois Over.

 Zudem müssen auch Verantwortliche aus dem Bereich HR sowie der Lohnbuchhaltung bei JYSK stets ressourcen- und kosteneffizient arbeiten können. Aus diesem Grund fiel die Entscheidung des Handelsriesen auf den steuer- und sozialabgabenfreien 50-Euro-Sachbezug in Form einer wiederaufladbaren Gutscheinkarte. Ein Benefit, der nicht nur die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeitenden berücksichtigt, sondern sich auch vielseitig und flexibel einsetzen lässt und dank der Zusammenarbeit mit einem professionellen Dienstleister mit wenig Verwaltungsaufwand verbunden ist.

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Bedürfnisorientierte Vorteile unterstützen die Mitarbeiterbindung

Mitarbeiterbindung
JYSK betreibt ein Distributionszentrum in Kammlach.
(Bild: JYSK)

Erst die richtige Mischung aus Vorteilen macht einen Arbeitgeber langfristig attraktiv. Zwingend erforderlich: dieser Mix muss individuell, flexibel und bedürfnisorientiert sein. Ein sogenanntes Gießkannenprinzip macht dabei keinen Sinn. Bei JYSK hat man das erkannt. „Neben der Sachbezugskarte von Edenred bieten wir Urlaubs- und Weihnachtsgeld, flexible Arbeitszeiten bis hin zu anteiligem Homeoffice für Kollegen im Regional Head Office sowie Bikeleasing“, erklärt Alois Over. Weitere Benefits für Mitarbeiter sind ein zusätzlicher Vergütungsbestandteil für Beschäftigte, die länger als zehn Jahre im Unternehmen sind. Und wenn Mitarbeitende Fragen rund um Pflege oder Kinderbetreuung haben, können sie den Viva Familienservice kostenfrei in Anspruch nehmen. 

Insbesondere der 50-Euro-Sachbezug stellt ferner einen klaren Win-Win für das Unternehmen als auch das Personal dar. Frei nach dem Motto „brutto für netto“ profitieren die Mitarbeitenden aus rein finanzieller Hinsicht von dem steuer- und sozialabgabenfreien Sachbezug. Ein absoluter Vorteil: Mitarbeitende können die Sachbezugskarte individuell dort einsetzen, wo es für sie die größte finanzielle Entlastung bedeutet – ob für die nächste Tankfüllung, den Besuch im Café oder der Wocheneinkauf im Supermarkt. JYSK hingegen spart Lohnnebenkosten und steigert gleichzeitig das Durchschnittsgehalt seiner Beschäftigten.

Die zukünftige Arbeitswelt ist eine Herausforderung für alle

„Flexible Arbeitszeitmodelle wie eine 4-Tage-Woche sind in unserem Bereich nur schwer umzusetzen. Wir kontern aber mit kleinen Hebeln, die viel bewirken. Sei es eine Schließung der JYSK-Filialen am 24. Dezember oder bei der Unterstützung in Gesundheitsfragen – mit diesen Möglichkeiten wollen wir ein attraktiver Arbeitgeber sein“, führt Over weiter aus. Damit wird eines ersichtlich: Es geht nicht mehr länger nur um das Personal, das entlohnt wird. Vielmehr wird die gesamte Lebenssituation berücksichtigt und das ist Wertschätzung, die man sich wünscht. 

Der Unternehmenserfolg steht und fällt mit qualifizierten und engagierten Mitarbeitern. Sich vordergründig auf die besten Verkaufszahlen zu verlassen, wäre fahrlässig. Denn so sinkt die Chance als Handelsunternehmen langfristig erfolgreich zu sein und Kunden zu begeistern. Gegenseitiges Zuhören und Vertrauen bleibt das A und O, das Erfolg und Wachstum auf beiden Seiten fördert. Der Umwelt (Stichwort: „Lufttransport“) sowie der Kultur wird damit auch etwas Gutes getan.

Lucia Ramminger
ist seit 2019 Director Human Resources bei Edenred Deutschland. Gemeinsam mit ihrem Team betreut sie rund 160 Mitarbeiter und Führungskräfte an drei Standorten. Zu ihrem Aufgabefeld im Personalmanagement zählen unter anderem Themen wie ESG, Digitalisierung von HR-Prozessen, Hybrides Arbeiten, Compensation & Benefits sowie Mitarbeiterbindung und der Ausbau der Arbeitgebermarke.

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