Autonome Einkaufs-Bots OpenClaw (ex‑Clawdbot): Was „Buyer‑Bots“ jetzt für Ihren E‑Commerce bedeuten

Von Heiner Sieger 10 min Lesedauer

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Autonome Assistenten handeln nicht mehr nur – sie kaufen ein, vergleichen Preise und nutzen Verhandlungs Features. Was OpenClaw kann, welche Risiken entstehen und wie Onlinehändler ihr Geschäftsmodell absichern können – inklusive 90-Tage-Plan.

(Bild:  © BimoPrinting/stock.adobe.com)
(Bild: © BimoPrinting/stock.adobe.com)

DARUM GEHT'S

OpenClaw (ehemals Clawdbot) macht autonome Einkaufs Bots massentauglich: Sie agieren wie Nutzer, nicht wie klassische Crawler.

Für Händler entstehen neue Risiken (Preis Arbitrage, Fraud, Support-Last) und Chancen (standardisierte Verhandlungs-APIs, B2B Beschaffung).

Ein 90-Tage-Plan hilft, Bot Traffic zu steuern, Margen zu schützen und rechtliche Vorgaben einzuhalten.

Warum das Thema jetzt auf die Agenda gehört

Der Trend „Machine to Shop“ wird konkret. Autonome Assistenten verlassen die Spielwiese. Mit OpenClaw – ursprünglich als „Clawdbot“ gestartet und nach einer kurzen Phase als „Moltbot“ aus markenrechtlichen Gründen in „OpenClaw“ umbenannt – nähert sich ein Agententyp der Praxis, der nicht mehr nur chattet, sondern handelt: Webseiten bedienen, Formulare ausfüllen, Nachrichten verschicken, Termine buchen – und perspektivisch Produkte vergleichen, Angebote erstellen oder Preise verhandeln.

Für E‑Commerce‑Teams ist das eine Zäsur. Denn diese Bots erscheinen in ihren Systemen nicht als klassische Suchmaschinen‑Crawler, sondern als „echte“ Sessions: Browser‑Automationen, die den Shop durchlaufen, Deals testen und – falls Händler es zulassen – mit deren Preis‑ und Rabattlogiken interagieren.

Begriffsabgrenzung

ClaudeBot/Claude Web (Anthropic): Crawler/Fetcher für Trainings- und Abrufzwecke; respektieren robots.txt.

OpenClaw/Clawdbot: Persönlicher Agent, der wie ein Nutzer agiert (Formulare, Buttons, Chat). robots.txt greift hier nicht.

Konsequenz: Crawler lassen sich sauber steuern; Agenten erfordern Session‑basierte Maßnahmen (Bot‑Management, Auth, Limits).

Aktuelle Einordnung

OpenClaw ist kein Produkt eines großen Tech-Konzerns, sondern ein offenes, community getriebenes Projekt, das lokal auf Consumer-Hardware oder Servern laufen kann und Messaging-Kanäle wie WhatsApp, Telegram oder Slack ebenso nutzt wie Browser-Automatisierungen. Medienberichte dokumentieren die schnelle Entwicklung und die Umbenennung aus markenrechtlicher Vorsicht.

„Das Besondere an Openclaw ist, dass die KI mit deutlich mehr Autonomie arbeitet als stärker ‚selbstregulierten' Modelle der Technik-Riesen. Die Bots können etwa Produkte in Warenkörbe legen oder Bestände blockieren – Inventory Hoarding –, um Preise zu beobachten oder Produkte für Wiederverkäufer zu sichern“, sagt Frank Düssler, Sprecher des Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V (bevh). Daraus ergeben sich für den Verband neue Fragen für Händler, wie: „Welche Kulanzregelung wollen Händler verfolgen, wenn ein völlig autonomer und lokal gehosteter KI-Agent falsche Bestellungen auslöst? Wer kommt für die Kosten der entstandenen Retoure auf, wenn Bots laufend ungewollte Ware bestellen? Wie will ich zukünftig Kunden erreichen, wenn das Marketing seine Wirkung verliert, weil nicht mehr der Mensch, sondern eine autonome  KI die Vorauswahl der Produkte trifft?

Warnung vor Agenten-Welle

Sicherheitsanbieter wie HUMAN Security und Datadome warnen seit Monaten vor einer „AI‑Crawler‑ und Agenten‑Welle“: Während Crawler via robots.txt steuerbar sind, seien agentische Interaktionen nur über Session‑Schutz, Rate‑Limiting und Identitätsprüfungen beherrschbar.

Laut Bad Bot Report von Imperva (Ausgabe 2025, Datenjahr 2024) ist automatisierter Traffic (gut + schlecht) auf 51 Prozent gestiegen und überholte damit erstmals seit Jahren den menschlichen Traffic. Per se ist OpenClawd zwar nicht böswillig – viele Anwender automatisieren damit inzwischen persönliche Workflows. Aber für E‑Commerce‑Händler entsteht das Risiko dort, wo dieselbe Technik für Scraping, Scalping, Coupon‑/Inventar‑Missbrauch oder automatisierte Check-outs eingesetzt wird. Entscheidend: Solche Agents haben keine stabilen User‑Agents oder IP‑Ranges und ignorieren faktisch robots.txt; reine UA‑ oder IP‑Sperren greifen daher zu kurz.

Erste Ökosysteme rund um Agenten

Und: Laut dem US-Onlinemagazin TechCrunch haben OpenClaw‑Agenten binnen kürzester Zeit sogar eine eigene, experimentsgetriebene Community‑Plattform namens „Moltbook“ aufgesetzt – ein Indiz, wie schnell sich Ökosysteme rund um Agenten bilden. Das ist schon eine Art soziales Netzwerk, in dem OpenClaw‑Assistenten selbstständig in Foren („Submolts“) interagieren, Skills teilen und sich organisieren – spannend, aber sicherheitsseitig heikel, weil Agenten regelmäßig Anweisungen aus dem Netz abrufen.

Laut Auskunft von eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. arbeitet man dort aktuell allerdings weder an einem eigenen Standard zur Kennzeichnung seriöser Einkaufs Bots noch an verbindlichen Fair Use Regeln oder technischen Detailvorgaben. Auch praxisnahe Leitlinien zu Logging Umfang, Aufbewahrungsfristen, Authentifizierungsverfahren oder konkreten Schutzmaßnahmen gegen automatisierte Zugriffe liegen derzeit nicht vor.

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„Unser Verband sieht den Einsatz autonomer Einkaufs-Bots und algorithmischer Preisbildungsmechanismen im E Commerce händlerseitig bereits heute durch einen umfassenden bestehenden Rechtsrahmen reguliert“, sagt Erik Jödicke, Referent für politische Kommunikation bei eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. „Maßgeblich sind insbesondere der AI Act, das UWG, die P2B Verordnung sowie die Vorgaben der DSGVO. Aus Sicht von eco bestehen derzeit keine erkennbaren Regulierungslücken, etwa im Hinblick auf algorithmische Preisbildung oder sogenannte stille Kollusion. Zusätzliche spezifische Vorgaben würden nach Einschätzung des Verbands vor allem kleinere Händler und Plattformen unverhältnismäßig belasten.“