Einzelhandel im Wandel Wie KI das Omnichannel-Erlebnis verändert

Ein Gastbeitrag von Sönke Kewitz 4 min Lesedauer

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Der Einzelhandel befindet sich inmitten eines tiefgreifenden Wandels. Getrieben von technologischen Innovationen wie künstliche Intelligenz verändern sich das Kundenerlebnis und die Geschäftsmodelle rasant. KI verspricht, das Omnichannel-Erlebnis einfacher und die Lieferketten effizienter zu gestalten. Wie sich Einzelhändler dadurch einen Wettbewerbsvorsprung sichern können.

Der stationäre Handel wird sich zunehmend zu kombinierten Einzelhandels- und Logistikzentren entwickeln.(Bild:  gpointstudio/ iStock)
Der stationäre Handel wird sich zunehmend zu kombinierten Einzelhandels- und Logistikzentren entwickeln.
(Bild: gpointstudio/ iStock)

Doch der Einsatz von KI ist keine Einbahnstraße. Er erfordert erhebliche Investitionen in Datenerfassung, Integration und Analyse. Nur Unternehmen, die diese Voraussetzungen schaffen, werden die Potenziale der KI voll ausschöpfen können. Der Wandel im Einzelhandel stellt Führungskräfte somit vor große Herausforderungen, bietet aber auch enorme Möglichkeiten für diejenigen, die mutig und innovativ vorangehen.  

Omnichannel: Die Renaissance physischer Läden

Die Wirtschaftsaussichten für Europa sind positiv. Für 2024 wird ein BIP-Wachstum von 0,9 Prozent und für 2025 sogar 1,9 Prozent prognostiziert. Kombiniert mit einem erwarteten Rückgang der Inflation auf 2,0 Prozent bis Ende 2024 dürften die Einzelhandelsumsätze kräftig anziehen und das Vorkrisenniveau übertreffen. 

Mit der wachsenden Wirtschaftsstärke gewinnt auch der Immobilienmarkt für Einzelhandelsflächen an Fahrt. Die Nachfrage nach erstklassigen Ladenlokalen in ganz Europa wird steigen, da finanzstarke Einzelhändler ihre Expansionspläne umsetzen und neue Stores eröffnen. Der Wettbewerb um attraktive Flächen wird sich verschärfen. Investoren dürften daher ihr Augenmerk auf neue, aufstrebende Regionen mit hohem Mietpreiswachstumspotenzial richten.

Die Einzelhändler selbst können von der positiven Lage profitieren, indem sie ihre Ladenkonzepte modernisieren, Filialen verkleinern und ihr Filialportfolio straffen, um Margen zu optimieren. Neue Technologien, insbesondere Künstliche Intelligenz, spielen hierbei eine Schlüsselrolle. Die KI steht im Zentrum des digitalen Investitionsbooms und wird eingesetzt, um das Omnichannel-Einkaufserlebnis zu verbessern, Kunden über verschiedene Kanäle anzusprechen und die Lieferketteneffizienz zu erhöhen.

KI-Lösungen direkt am Einsatzort

Die Tage der Bargeldzahlung sind gezählt.(Bild:  gpointstudio/iStock)
Die Tage der Bargeldzahlung sind gezählt.
(Bild: gpointstudio/iStock)

Die strikte Trennung zwischen Online- und Offline-Shopping gehört der Vergangenheit an. Laut einer Studie des IBM Institute for Business Value aus dem Jahr 2022 betrachten Verbraucher Online- und Offline-Käufe nicht mehr als getrennte Erlebnisse. Sie erwarten vielmehr eine ständige Vernetzung aller Kanäle. Fortschrittliche Algorithmen werden zunehmend besser darin, Einkaufs- und Nutzungsdaten in ein personalisiertes, nahtloses Omnichannel-Erlebnis zu überführen. Dynamische Preismodelle und datenbasierte Abomodelle versprechen eine Revolution bei der Preisgestaltung und Kundenbindung durch individualisierte Angebote und Rabatte. 

Der stationäre Handel wird daher zunehmend automatisiert mit Sensoren, Kameras und biometrischen Zugangssystemen ausgestattet. Das spart nicht nur Kosten, sondern kann auch Ladendiebstähle reduzieren - ein wachsendes Problem seit Einführung der Selbstbedienungskassen. 66 Prozent der Einzelhändler berichten von steigenden Verlusten an diesen Kassen, rund 20 Prozent der Kunden sollen dort gestohlen haben. Sogenannte „Just Walk Out“-Stores ohne Kassen könnten Abhilfe schaffen. Sie erlauben dank Personen-Identifizierung über Zahlungskarten oder Biometrie einen reibungslosen Einkauf und beschleunigen den Zugang sowie den Bezahlvorgang. Dieses bequeme Konzept dürfte auf Akzeptanz stoßen und dem Personal mehr Zeit für Warenangebot und Kundenservice ermöglichen.

Künstliche Intelligenz als Online-Kompass im Omnichannel

 Unabhängige Influencer und soziale Medien gewinnen zunehmend Einfluss auf das Kaufverhalten der Verbraucher. Diese Entwicklung zwingt Einzelhändler, ihre Kommunikations- und Marketingstrategien zu überdenken. Social Shopping, die Verbindung von Social Media und E-Commerce, wird aktuell zu einem zentralen Handlungsfeld. Dabei spielt die Generation Z eine Schlüsselrolle. Diese anspruchsvolle Zielgruppe erwartet, dass Marken ein ausgeprägtes gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein zeigen, ihre politischen Ansichten teilen und ihre Perspektiven widerspiegeln. 

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, setzen Einzelhändler zunehmend Algorithmen ein, um Social-Media-Aktivitäten mit ihrer Online-Präsenz zu verknüpfen. So können sie das Verhalten der Verbraucher in sozialen Netzwerken nachvollziehen und ihnen datenbasiert passende, inspirierende Produktempfehlungen ausspielen.

Smarte Logistikkonzepte für effiziente Prozesse

Ob online oder im Laden – Verbraucher erwarten heute, dass Waren jederzeit verfügbar und schnell geliefert werden. Schnelligkeit und Bequemlichkeit bei Bestellung und Lieferung sind entscheidend. Diese hohen Anforderungen üben enormen Druck auf die Lieferketten des Einzelhandels aus. Technologie aber kann hier die Antwort sein. 

Geschäfte müssen sich zu kombinierten Handels- und Logistikzentren wandeln, die sowohl Online- als auch Ladenkundschaft bedienen können. Konzepte wie „Click-and-Collect“ zur Abholung und „Click-and-Return“ zur Rücksendung von Online-Bestellungen in der Filiale spielen dabei eine zentrale Rolle. KI-basierte Tools für Planung, Disposition und Entscheidungsunterstützung können die Prognosen verbessern, Kosten senken und die Lieferketten agiler und flexibler machen.

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Die Zusammenführung der Online- und Offline-Präsenz bietet zudem enorme Vorteile bei der Kundendatenerfassung. So lassen sich beispielsweise Wohnorte ermitteln und das Angebot regional an das Kaufverhalten anpassen. Kombiniert mit 5G-Beacons ermöglichen die Daten personalisierte, kontextbezogene Werbung und Anreize, die Kunden in die Läden locken.

Omnichannel: Anpassungsfähigkeit ist gefragt

In einer Landschaft des rasanten Wandels und beispielloser Herausforderungen wird für Führungskräfte die Fähigkeit zur Anpassung und die Nutzung des KI-Potenzials entscheidend sein. All die genannten Faktoren erfordern einen besseren Umgang mit Daten. Entscheidend ist es, die richtigen Grundlagen zu schaffen und physische sowie digitale Prozesse und Daten auf einer Omnichannel-Plattform zusammenzuführen. Diese muss Sinn ergeben und gleichzeitig die Supply Chain unterstützen, um für die Zukunft gewappnet zu sein. Wir müssen davon ausgehen, dass Einzelhändler ein noch höheres Maß an digitaler Raffinesse anstreben werden. Dabei wird sich ein klares Gefälle zwischen jenen abzeichnet, die diese Tools für Einblicke und Mehrwert nutzen können, und jenen, denen das nicht gelingt.

OmnichannelSönke Kewitz
ist Geschäftsführer von P3 Logistic Parks in Deutschland. Das Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Prag ist Eigentümer und Entwickler von europäischen Logistikimmobilien mit über 8,4 Millionen qm vermietbarer Fläche und einer Landbank von zwei Millionen qm für weitere Entwicklungen.

Bildquelle: P3 Deutschland