Seefracht Transportkosten: Krisen in Fernost lassen die Preise steigen

Verantwortliche:r Redakteur:in: Konstantin Pfliegl 2 min Lesedauer

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Die politischen Spannungen im Nahen Osten treiben die Frachtraten für Seecontainer auf den höchsten Stand seit zwei Jahren. Und kurzfristig wird sich an den Transportkosten wohl nichts ändern. 

(Bild:  buraratn / Adobe Stock)
(Bild: buraratn / Adobe Stock)

Der Nahost-Konflikt und vor allem die Angriffe der Huthi-Rebellen auf Schiffe im Roten Meer sind der wohl größte Preistreiber bei den Frachtraten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Kreditversicherers Allianz Trade. Die Folge: Die Transportkosten für Seecontainer sind auf den höchsten Stand seit zwei Jahren.

Nachdem laut den Experten die Frachtraten zu Jahresbeginn drei Monate in Folge gesunken sind, haben sie seit Mai zu einem neuen Höhenflug angesetzt – und zwar auf den höchsten Stand seit August 2022. Die durchschnittliche Rate für einen 40-Fuß-Container sei auf 5901 US-Dollar angezogen, das seien 121 Prozent mehr als zu Jahresbeginn und 297 Prozent mehr als im Vergleicht zum Vorjahreszeitraum, heißt es in der Studie.

Transportkosten ächzen unter Nahostkonflikt

Der Nahost-Konflikt sorgt für deutliche Umwege bei den Schiffsrouten und treibt so die Transportkosten in die Höhe. „Weil die Schiffe einen langen Umweg um die Südspitze Afrikas machen müssen, sind die Lieferketten gestört und die Transportzeiten verlängern sich. Zudem sind aktuell viele Schiffe ausgebucht, Container ungleich verteilt und einige Häfen am Ende ihrer Kapazitäten“, erklärt Patrick Merkel, Geschäftsführer des Logistikspezialisten Prologue Solutions.

Welche Auswirkung die Störungen haben, zeigt auch eine Analyse des IT-Spezialisten Setlog. Demnach waren im ersten Halbjahr dieses Jahres Textilien und andere schnelldrehende Konsumgüter aus Fernost im Schnitt 47,8 Tage unterwegs. Das sind verglichen mit dem Vorjahreszeitraum 12,2 Tage mehr. Im Detail analysierten die Experten die Transportzeit zwischen 18 asiatischen Ports und den Westhäfen – vom Ablegen des Schiffes am Hafen bis zum Eintreffen am Zentrallager. Basis der Stichprobe von Setlog waren 50 Marken aus dem Bereich schnelldrehende Konsumgüter.

Importeure reagieren auf geänderte Seewege

Das Delta wäre laut Setlog noch größer, wenn viele Importeure nicht auf die Fahrplanänderungen von Reedereien und Spediteuren reagiert hätten. „Die führenden Unternehmen arbeiten eng mit allen Partnern zusammen, digitalisierten die Steuerung der Lieferkette und nutzen Planungs- sowie SCM-Software“, so Ralf Düster, Managing Director bei Setlog. 

Die Entwicklung bei den Frachtraten für Seecontainern ähnelt jener, während der COVID-19-Pandemie, wenngleich die Ursachen ganz andere sind: Damals trieben die Online-Shopper durch vermehrte Einkäufe im Internet die Transportkosten in die Höhe – auch deshalb, weil nicht genug Containerschiffe zu Verfügung standen. Und für einen sprunghaften Anstieg der Frachtraten sorgten 2022 die hohen Ölpreise.

Nutznießer der hohen Transportkosten sind die Reedereien

Die Reedereien hingegen profitieren von der aktuellen Situation. In den vergangenen drei Monaten verbesserten sich ihre Ertragsaussichten. Und Fachleute gehen davon aus, dass die Reeder die aktuelle Situation dazu nutzen, das Preisniveau künstlich oben zu halten. „Dafür sprechen gleich mehrere Fakten: Seit vier Wochen stagniert die Ratenentwicklung im Bereich der Verkehre zwischen Asien und Europa und ist zum Teil schon gesunken. Das ist ein Anzeichen, dass die Peak Season beendet ist. Es gibt zwar noch einen Rückstau, dieser dürfte aber bis Mitte September weitgehend abgebaut sein“, erläutert Patrick Merkel. 

Es bleibe aber spannend, ob die Reeder die Preise auf einem hohen Niveau halten können. „Sollte der Konflikt in Nahost beigelegt werden und die Angriffe der Huthi-Rebellen enden, werden die Preise sofort stark sinken“, prognostiziert Merkel.

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