Yumeko stellt nachhaltige Bettwäsche und Badtextilien her. Zum World Overshoot Day im August setzte Yumeko ein Zeichen – für einen Tag blieben alle markeneigenen Webshops geschlossen.
(Bild: Yumeko)
Herr van den Dool, am 1. August war der sogenannte Earth Overshoot Day, der Tag, an dem die Menschheit mehr Ressourcen verbraucht hat, als die Erde jährlich regenerieren kann. Sie schlossen an diesem Tag alle ihre Webshops – eine extrem gute Marketing-Idee oder was steckt genau dahinter?
Rob van den Dool: Impact zu schaffen, ist der Kern unserer Vision. Das war schon immer so. Ein nachhaltiges Unternehmen zu sein, bedeutet für uns mehr als nur schöne Produkte herzustellen, die mit größtmöglicher Rücksicht auf Mensch, Tier und Umwelt produziert werden. Wir möchten die Branche transformieren und die Verbraucher wachrütteln. Das erreicht man nur mit großen Gesten. Deshalb haben wir uns für dieses Statement am Earth Overshoot Day entschieden. Die Botschaft „Schlaf noch eine Nacht darüber“ passt in jeder Hinsicht zu uns als Marke.
Rob van den Dool ist Gründer und CEO von Yumeko, einem Hersteller von nachhaltigen Bett- und Badtextilien.
(Bild: Yumeko)
Was bekamen die Kunden anstatt des Online-Shops zu sehen?
Rob van den Dool: Wir haben eine spezielle statische Landingpage erstellt, auf der wir groß „Die Erde hat ihre Vorräte aufgebraucht“ kommunizierten, mit dem Untertitel: „Deshalb ist unser Webshop heute geschlossen”. Darunter erklärten wir, was der Earth Overshoot Day ist, und forderten unsere Kunden auf, bewusster zu konsumieren und öfter eine Nacht über ihre Kaufentscheidungen zu schlafen.
Und wie waren die Reaktionen der potenziellen Kunden?
Rob van den Dool: Sie fanden die Aktion großartig. Es gab viel Verständnis unter unseren Kunden und es war schön zu hören, dass ihnen der Grund für dieses Statement klar war. Unser Kundenservice war selbstverständlich weiterhin geöffnet, sodass Verbraucher bei Fragen einfach mit uns in Kontakt treten konnten.
Sie sind neben Deutschland in sechs weiteren Ländern aktiv. Gab es Unterschiede bei den Reaktionen zu Ihrer Shop-Schließung? Ist das Thema Nachhaltigkeit europaweit den Kunden ähnlich wichtig?
Rob van den Dool: Die Niederlande und Deutschland sind derzeit unsere größten Märkte. Daher ist die Wirkung, die wir mit solchen Aktionen erzielen, dort auch am größten. Der Ruf nach nachhaltigeren Alternativen ist aber in ganz Europa laut. Hier stellen wir zwischen den Ländern keine großen Unterschiede fest – außer, dass unsere Markenbekanntheit außerhalb der Niederlande noch erheblich wachsen muss. In den Niederlanden sind wir Marktführer im Bereich nachhaltiger Bade- und Bettwaren, und im restlichen Europa wollen wir weiter wachsen, um noch mehr Impact zu erzielen.
Unsere Retourenquote liegt bei nur 7 Prozent und wir bemühen uns, diese weiter zu senken. Mit unserer Reparatur- und Wiederaufbereitungspolitik bekämpfen wir außerdem die Wegwerfkultur.
Rob van den Dool, Yumeko
Yumeko ist ein E-Commerce-Unternehmen, dass ausschließlich online verkauft. Da ist eine 24-stündige Schließung ein mutiger Schritt. Online sind die anderen Händler nur einen Klick entfernt – und schon ist der Kunde bei der Konkurrenz gelandet.
Rob van den Dool: Stimmt. Wir haben nicht die Illusion, dass alle Kunden, die wir dazu aufgerufen haben, „eine Nacht darüber zu schlafen“, das auch tatsächlich getan haben. Uns war klar, dass dies kurzfristig Umsatz kosten würde, aber wir hoffen, dass die Aufmerksamkeit rund um diese Aktion zu einer größeren Reichweite und mehr Markenbekanntheit führt. Auf lange Sicht ist das viel wertvoller als ein einzelner Tagesumsatz.
Die Umweltbilanz von Online-Shops lässt sich nicht leicht berechnen, weil hier viele Faktoren hineinspielen. Entsprechende Studien liegen zwischen 32 Prozent eingespartem und 240 Prozent höherem CO2-Ausstoß im Vergleich zum stationären Handel. Ist der E-Commerce überhaupt ein nachhaltiger Vertriebsweg?
Rob van den Dool: Es wurden zahlreiche Studien über die CO2-Emissionen des elektronischen Handels im Vergleich zum traditionellen Einzelhandel durchgeführt. Diese zeigen, dass E-Commerce etwa 70 Prozent weniger CO2 verursacht als der Verkauf in einem Geschäft in der Innenstadt. Der Unterschied liegt vor allem im Energieverbrauch der Ladenfläche und im Transport der Kunden zum Geschäft.
Demgegenüber stehen im Online-Shopping zum Beispiel die Retouren…
Rob van den Dool: Wir arbeiten ständig daran, unseren ökologischen Fußabdruck zu verringern. So haben wir beispielsweise die Verwendung von Plastik und die Anzahl der recycelten Verpackungen auf ein Minimum reduziert. Unsere Retourenquote liegt bei nur 7 Prozent und wir bemühen uns, diese weiter zu senken. Mit unserer Reparatur- und Wiederaufbereitungspolitik bekämpfen wir außerdem die Wegwerfkultur.
Darüber hinaus erfolgt ein Großteil unserer Lieferungen mit elektrischen oder energieeffizienten Transportmitteln. Unsere Bestände werden in Lagerhäusern aufbewahrt, die mit Solarenergie beheizt werden. Für all unsere Seetransporte nutzen wir Biokraftstoff-Kompensationen. Da wir vor allem online verkaufen, sind wir in der Lage, luxuriöse und hochwertige Produkte mit Nachhaltigkeits- und Fairtrade-Zertifizierungen zu einem vergleichbaren Preis wie nicht-nachhaltige Produkte anzubieten. Wir lassen den Zwischenhändler und damit die enorm hohen Gewinnmargen der Einzelhändler aus, damit die Verbraucher einen erschwinglichen Preis für umweltfreundliche Produkte zahlen.
Retouren bei Yumeko
Sie haben Ihre Retourenquote angesprochen. In Deutschland wird mindestens jedes zweite Paket bei Online-Bekleidungskäufen an den Händler zurückgeschickt. Tag für Tag sind das etwa 800.000 Pakete, was ungefähr 400 Tonnen CO2 entspricht. Wie ist das bei Ihnen?
Rob van den Dool: Die Kleidung, die Yumeko verkauft, ist Homewear. Also bequeme Kimonos und Pyjamas, die sorgfältig auf Passform und Komfort geprüft sind. Außerdem verwenden wir ausschließlich natürliche Materialien, damit Sie nicht von Stoffen überrascht werden, die sich unangenehm anfühlen. Auch der Produktfotografie und den Größentabellen widmen wir große Aufmerksamkeit. Dadurch haben wir eine besonders niedrige Rückgabequote.
Vor einigen Jahren wurde bekannt, dass viele Händler zurückgeschickte Ware entsorgen, weil es preiswerter ist, als sie noch einmal zu überprüfen und neu zu verpacken. Werden einfach zu viele Billig-Produkte versendet, Stichwort Fast Fashion?
Rob van den Dool: Bei Yumeko entscheiden wir uns in der Tat dafür, retournierte Produkte neu zu verpacken und sie anschließend wieder zu verkaufen. Auch Items, die wirklich benutzt oder beschädigt sind, erhalten ein zweites Leben. Aus diesen Restmaterialien fertigen wir neue Artikel, zum Beispiel Accessoires. Oder wir spenden sie für wohltätige Zwecke. Ginge es nach uns, würde jede Marke so handeln.
Wenn Produkte so günstig sind, dass es teurer ist, sie neu zu verpacken, als sie zu vernichten, läuft unserer Meinung nach etwas grundlegend falsch. Bei dieser Art billiger Fast-Fashion-Artikel zahlt nicht der Verbraucher, sondern etwas oder jemand anderes die Rechnung. Die Umwelt, die Landwirte, die Fabrikarbeiter oder im schlimmsten Fall alle zusammen.
Stand: 16.12.2025
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