Autonome mobile Roboter für die Auftragsabwicklung in Logistik und E-Commerce entwickeln sich immer mehr zu tragfähigen Lösungen – vor allem in den USA und China. Europa hinkt hinterher, dabei sind die Vorteile offensichtlich.
(Quelle: Libiao)
Im Segment für logistische Auftragsabwicklung boomt der Verkauf von autonomen mobilen Robotern (AMRs). Laut dem neuesten Marktforschungsbericht von Interact Analysis lag die Zahl, der im Jahr 2019 verkauften AMRs weltweit bei fast 20.000 Stück – fast doppelt so viele, wie im Vorjahr bei steigender Nachfrage. Die Forscher prognostizieren, dass bis Ende 2024 mehr als 1,1 Millionen autonome mobile Roboter weltweit eingesetzt werden. Bis jetzt sind sie vor allem in den USA und Asien im Einsatz.
1. Autonome mobile Roboter: Selbständig und unabhängig
Die AMR-Technologie unterscheidet sich grundlegend von der in den etablierten autonom geführten Fahrzeugen (Autonomous Guided Vehicles – AGVs). Während AGVs zwar auch fahrerlos agieren, benötigen sie jedoch entweder eine reale oder virtuelle Spurführung. Somit ist der Fahrweg zum Zielpunkt vorgegeben.
Wird die Route geändert, muss sie entsprechend neu festgelegt werden. Autonome mobile Roboter dagegen brauchen sich nicht auf menschliche Interaktion zu verlassen, wenn sich die Route ändert. Stattdessen leiten sie bordeigene Navigationssysteme zu den Zielen. Doch noch bestimmen in der Regel AGVs das Geschehen in den weltweiten Logistikzentren.
2. Fachkräftemangel auffangen
Es gibt eine Reihe von Faktoren, die das Interesse an autonomer Robotertechnologie für Kommissionier- und Sortierarbeite in Logistikzentren vorantreiben. Zum Beispiel macht es ein schrumpfender Arbeitskräftemarkt schwierig, passende Mitarbeiter zu finden und zu halten. Normalerweise führen gering qualifizierte Arbeiter die Arbeit in Lagerhäusern aus. Zudem spielt auch der Boom des E-Commerce während der Covid-19-Pandemie eine entscheidende Rolle. Online-Käufer erwarten vor allem eine preiswerte und schnelle Lieferung.
3. Schnell und vielfältig dank verschiedener Systeme
Genau hier setzen autonome mobile Roboter an. Da verschiedene Systeme zur Verfügung stehen, ist jedes in der Lage, bestimmte Aufgaben im gesamten Lager auszuführen. Eine der neuesten intralogistischen Funktionen, die von der autonomen mobilen Robotertechnologie profitieren, ist die Sortierung. Der chinesische Hersteller Libiao bietet beispielsweise den Sortierroboter „Mini Yellow“ an. Er ist laut Hersteller eine kostengünstige Alternative zu stationären Kippschalen- und Quergurtförderanlagen-Systemen, die in Paket- und E-Commerce-Lagern eingesetzt werden.
4. Autonome mobile Roboter: Platzsparend und flexibel
Sortierroboter bieten zahlreiche Vorteile: Sie benötigen für den gleichen Paketdurchsatz eine kleinere Bodenfläche als Förderanlagen. Zudem lassen sie sich im Vergleich zum Bau einer Sortierlösung auf Basis von Förderanlagen schnell installieren. Da AMR-Systeme ohne bestimmte Anforderungen an die Infrastruktur skalierbar sind, bieten sie eine hohe Flexibilität – beispielsweise, um Durchsatzspitzen zu bewältigen.
Obendrein ist die Technologie portabel. AMR lassen sich also genau dort einsetzen, wo man sie braucht und können dabei zwischen den Standorten wechseln. Tritt ein Fehler auf, können autonome mobile Roboter einfach ausgetauscht werden. Förderbänder dagegen müssen in der Regel abgeschaltet werden, was die Durchsatzleistung negativ beeinflusst. Die Vorteile von AMR für E-Commerce und Paketverarbeitung beflügelt aber nicht nur die Logistik, sondern auch Marktforscher. So gehen die Experten von Interact Analysis im Report „The Mobile Robot Market 2020“ davon aus, dass in den kommenden vier Jahren etwa 300.000 Sortier-AMR in Betrieb sein werden.
Die Lösung von Libiao ist beispielsweise bei Walmart in den USA, am Hauptknotenpunkt von Uniqlo in Japan und an verschiedenen Standorten von China Post in China im Einsatz. Auch in Europa entsteht langsam ein Bewusstsein für die Vorteile von AMR. Angesichts des stetig wachsenden E-Commerce-Aufkommens müssen sich die europäische Logistik sowie der E-Commerce für die künftigen Herausforderungen zügig wappnen. „Während unser internationaler Kundenstamm weiterwächst, schätzen wir, dass derzeit etwa zwei Milliarden Pakete pro Jahr mit AMRs von Libiao bearbeitet werden“, erklärt Xia Hulling.
Was sind autonome mobile Roboter (AMR)?
AMR sind mit moderner Sensortechnik sowie künstlicher Intelligenz ausgestattet und verfügen über die digitalen Pläne des Lagers. So können sie sich in der Umgebung selbständig zurechtfinden und diese interpretieren. Sie transportieren beispielsweise Kisten, können aber auch Paletten bewegen. Im Lager interagieren sie mit der Steuerungssoftware (Warehouse Control System), die mit dem Lagerverwaltungssystem (LVS) verbunden ist. Somit ermitteln sie die optimalen Routen beim Warentransfer und gehen Hindernissen aus dem Weg.
Stand: 16.12.2025
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Über die Autorin: Xia Hulling ist Gründerin und CEO von Libiao Robot, ein Unternehmen, das 2016 gegründet wurde und einen Jahresumsatz von 10 Millionen US-Dollar erzielt. Der Firmensitz befindet sind in Hangzhou – etwa 200 Kilometer von Shanghai entfernt.