Interview zur Robotic Coordination Layer Otto Group optimiert Intralogistik mit KI-gestützter Robotik von Nvidia

Das Gespräch führte Heiner Sieger 7 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Kay Schiebur, Konzern-Vorstand Services der Otto Group, erklärt, wie Otto mit Nvidia und einem Robotic Coordination Layer die Intralogistik für schwere Großstücke skaliert: niedrigere Stückkosten, mehr Peak Flexibilität und verlässlichere Lieferungen.

(Bild:  Ottto Group)
(Bild: Ottto Group)

DARUM GEHT'S

Ziele und Hebel: Besseres Kundenerlebnis, signifikant niedrigere Stückkosten und resilienteres Peak Management durch Simulationen von Layout, Robotikflotten, Personal und Volumenszenarien.

Status & Roadmap: Löhne als Pilot; digitaler Zwilling und Schnittstellen im Aufbau; Ergebnisse fließen in E2E Planung, Roll out auf weitere Standorte geplant.

People & Skills: Neue Rollen (Operativer Leitstand, Robotic Operator/Technician/Process Engineer) und modulare Qualifizierungsprogramme mit Test & Learn Ansatz seit 2019.

Herr Schiebur, Hermes Fulfillment und der Hermes Einrichtungs Service sind zentrale Player in Ihrer B2C Logistik: Wie verändert die KI gesteuerte Robotik in Löhne Ihr Fulfillment Angebot für Marken und Händler auf otto.de – zielt das primär auf geringere Stückkosten, mehr Peak-Flexibilität oder neue Servicebausteine?

Kay Schiebur: Hinter der Entwicklung des Robotic Coordination Layers stehen mehrere übergeordnete Ziele:

  • das Kundenerlebnis zu verbessern – durch verlässlichere, schnellere Lieferungen,
  • die Stückkosten signifikant zu senken und damit langfristig Skaleneffekte zu realisieren,
  • und die Flexibilität im Peak-Management zu erhöhen, um Nachfragespitzen effizient abfedern zu können.

Der Hebel dafür sind schnellere, effizientere Intralogistikabläufe. Möglich wird das einerseits durch die schnellere Einbindung von neuen Roboter-Flotten und Automatisierungstechnologien. Andererseits erlaubt es uns der Robotic Coordination Layer auch, verschiedene Konfigurationen unserer Logistikstandorte zu simulieren und so optimale Abläufe sowie den idealen Personal- und Robotereinsatz zu ermitteln. Gleichzeitig können auch verschiedene Volumenszenarien simuliert und so das Peak-Management verbessert werden. Beides erhöht die Resilienz unserer Lieferketten. Von diesen Vorteilen werden alle Kunden von Hermes Fulfillment profitieren.

E-Commerce ist durch starke Nachfragespitzen, Aktionen und saisonale Schwankungen geprägt: Welche Rolle spielt die Nvidia KI künftig bei der dynamischen Steuerung von Kapazitäten und Prioritäten in Löhne – etwa zwischen verschiedenen Produktkategorien, Vertriebskanälen oder Servicelevels?

Kay Schiebur: Der Robotic Coordination Layer übernimmt künftig eine zentrale Rolle in der dynamischen, datenbasierten Steuerung – genau hier kommen alle Vorteile der neuen Lösungen zum Tragen. In den vorgelagerten Systemen werden Promotionsdaten und saisonale Abverkaufsprognosen aufbereitet. Der Robotic Coordination Layer setzt darauf auf und übersetzt gleichzeitig die Artikelparamenter (Maße, Gewicht et cetera) in physikbasierte Simulationen, um frühzeitig das optimale Set-up für Personal und Roboter zu berechnen. Am konkreten Beispiel: So können wir beispielsweise bei einer Rabattaktion für zweitürige Side-by-Side-Kühlschränke schon vor Lagerumschlagbeginn das ideale Layout, die passende Roboterkonfiguration und den erforderlichen Mitarbeitereinsatz festlegen. Dadurch bleiben wir auch bei schwankenden Volumina und komplexen Großstücken zuverlässig und effizient. 

DER GESRPRÄCHSPARTNER

Kay Schiebur ist Konzern Vorstand Services der Otto Group und verantwortet unter anderem die Logistik  und Servicedienstleister Hermes Fulfilment und Hermes Einrichtungs Service. Er treibt die Skalierung von KI gestützter Robotik, Simulation und Digital Twin Ansätzen in der Intralogistik voran, um Zuverlässigkeit, Geschwindigkeit und Stückkosten nachhaltig zu verbessern – insbesondere im Handling schwerer Großstücke.   

Robotic Coordination Layer
(Bild: Otto Group)

Schwere, großvolumige Artikel gelten in der E-Commerce-Logistik als besonders komplex und teuer: Inwiefern ermöglicht Ihnen die neue KI-/Robotik-Architektur, diese Sortimente profitabler und in größerer Breite online anzubieten – verändert das auch Ihre künftige Sortiments- und Plattformstrategie?

Kay Schiebur: Natürlich sieht unser Business Case auch Verbesserungen in der Logistik für Großstücke vor – davon werden große Stückzahlen in Löhne abgewickelt. Allerdings befindet sich die neue Lösung derzeit in Entwicklung, sodass wir noch keine Ableitungen für die Sortiments- und Plattformstrategie treffen können. Grundsätzlich ist Löhne zwar der Pilot-Standort – die neuen Fähigkeiten rund um die Robotik-Simulation und -Koordination sind allerdings allgemein einsetzbar und sollen auf unterschiedliche Standortkonzepte ausgerollt werden. Dadurch versprechen wir uns weitere Synergien und Effizienzvorteile in der Anbindung sowie in der Koordination von Robotikflotten im gesamten Supply-Chain-Netzwerk der Otto Group.

Wie steht es um die Skalierbarkeit auf andere Standorte: Wie fließen die in Löhne gewonnenen Daten und Erfahrungen in Ihre End-to-End-E-Commerce-Planung ein – etwa bei der Lagerstandort-Strategie, Bestandsallokation oder bei Lieferzeit-Versprechen im Frontend?

Kay Schiebur: Sobald wir die Erkenntnisse aus Löhne auswerten können, werden wir die Daten in unsere übergreifende E-Commerce-Planung einfließen lassen und können standortunabhängig verlässliche Ableitungen treffen. Wir werden dafür perspektivisch nicht nur die Erfahrungen aus Löhne nutzen – die neue Lösung soll an weiteren Standorten ausgerollt werden.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung