Ab 31. März 2026 Amazon: Commingling endet – das sind die neuen Anforderungen für FBA-Händler

Von Konstantin Pfliegl 7 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Amazon stoppt Commingling: FBA-Händler müssen künftig jede angelieferte Wareneinheit mit einem eigenen FNSKU-Label kennzeichnen. So gelingt eine reibungslose Umstellung.

(Bild:  © Mike Mareen/stock.adobe.com)
(Bild: © Mike Mareen/stock.adobe.com)

DARUM GEHT'S

Amazon beendet das Commingling: FBA-Händler müssen künftig alle Einheiten mit einem eigenen, händlerspezifischen Label (FNSKU) kennzeichnen.

Vorteile: Mehr Markenschutz und weniger Risiko durch vermischte Bestände. Nachteile: zusätzliche Prozess- und Kostenschichten beim Wareneingang.

Operative Umstellung: Label-Workflows, Hardware, SOPs und Stammdaten müssen angepasst, Bestände gegebenenfalls im Lager nachetikettiert werden.

Amazon stellt die Weichen neu: Die langjährige Praxis des sogenannten Commingling (Pooled Inventory über Hersteller-Barcodes) wird für FBA-Händler (Fulfillment by Amazon) beendet. Künftig muss jede einzelne Produkteinheit mit einem händlerspezifischen Amazon-Barcode (Fulfillment Network Stock Keeping Unit, FNSKU) versehen werden – unabhängig davon, ob andere Händler dasselbe Produkt (Amazon Standard Identification Number, ASIN) anbieten. 

Die Abschaffung des Commingling verschiebt Verantwortung und Kontrolle dorthin, wo sie hingehören: zum anbietenden Händler.

Konstantin Pfliegl. leitender Redakteur e-commerce magazin und DIGITAL BUSINESS

Das Ziel ist eine höhere Transparenz in der Supply Chain: weniger Falschzuordnungen bei Retouren sowie ein zuverlässigerer Schutz gegen Fälschungen und Qualitätsmängel durch gemischte Lagerbestände. Für Händler bedeutet das: neue Pflichten im Wareneingang, mehr Verantwortung bei Prozessen – aber auch die Chance, Reklamations- und Markenrisiken besser zu kontrollieren.

Commingling bei amazon

Amazon lagert bislang identische Produkte unterschiedlicher Verkäufer unter derselben Produktkennung (ASIN) gemeinsam ein, sogenanntes Commingling das Vermischen von Waren verschiedener Händler. 

Commingling beruht auf dem Prinzip „Hersteller-Barcode“: identische Produkte mit gleichem ASIN (Amazon Standard Identification Number)/EAN (European Article Number) werden im Fulfillment gemeinsam geführt. Ein ausgeliefertes Produkt stammt damit jedoch nicht zwingend aus dem Bestand des ausgewählten Verkäufers.

Damit verkürzt Amazon zwar die Lieferzeiten – doch das Commingling hat auch Nachteile: Retouren lassen sich nur schwer einem konkreten Händler zuordnen und es können auch Fälschungen oder minderwertige Produkte in den regulären Versandkreislauf gelangen. 

Zum 31. März beendet Amazon dieses Commingling und trennt die Warenbestände strikt nach Verkäufer. Diese Änderung bedeutet, dass Kunden, die bei einem bestimmten Händler kaufen, künftig auch auch nur Produkte aus dessen Lagerbestand erhalten, einschließlich Warenrücksendungen und Remissionen.

Pflicht von FNSKU-Label für alle Waren

Am 31. März 2026 ändern sich damit die Strichcode-Anforderungen für Wiederverkäufer auf Amazon. Händler müssen ihre Produkte mit einem FNSKU-Label versehen, auch wenn sie über einen Hersteller-Strichcode (EAN) verfügen. Diese FNSKU-Labels tragen laut Amazon dazu bei, tragen dazu bei, „eine klare Bestandsabgrenzung und Rückverfolgbarkeit der Produkte für alle Verkäufer mit Versand durch Amazon‘ zu gewährleisten.“

Das sind die konkreten Folgen für Wiederverkäufer:

  • Labeln wird Pflicht: Ohne korrektes FNSKU-Label ist kein FBA-fähiger Wareneingang möglich. Hersteller-Barcodes dienen weiterhin dem Produktkatalog (EAN/UPC), nicht aber mehr der FBA-Abwicklung.
  • Warenbearbeitungszeit und Kosten steigen: Zusätzliche Arbeitsschritte (Druck, Anbringen, Qualitätskontrolle) kosten Zeit und pro Einheit einige Cent – entweder intern oder über Amazons Label-Service. Achtung: Ab dem 1. Juli 2026 bietet jedoch Amazon für Sendungen mit „Versand durch Amazon“ in den europäischen Stores keinen Etikettier-Service mehr an.
  • Bestandsklarheit wächst: Reklamationen („nicht wie beschrieben“, „gebraucht statt neu“) lassen sich eindeutiger dem Bestand eines Händlers zuordnen.
  • Lieferzeiten variieren: Ohne Commingling fällt der Vorteil weg, im Zweifel auf fremde Bestände in Kundennähe zurückzugreifen. Damit wird die eigene Distributionsstrategie wichtiger, um Prime-typische Liefergeschwindigkeiten einzuhalten.

Wenn ein Produkt, für das ein Amazon-Strichcode erforderlich ist, ohne einen solchen im Amazon-Warenlager eintrifft, dann wird es als defekt markiert und ein Strichcode-Aufkleber angebracht. Amazon meldet dann den Mängel im Händler-Dashboard in Seller Central unter  „Wareneingangsprobleme“. Zudem weist Amazon darauf hin, dass Verstöße gegen die Richtlinien dazu führen können, dass „die Annahme der Waren durch das Logistikzentrum verweigert wird, die Waren entsorgt oder zurückgesendet werden, künftige Lieferungen an das Logistikzentrum blockiert werden oder im Logistikzentrum eine Gebühr für die Vorbereitung oder die Nichteinhaltung erhoben wird.“ Um Probleme zu vermeiden, empfiehlt Amazon daher, dass Händler unbedingt vor der Frist am 31. März 2026 auf Amazon-Strichcodes umsteigen.

Wenn jedoch Lagerbestand bereits ohne Amazon-Etikett unterwegs zu einem Amazon-Logistikzentrum ist oder dort bereits gelagert wird, dann ist kein Handlungsbedarf erforderlich. Diese Produkte werden weiterhin unter der ursprünglichen Bestandseinheit (Stock Keeping Unit, SKU) verkauft.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung