Zahlungsabwicklung Online-Payment: Wie Shop-Betreiber der Kostenspirale entkommen

Ein Gastbeitrag von Martin Meinert 6 min Lesedauer

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Steigende Akquisitions- und Paymentkosten setzen E-Commerce-Anbieter zunehmend unter Druck. Neben sinkenden Margen geraten auch Liquidität und Planbarkeit ins Wanken. Doch neue Online-Payment-Lösungen und regulatorische Impulse eröffnen Spielräume.

(Bild:  © Murrstock/stock.adobe.com)
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Der E-Commerce sieht sich derzeit mit einem zunehmend komplexen Marktumfeld konfrontiert. Nach sehr positiven Jahren mit höheren Umsätzen setzt der Branche nun eine schwächelnde Konjunktur gepaart mit steigenden Lebenshaltungskosten und dadurch einer spürbaren Konsumzurückhaltung bei Verbrauchern zu. In der Folge lässt die vorherrschende Wachstumsdynamik der vergangenen Jahre deutlich nach. So waren es laut Statista (Quelle: bevh) im Jahr 2021 noch 99,1 Milliarden Euro Umsatz mit Waren in Deutschland. Seitdem ging er sukzessive zurück und beträgt 2024 nur noch 80,57 Milliarden Euro. Gleichzeitig stehen viele Händler zudem unter einem steigenden Kostendruck – etwa durch höhere Kosten bei Online-Payment., Logistik, Personal und Marketing.

Online-Payment wird zum Faktor für Wettbewerbsfähigkeit

Die Frage ist: Wie kann der E-Commerce-Handel trotz der momentanen Entwicklung profitabel bleiben? Umso wichtiger wird es, auch bisher vernachlässigte Stellschrauben im Geschäftsmodell auf ihre Profitabilitätswirkung hin zu überprüfen. Ein Bereich, der dabei stark an strategischer Bedeutung gewinnt, ist das Online-Payment. Was lange Zeit als technische Notwendigkeit und reine Infrastruktur begriffen wurde, und mit Anbietern wie PayPal und Klarna als relativ festgefahren galt, entwickelt sich zunehmend zu einem entscheidenden Faktor für Wettbewerbsfähigkeit und Ergebnisoptimierung.

Eine intelligent gestaltete Zahlungsabwicklung kann nicht nur die Conversion Rate im Checkout deutlich verbessern – etwa durch reibungslose, einfache und kostengünstige bzw. kostenlose Bezahloptionen –, sondern auch das Risiko von Zahlungsausfällen verringern, Rückbuchungskosten senken und gezielt zur Kundenbindung beitragen. Hinzu kommt: Durchdachte Payment-Ansätze bieten auch Chancen zur Verbesserung der Liquidität und Reduktion von Transaktionskosten. Wer Zahlungsprozesse konsequent als strategisches Steuerungsinstrument denkt, erreicht in einem schwierigen Marktumfeld echte Differenzierung.

Online-Payment: Kostentreiber Kundengewinnung

Online-Payment
Der Abschluss eines Bestellvorgangs am Beispiel des Onlineshops PVC-Welt.
(Bild: PVC-Welt)

Die Kundengewinnung entwickelt sich zunehmend zum Margenkiller im E-Commerce. Insbesondere die Kosten für digitale Akquisition über Kanäle wie Google Ads, Social Media oder Affiliate-Marketing sind in den letzten Jahren signifikant gestiegen. In einem gesättigten Marktumfeld mit hoher Wettbewerbsintensität zahlen Händler heute deutlich mehr für die Aufmerksamkeit potenzieller Neukunden – bei gleichzeitig sinkender Marketingrendite. Vor diesem Hintergrund rückt das Verhältnis zwischen Neukundengewinnung und Bestandskundenpflege stärker in den Fokus. Während Erstkäufe oft teuer erkauft werden müssen, bieten loyale Bestandskunden ein höheres Ertragspotenzial bei geringeren Kosten. Wer seine Margen sichern will, muss daher stärker auf CRM, personalisierte Ansprache und Wiederkaufraten setzen – und so die Balance zwischen kurzfristiger Reichweite und langfristigem Kundenwert neu justieren.

Online-Payment: Versteckter Einflussfaktor auf die Profitabilität

Im E-Commerce wird Online-Payment nach wie vor häufig als rein operative Notwendigkeit behandelt, als ein funktionaler Baustein, der einfach funktionieren soll. Jedoch greift diese Sichtweise zu kurz. Denn die Auswahl, Integration und Steuerung von Bezahlmethoden hat einen direkten und oft unterschätzten Einfluss auf die Profitabilität eines Onlinehändlers. Die Gebührenstrukturen gängiger Zahlungsdienstleister unterscheiden sich zum Teil erheblich – sowohl im Hinblick auf Fixkosten als auch bei transaktionsabhängigen Entgelten, Währungsumrechnungen oder Rückerstattungen. Bei hohen Bestellvolumina oder internationalen Märkten summieren sich diese Kosten schnell zu einem relevanten Posten in der Gewinn- und Verlustrechnung.

Hinzu kommt: Der Checkout-Prozess ist eine kritische Phase der Customer Journey. Technisch fragmentierte oder nicht nahtlos integrierte Payment-Lösungen erhöhen die Komplexität – mit teils gravierenden Auswirkungen auf die Conversion-Rate. Jeder Medienbruch, jedes zusätzliche Formularfeld oder jeder nicht unterstützte Zahlungswunsch kann zum Kaufabbruch führen. Das wirkt sich unmittelbar auf Umsatz und Marge aus. Trotzdem steht das Payment oftmals nicht im Fokus. Tatsächlich wird Payment nach wie vor isoliert betrachtet – losgelöst von strategischen Fragen rund um Kundenbindung, Internationalisierung oder Cashflow-Optimierung. 

Wer jedoch Zahlungsprozesse frühzeitig in die Planung von User Experience und Geschäftsmodell einbindet, kann gleich mehrere Vorteile realisieren: niedrigere Transaktionskosten, höhere Conversion-Rates, bessere Kundenbindung durch präferierte Zahlarten sowie eine stärkere Kontrolle über die Liquidität. In Zeiten steigender Anforderungen und sinkender Margen ist das ein essenzieller Faktor, der gezielt als strategischer Hebel für nachhaltiges Wachstum genutzt werden kann.

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