Klarheit durch Daten und Kreislaufwirtschaft Nachhaltigkeit: Vom Versprechen zur operativen Pflicht im E-Commerce

Von Konstantin Pfliegl 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Im kommenden Jahr wird Nachhaltigkeit vom Image-Thema zum harten Bestandteil des Geschäfts. Der Druck kommt aus mehreren Richtungen: strengere Regeln, höhere Kosten in der Lieferkette und Kunden, die belastbare Nachweise statt grüne Versprechen erwarten.

(Bild:  © Alex Alex/stock.adobe.com)
(Bild: © Alex Alex/stock.adobe.com)

DARUM GEHT'S

Messbarkeit: Ohne Zahlen bleibt Nachhaltigkeit im E-Commerce eine Behauptung.

Rechtliche Rahmenbedingungen: Life Cycle Assessment (LCA), Digitaler Produktpass (DPP), CSRD (Nachhaltigkeitsberichterstattung)

Kreislaufmodelle statt Einmalverkauf: Reparatur, Refurbishment und Wiederverkauf werden Standard.

Drei-Stufen-Plan für mehr Nachhaltigkeit: Von Datenlage und Verantwortlichkeiten bis zur Verknüpfung aller Kanäle. 

Für Händler sind die Anforderungen für 2026 klar: Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft müssen in Prozesse, Daten und Entscheidungen eingebaut werden. Der erste Schritt ist dabei Messbarkeit. Ohne Zahlen bleibt Nachhaltigkeit eine Behauptung. Unternehmen führen deshalb Produkt-Fußabdrücke ein – zeigen also die (geschätzten) Emissionen und Umweltauswirkungen eines Produkts über seinen Lebensweg.

Besonders wichtig sind sogenannte Scope-3-Emissionen, also alle indirekten Emissionen in der Lieferkette, von der Herstellung bis zur Entsorgung. Methoden wie LCA (Life Cycle Assessment, eine standardisierte Lebenszyklusanalyse) werden praxisfähig, weil nötige Daten besser verfügbar sind. Eine zentrale Rolle bekommt der Digitale Produktpass, kurz DPP: ein Datensatz pro Produkt, der Materialien, Herkunft, Reparierbarkeit, Recyclingwege und Nachweise bündelt. Regulatorisch zwingt die CSRD (Nachhaltigkeitsberichterstattung) viele Firmen dazu, diese Informationen strukturiert zu sammeln und offenzulegen. 

Zudem gehen Kreislaufmodelle vom Pilot in den Regelbetrieb. Reparatur, Refurbishment oder Wiederverkauf werden planbare Kanäle statt Nebenbei-Geschäft. Das verändert die Sortimentssteuerung: Produkte werden nicht nur einmal verkauft, sondern über mehrere Lebensphasen bewirtschaftet. Rückläufer sind nicht mehr bloß Kosten, sondern Lagerbestand mit zweiter Chance. Für Elektronik, Maschinen und Fashion entstehen Ersatzteil- und Reparaturkataloge, die genauso gut gepflegt sein müssen wie das Neuwaren-PIM.

Intelligente Retourenabwicklung

Reverse Logistics wird zur Kernkompetenz. Das beginnt beim Retourenprozess, der schon online die beste Option vorschlägt: zurücksenden, vor Ort reparieren, Ersatzteil liefern oder lokal spenden. Nach der Ankunft entscheidet ein standardisiertes Grading, was weiter passiert. Lokale Aufbereitungs-Hubs verkürzen Wege, Partnerschaften mit Werkstätten erhöhen Kapazitäten.

Umweltfreundliche Zustellung

In der Zustellung gewinnen emissionsarme Optionen an Gewicht. Kunden sehen den Unterschied transparent: Same Day hat höhere Emissionen, gebündelte Lieferung am Wunschtag spart CO2. Wer „langsamere“ Slots attraktiver macht, etwa mit Rabatt, erreicht eine gute Annahme ohne Zwang.

Transparenz der Lieferketten

Lieferkettentransparenz rückt näher an den Produktkatalog. Händler erfassen, aus welchen Materialien ein Artikel besteht und wo sie herkommen. Bei risikoreichen Rohstoffen (Holz, Leder, Kakao, Palmöl) werden Entwaldungsnachweise notwendig. In der Praxis reichen oft etablierte Mittel wie Chargennummern, QR-Codes und Auditberichte. Der Digitale Produktpass dient dabei als Container für solche Nachweise. Wichtig ist, dass Daten mit dem Artikel „mitwandern“, wenn er repariert, weiterverkauft oder recycelt wird. Nur so entsteht der echte Kreislauf.

Drei-Stufen-Plan für mehr Nachhaltigkeit im E-Commerce

Für den Einstieg bewährt sich ein Stufenplan: 

  • Phase eins klärt Datenlage und Verantwortlichkeiten: Welche Produkt- und Lieferantendaten existieren, welche fehlen, wer darf was bestätigen? Parallel werden zwei sichtbare Use Cases live gebracht, etwa  der Digitale Produktpass für eine Kernkategorie und die Anzeige von Emissionen pro Lieferoption im Check-out.
  • Phase zwei skaliert Kreislaufkanäle: standardisiertes Grading, lokale Aufbereitungs-Partner, Wiederverkauf im eigenen Shop. Dazu klare Regeln für Claims und ein Dashboard mit den neuen Kennzahlen.
  • Phase drei verknüpft Entscheidungen über alle Kanäle: Empfehlungen berücksichtigen Fußabdruck und Marge, retourenarme Produkte werden höher gewichtet, B2B-Angebote enthalten systematisch Refurb-Alternativen.

 So wird Nachhaltigkeit Teil des täglichen Betriebs, nicht nur des Jahresberichts.

Nachhlazigkeit im E-CommerceKonstantin Pfliegl
ist leitender Redakteur für das e-commerce Magazin und Digital Business. Er verfügt über mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung als Journalist für verschiedene Print- und Online-Medien.

Bildquelle: Foto Marquart, Tutzing

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung