OpenBanking ist mehr als nur ein technologischer Fortschritt – es ist ein Katalysator für systemische Veränderungen im Finanzsektor. Doch wird Open Banking auch die Landschaft der Zahlungslösungen tiefgreifend verändern?
(Bild: Funtap/Adobe Stock)
Open Banking ist einer dieser Begriffe, die trügerisch einfach klingen. Auf den ersten Blick scheint es sich um eine Art von Bankgeschäften zu handeln, bei denen Daten einfach für Dritte geöffnet werden. Das stimmt zwar, greift aber zu kurz. Im Kern basiert Open Banking auf der Verwendung offener Anwendungsprogrammier-Schnittstellen (APIs). Diese APIs ermöglichen den nahtlosen Austausch von Daten zwischen Banken, Fintechs und anderen Teilnehmern. In diesem Zusammenhang ist manchmal die Rede von „APIsed Finance“: Durch die Öffnung von APIs können Banken, Fintechs und andere Akteure effizienter zusammenarbeiten und Innovationen vorantreiben und neue Dienstleistungen schaffen, von denen die Verbraucher profitieren.
Open Banking: Abkehr von veralteten Infrastrukturen
Aber APIs allein definieren Open Banking nicht. Der eigentliche Wert entsteht durch die Integration von Daten, Cloud-basierten Diensten und einer offeneren, kollaborativeren Landschaft, die nicht nur Banken, sondern viele weitere Akteure umfasst. Die Technologie steht damit auch für eine Abkehr von vertikalen Silos und veralteten Infrastrukturen. Dienstleistungen werden zunehmend über vernetzte Marktplätze, Plattformen und Ökosysteme angeboten. Diese cloudbasierte Infrastruktur ermöglicht ein dynamischeres und reaktionsfähigeres Finanzumfeld und eine bessere Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren im Finanzsektor.
Gleichzeitig können Finanzinformationen auf diese Weise sicher zwischen Banken und Drittanbietern ausgetauscht werden, sodass sich neue Möglichkeiten für personalisierte Angebote eröffnen. Der datengestützte Ansatz verlagert den Schwerpunkt also von isolierten Informationen auf ein dezentrales System, bei dem der Kunde (und nicht die Bank) im Mittelpunkt steht.
Kann Open Banking Kreditkarten ersetzen?
Doch was heißt das nun für die Zahlungslandschaft? Kann Open Banking auch traditionelle Zahlungsmethoden wie Kreditkarten verdrängen, oder ist eine Koexistenz wahrscheinlicher? Sehen wir uns das genauer an.
Kreditkartentransaktionen werden derzeit nach einem traditionellen Vier-Parteien-Modell abgewickelt, das von Netzwerken wie Visa und Mastercard dominiert wird. Diese Netzwerke verwalten die Kanäle, die die Banken mit den Kunden verbinden, wobei an jeder Transaktion mehrere Intermediäre beteiligt sind.
Bestandteile des Kreditkartensystems
Das traditionelle Kreditkartensystem basiert auf einem Vier-Parteien-Modell, bei dem Vermittler wie Visa und Mastercard die Schienen dominieren, die Banken mit Kunden verbinden. Bei einer typischen Kreditkartentransaktion identifiziert das Zahlungsnetzwerk das richtige Zahlungsnetzwerk, autorisiert die Zahlung des Kunden und leitet die Transaktion zur Genehmigung sowohl an die Bank des Kunden als auch an die Bank des Händlers weiter. Für ihre Rolle bei der Erleichterung dieser Transaktionen berechnen Kartennetzwerke den Händlern Interbankenentgelte und andere Kosten, die je nach Region stark variieren, wobei die Gebühren in den USA zu den höchsten der Welt gehören.
Open Banking bricht mit diesem Modell, indem es Händlern ermöglicht, Zahlungen direkt vom Bankkonto des Kunden aus zu veranlassen und so die Kartennetzwerke zu umgehen. Das Ergebnis ist ein vereinfachter Prozess, bei dem Kunden „Pay by Bank“ auswählen, die Transaktion über ihre Banking-App authentifizieren und die Zahlung autorisieren können. Dieser optimierte Prozess senkt die Kosten für Händler und beseitigt einige der mit Kartenzahlungen verbundenen Reibungsverluste.
Kreditkarten und Open Banking bestehen nebeneinander
Es gibt also gute Argumente, die für Zahlungen über Open Banking sprechen. Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass solche Systeme in naher Zukunft Kreditkarten vollständig ersetzen werden. Die beiden Zahlungsmethoden werden eher nebeneinander bestehen. Während Open Banking Vorteile in Bezug auf Kosten, Sicherheit und Benutzererfahrung bietet, bieten Kreditkarten nach wie vor einzigartige Vorteile wie Zugang zu Krediten, Bonusprogrammen und eine breite Akzeptanz auf einem globalen Markt.
Wenn Open Banking eine glaubwürdige Alternative zu Kreditkarten darstellen soll, müssen regelwerksähnliche Vorgaben wie Anfechtungen und Rückbuchungen (sowie Anwendungsfälle, die sich darauf beziehen) definiert und entwickelt werden. Das europäische SEPA Payment Account Access (SPAA) geht in diese Richtung und versucht, mit Regeln, technischen Standards und Leitlinien sowie der Beschreibung der notwendigen Anwendungsfälle einen Rahmen zu schaffen. Im Laufe der Zeit könnte es zu einer allmählichen Anpassung kommen, bei der Open Banking in bestimmten Kontexten, wie im E-Commerce, einen größeren Anteil an Zahlungen übernimmt, während Kreditkarten weiterhin für andere Zwecke verwendet werden.
Stand: 16.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die WIN-Verlag GmbH & Co. KG, Chiemgaustraße 148, 81549 München einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://kontakt.vogel.de/de/win abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Kann Open Banking das Lastschriftverfahren ersetzen?
Einer der vielversprechendsten Anwendungsfälle für Open Banking sind variable wiederkehrende Zahlungen (auch VRPs abgekürzt). Diese Zahlungen erlauben es Kontoinhabern, Dienstleister zu beauftragen, regelmäßig in ihrem Namen Zahlungen vorzunehmen – ähnlich wie bei Lastschriften. Der Mechanismus ähnelt also dem Lastschriftverfahren, basiert jedoch auf den Grundlagen dieser Technologie.
Konkret erfordern VRPs wie Lastschriften ein erstes Mandat des Kunden, aber der entscheidende Unterschied besteht darin, dass der Kunde nicht jede Zahlung einzeln authentifizieren muss, wie es bei den Transaktionen mit Open Banking der Fall ist. Sobald das Mandat erteilt ist, können Verbraucher mit VRPs detaillierte Parameter für die Zahlungsweise festlegen, einschließlich der Begrenzung von Transaktionsbeträgen, -häufigkeit und -dauer. Verbraucher haben auch die Möglichkeit, diese Zahlungen jederzeit zu stornieren, was ihnen mehr Kontrolle und Flexibilität bietet.