Das Retourenmanagement zu optimieren ist eine komplexe Aufgabe, denn sie erfordert mehr als die Betrachtung einzelner Variablen. Durch einen datengetriebenen Ansatz und die vorausschauende Analyse wichtiger Key Performance Indicators (KPIs) können Onlinehändler effektive Strategien zur Verringerung ihrer Retourenquote entwickeln.
(Bild: shaista/Adobe Stock)
Im Jahr 2021 wurde jedes vierte im Onlinehandel bestellte Paket zurückgeschickt. Allerdings sind Retouren kostenintensiv und haben überdies einen signifikanten Einfluss auf die Warenverfügbarkeiten und die Lagersituation. Für E-Commerce-Händler stellen sie dadurch eine große Herausforderung dar und viele Shops sind bestrebt, ihre Retourenquote zu senken. Wenn sie sich dabei jedoch zu stark auf nur eine Variable im Retourenmanagement, wie die Retourenquote, fokussieren, kann dies leicht zu Fehlentscheidungen führen.
Retourenmanagement: Identifizierung relevanter Faktoren und KPIs
Die Herausforderung beim Retourenmanagement besteht vor allem darin, die relevanten Faktoren und KPIs für eine Verringerung der Rücksendequote zu identifizieren. Hierbei können Onlinehändler leicht in eine Falle tappen und scheinbar korrelierende Variablen verwechseln, die in Wirklichkeit allerdings keinen kausalen Zusammenhang haben. Schauen wir uns ein, zugegebenermaßen etwas außerhalb unserer Wirklichkeit liegendes Beispiel an: wir vergleichen die Anzahl der Piraten und der Erwärmung der Erde in den letzten 200 Jahren.
Die Werte dieser beide Variablen haben sich im gleichen Zeitraum ähnlich entwickelt, trotzdem besteht – wie man hier sehr einfach sieht – keinerlei direkter Zusammenhang zwischen beiden. So ist beispielsweise ein kausaler Zusammenhang zwischen steigender Bonität und steigender Retourenquote nicht zwingend gegeben. Vielmehr ist die Bonität ein Proxy für eine hohe Kaufkraft. Diese geht mit einem höheren Warenkorbwert einher. Letzterer ist dann tatsächlich mit der Retourenquote korreliert.
Von Korrelation zur Kausalität: Der Schlüssel zur Retourenoptimierung
Für die Feststellung von Korrelationen müssen E-Commerce-Provider zunächst die Zusammenhänge zwischen analysierten Variablen ermitteln. Die Voraussetzung dafür ist allerdings zunächst eine ausreichende Datenlage und dann im zweiten Schritt die notwendige Analysefähigkeit, um aus den Daten auch Erkenntnisse für das Retourenmanagement zu interpretieren. Natürlich können univariate Einflüsse wie Warenkorbwerte oder Kundentypen hier hilfreich sein, um eine erste Retourenstatistik zu erstellen. Aber erst durch weitere Datenpunkte, zum Beispiel über die Jahreszeit, die Adressqualität, Zahlungsart und Zeitpunkt des Einkaufs könnten sich wichtige Zusammenhänge mit der Anzahl der Retouren in einem Online-Shop ergeben.
Retourenmanagement: Maßnahmen zur Reduzierung der Retourenquote
Online-Anbieter müssen die Daten zum Verhalten ihrer Kunden intelligent analysieren, um genau die kausalen Zusammenhänge zu verstehen, die ihre Retourenquote beeinflussen. Wenn dies im ersten Schritt gelingt, gilt es dann, geeignete Maßnahmen aus dieser Analyse abzuleiten. Eine Möglichkeit wäre hier beispielsweise die gezielte Ansprache von Kunden, die plötzlich einen deutlich höheren Warenkorb haben. Händler könnten automatisiert per Chatbot im Rahmen des Checkout-Prozesses im Warenkorb nachfragen, ob wirklich alle Produkte benötigt werden. Eine solche erkennbar personalisierte Ansprache könnte eine Möglichkeit sein, die Retourenquote zu senken, ohne die Kundenzufriedenheit zu beeinträchtigen.
Ein weiteres Beispiel für einen typischen kausalen Zusammenhang ist auch der Vergleich des Kaufzeitpunktes mit der Retouren- und Heavy-Buyer-Quote. Dies betrifft häufig Kunden, die mehr als fünf Mal pro Jahr in demselben Shop einkaufen. Wenn die Daten hierbei zeigen, dass Bestellungen am Abend häufiger zu einer hohen Retourenquote bei einer gleichzeitig niedrigen Heavy-Buyer-Quote führen, könnten Online-Händler hieraus spezifische Marketingmaßnahmen ableiten und ihre Waren zu ganz bestimmten Zeiten in Preis reduzieren, um das Kaufverhalten entsprechend zu beeinflussen.
Retourenmanagement: Beeinflussung der Retourenquote
Grundlegend haben die Onlineshop-Betreiber selbst einen großen Einfluss auf ihre Retourenquote. Die Optimierung des Onlineshops auf die spezifischen Anforderungen im Retourenmanagement, also wenn die Daten sorgfältig und ohne voreilige Schlüsse interpretiert werden, kann daher dazu beitragen, dass Kunden in Zukunft weniger retournieren. Der bewusste Umgang mit Daten ist hier der Königsweg: Durch datenbasierte Analysen erhalten Onlinehändler wertvolle Erkenntnisse zu ihrer Zielgruppe und dazu, wie das Käuferverhalten in ihrem Shop mit ihrer Retourenquote konkret zusammenhängt. Erst auf dieser Grundlage sollten Shop-Betreiber über geeignete Gegenmaßnahmen nachdenken.
Maximale Effekte mit bestimmten Maßnahmen erzielen
Es ist ein schmaler Grat zwischen der Reduzierung von Retouren und der Aufrechterhaltung der Käuferquote. Daher ist es wichtig, dass Händler die Auswirkungen ihrer getroffenen Maßnahmen im Retourenmanagement engmaschig kontrollieren. Ihr Fokus sollte darauf liegen, durch gezielte Interventionen maximale Effekte zu erzielen und gleichzeitig das Einkaufserlebnis für die Mehrheit ihrer Kunden weiterhin positiv zu gestalten. Ein datengetriebener Ansatz sowie die Identifizierung und intelligente Interpretation von KPIs sind dafür entscheidend. Es gibt nicht nur den einen einzigen Effekt, wenn man seine Rücksendequote senken will – in der Regel sind die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Variablen sehr viel komplexer, als es auf den ersten Blick scheint.
Stand: 16.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die WIN-Verlag GmbH & Co. KG, Chiemgaustraße 148, 81549 München einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://kontakt.vogel.de/de/win abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Retourenmanagement: das Gesamtbild im Auge behalten
Die Senkung der Retourenquote ist kein einfaches Unterfangen. Sie erfordert eine fundierte Kenntnis der relevanten Faktoren sowie in jedem Fall eine sorgfältige Analyse der vorhandenen Daten und Informationen. Nur so lassen sich die echten Zusammenhänge, die zu typischen Rücksendungen führen, zuverlässig erkennen. Onlinehändler müssen dabei stets das Gesamtbild im Auge behalten und dürfen sich nicht in der Betrachtung nur einzelner Variablen verlieren. Denn eines ist bei jeder Retourenoptimierung das Wichtigste: Die Kundenzufriedenheit darf durch die Gegenmaßnahmen nicht beeinträchtigt werden – ganz im Gegenteil: ein optimiertes Retourenmanagement kann das Einkaufserlebnis vielleicht sogar verbessern.
Renate Oldenburger ist Head of Risk & Fraud Management Operations bei Experian, einem Dienstleister für Risiko-, Fraud- und Identitäts-Management.