Der Einsatz von Open-Source-Software spielte für die Verbesserung logistischer Prozesse bisher keine große Rolle. Aber das ändert sich gerade. Warum IT-Dienstleister künftig erfolgreicher als der Wettbewerb sein werden.
(Quelle: Mustang)
Kaum zu glauben: Im 21. Jahrhundert, dem Zeitalter der Digitalisierung, gibt es noch Arztpraxen, die ihre Kollegen oder Patienten bitten, ihnen ein Fax zu senden. Doch nicht nur im privaten Alltag spielt das 1966 erstmals von Xerox vorgestellte Gerät noch eine Rolle. Auch in der Logistik spuckt der Kommunikations-Dinosaurier in einigen Büros noch bedrucktes Papier aus. Zugegeben: Bei den meisten Logistikern haben längst andere Systeme das Fax abgelöst. Doch die Krux im Supply Chain Management ist trotzdem vorhanden. Jeder Akteur arbeitet in der Regel mit seinem eigenen System. Die Händler und Industriebetriebe mit ihren Warenwirtschaftssystemen, die Spediteure mit bewährten Transportmanagementsystemen (TMS), Logistikunternehmen mit den Lagerverwaltungssystemen (LVS) und die Lieferanten hängen oft an ihren Excel-Tabellen.
Supply Chain Management: Automatisierung der Prozesse vorantreiben
Im Logistikalltag heißt das, dass Daten über Excel-Listen und E-Mails laufen – und wenn es brennt, greift mancher gerne zum Telefonhörer, um das Feuer zu löschen. In jüngster Zeit rüttelten ein paar clevere Start-ups die Logistik und das Supply Chain Management wach: Es waren digitale Speditionen. Mit ihren Plattformen schoben sie sich zwischen die beteiligten Akteure und trieben die Digitalisierung und Automatisierung der Prozesse voran. Mit Erfolg. Daten- und der Warenfluss funktionieren jetzt, in aller Regel, besser. Die richtige Verwendung und Steuerung von guten Daten werden zum neuen Erfolgsrezept für Transport und Logistik.
Das gilt auch für den Einkauf und das Supply Chain Management. Doch mit den besten Daten ist man schlecht beraten, wenn sie in Excel-Dateien schlummern oder händisch zwischen den Akteuren per E-Mail transferiert werden müssen. Eine Lösung der Herausforderungen ist moderne SCM-Software. Mit OSCA (kurz für „Online Supply Chain Accelerator“) ermöglicht beispielsweise Setlog das digitale Management der Lieferkette in einem cloudbasierten Tool mit kundenindividuellen Erweiterungen unter Integration aller an der jeweiligen Supply Chain beteiligten Partnern. Mehr als 150 Marken aus den Bereichen Bekleidung, Elektronik, Nahrungsmittel, Konsumgüter und Hardware in 90 Ländern nutzen die Lösung. Sie macht die Kette für alle transparent – Lieferverzögerungen und neue -termine können beispielsweise in Echtzeit an alle Akteure übermittelt werden. Die kollaborative Kommunikation läuft über ein einziges Tool.
(Quelle: Mustang)
Zunehmende Komplexität in der Logistik
Was mithilfe eines Dashboards in puncto Übersichten und Warnfunktionen wie „To do“-Meldungen einfach funktioniert, erforderte bisher eine intensive Vorbereitung. Die Integration von Partnern auf Plattformen war in der Vergangenheit aufgrund der gestiegenen Komplexität in der Logistik kostenintensiv, der Aufwand für die Anbindung über Schnittstellen nahm zu. Wir entwickelten bislang kundenspezifische Lösungen für den Datenfluss – je nach Anforderung war das mit einem hohen Zeit- und Kostenaufwand verbunden.
Doch die IT-Welt verändert sich. Die Kunden wünschen sich einfache Integrationen, damit Datenflüsse beschleunigt und Abstimmungsprozesse entschleunigt werden. Der Schlüssel dazu heißt: Open Source. Für den Aufbau von Kundenplattformen, auf denen alle Partner rund um den Globus zusammenarbeiten können, ist eine schnelle Implementierung der API (API, kurz für Application Programming Interfaces) über Open Source, also Open-Source-Standardschnittstellen, nur von Vorteil.
Wenn das Stichwort Open-Source Software fällt, stutzen immer noch einige aus der Logistik. Denn für die Optimierung logistischer Abläufe spielte sie bisher kaum eine Rolle. Doch das ändert sich gerade. Das Credo der Experten heißt: IT-Dienstleister in der Logistik, die Open Source einsetzen, kommen schneller zum Erfolg. Ja, Open Source erweist sich sogar als Vertriebsunterstützung. Denn viele Kunden können den Mehrwert inzwischen gut einschätzen. Gerade in puncto Schnittstellen kann Open Source der Community helfen, nicht nur schneller und effizienter zu werden, sondern auch Standards zu schaffen. Das heißt: Nicht mehr jeder entwickelt Standards aufwändig selbst, sondern mehrere Anbieter greifen auf die gleichen Grundlagen zurück – selbstverständlich unter Einhaltung aller Regeln. Das ist ein großer Hebel für alle an einer Plattform beteiligten Partner.
Stand: 16.12.2025
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Open-Source-Komponenten für Supply Chain Management
Wir haben die Vorteile dieser neuen IT-Welt früh erkannt. Setlog ist daher Gründungsmitglied des Open Logistics e.V., dem Förderverein der Open Logistics Foundation. Es setzt auf den Einsatz von Open-Source-Komponenten für Dienste und Services in der Plattformökonomie von morgen, der Silicon Economy. Standardisierte-Schnittstellen sind laut Prof. Dr. Michael ten Hompel, Chef des Fraunhofer Instituts für Materialfluss und Logistik (IML) und Mitinitiator der Open Logistics Foundation, für niemanden in der Logistik – weder für Verlader und Spediteure noch für IT-Dienstleister – ein Heiligtum. Denn die Intelligenz liegt nach wie vor in der Software selbst. Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, die Logistik auf ihrem Weg der Standardisierung zu unterstützen – ganz speziell im Bereich Schnittstellen.
Vertrauen in IT-Systeme ist gestiegen
Beim Thema Datentausch heben heute noch einige Logistiker mahnend den Zeigefinger und verweisen darauf, dass sich Unternehmen nicht die Datenhoheit nehmen lassen dürfen und die Sicherheit beim Transfer gewährleistet werden muss. Oft fehlt ihnen das Wissen über die Lösungen für diese Herausforderungen. Fakt ist aber auch: Grundsätzlich ist das Vertrauen der Kunden in IT-Systeme in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.
Wer in der Logistik in Silos arbeitet, Systeme abschottet und Medienbrüche akzeptiert, wird über kurz oder lang den Anschluss verlieren. Kollaboration ist der Schlüssel für das Tor in die neue Logistikwelt. Open-Source-Software mit standardisierten Schnittstellen kann IT-Dienstleistern in der Logistik und im Supply Chain Management helfen, ihre eigenen Lösungen zu verbessern. Die Einzelkämpfer werden also vereinsamen.
(Ralf Düster ist Vorstandsmitglied der Setlog GmbH. (Bild: Setlog))
Über den Autor: Ralf Düster ist Vorstandsmitglied der Setlog GmbH. Die Setlog Holding ist Anbieter von Lösungen für Supply Chain Management. Die Cloud-basierte Software OSCA enthält die Einzellösungen Procurement, SRM, Global Logistics, CSR und Quality Control. Mithilfe von OSCA (Online Supply Chain Accelerator) können Unternehmen Supply-Chain-Partner, Lieferanten und Dienstleister anbinden, um ihre Lieferkette zu managen. (sg)