Reverse-Logistik Retouren: Die Hochsaison geht in die Verlängerung – aber in die Gegenrichtung

Ein Gastbeitrag von Dirk Teschner 3 min Lesedauer

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Das Ende des Weihnachtsgeschäfts ist der Start in eine der operativ anspruchsvollsten Phasen des Jahres: Retouren lassen die Reverse-Logistik unter Volllast laufen.

(Bild:  © Ytalo/stock.adobe.com)
(Bild: © Ytalo/stock.adobe.com)

DARUM GEHT'S

Retouren im E-Commerce: Die Rücklaufquoten in den Bereichen Mode, Kosmetik und Haushaltswaren nehmen zu, was die Logistik vor Herausforderungen stellt. Rücksendungen erfordern aufwändige Handhabungen, da Artikel unregelmäßig eintreffen und schwer identifiziert werden können.

Einsatz moderner Technologien: Der Einsatz von künstlicher Intelligenz und datengestützten Analysen ermöglicht es, Rücksendungen besser vorherzusagen und zu verwalten. Dies verbessert die Planung von Personal und Ressourcen und optimiert die Entscheidungsfindung über die Weiterverwendung zurückgesendeter Artikel.

Rückwärtslogistik als Chance: Retouren werden zunehmend nicht mehr als Kostenfaktor, sondern als Chance zur Verbesserung von Rentabilität und Nachhaltigkeit betrachtet. Innovativ gestaltete Logistikprozesse, wie sprachgesteuerte Kommissionierung und automatisierte Sortierung, verwandeln Rücksendungen in einen Wettbewerbsvorteil durch schnellere, transparentere Abläufe.

Besonders bei Mode, Kosmetik und Haushaltswaren steigen die Rücklaufquoten stark. Die bringen Distributionszentren und Transportnetzwerke an ihre Grenzen. Rücksendungen sind komplizierter im Handling als die Outbound-Logistik. Die Artikel treffen in unregelmäßigen Abständen ein, variieren im Zustand und sind zum Teil kaum identifizierbar. Das erschwert die Überprüfung,  die Entscheidungsfindung sowie die Wiedereingliederung

Decision Engines entscheiden über weitere Schritte

Grund genug, beim Einsatz von Technologie über die Spitzenzeiten hinaus zu denken. Datengestützte Analysen und künstliche Intelligenz haben sich bei der Bewältigung von Nachfragespitzen bewährt und können auch bei der Prognose und Bearbeitung von Rücksendungen eingesetzt werden. Sie ermöglichen genaue Forecasts über das Retouren-Volumen nach Produkttyp und Region und damit eine effektive Planung von Personal, Platz und Transportkapazitäten.

Intelligente Decision Engines können nahezu in Echtzeit entscheiden, ob ein Artikel wieder in den Bestand aufgenommen, aufgearbeitet, an Wiederverkaufskanäle weitergeleitet oder abgeschrieben werden soll.

Ebenso wichtig ist Transparenz. Wenn Lieferungen am nächsten Tag und sofortige Rückerstattungen fast die Regel sind, erwarten Endkunden eine schnelle, transparente Abwicklung ihrer Retouren. Die IoT-gestützte Nachverfolgung liefert Echtzeit-Informationen darüber, wo sich zurückgesandte Waren befinden, wann und in welchem Zustand sie eintreffen werden. Ohne Transparenz kommt es zu Verzögerungen, die das Vertrauen der Kunden beeinträchtigen.

Auswirkungen von Retouren auf Distributionszentren

Die operativen Auswirkungen sind am stärksten in Distributionszentren zu spüren. Die auf maximale Effizienz im Ausgangsbereich ausgelegten Anlagen müssen sich kurzfristig auf Inspektions-, Sortier- und Reintegrationsabläufe umstellen. Dafür fehlt es oft schon an Platz und Arbeitskräften; immer höhere Ansprüche an die Nachhaltigkeit – unter anderem sind Abfälle und Transportkilometer zu reduzieren – sind eine Herausforderung für sich.

Autonome Roboter

Dagegen setzen viele Betreiber auf sprachgesteuerte Kommissionierung, automatisierte Sortierung und autonome mobile Roboter. In Verbindung mit einem Warehouse Management System tragen diese Technologien dazu bei, die Bearbeitung von Retouren zu standardisieren, die Produktivität zu verbessern und Prozesse zu skalieren.

Retouren als Chance auf höhere Rentabilität

Dies alles wirft ein Schlaglicht auf einen grundlegenden Wandel. Retouren werden nicht mehr als sekundärer Prozess oder Kostenfaktor betrachtet, sondern als Chance auf höhere Rentabilität, bessere Nachhaltigkeit und stärkere Kundenbindung. Die Logistikleistung wird künftig mit zweierlei Maß gemessen:

Wie schnell werden Bestellungen im Dezember geliefert und wie wird im Februar Wertschöpfung durch Transparenz, schnelle Entscheidungsfindung und ein nahtloses Kundenerlebnis generiert? Damit wird die Rückwärtslogistik immer mehr zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor.

Retouren – Reverse-LogistikDirk Teschner
ist Senior Vice President & Managing Director bei Infios. (ehemals Körber Supply Chain Software).

Bildquelle: Infios

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