Composable Architecture E-Commerce-Plattform für Black Friday flexibel skalieren

Ein Gastbeitrag von Dr. Lucas Calmbach 4 min Lesedauer

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Schnäppchenzeit: Die Lager sind voll, die Kunden warten sehnsüchtig auf Rabatte, und dann bricht die IT zusammen. Statt die erhofften Umsätze zu verbuchen, steht Krisen- und Reputationsmanagement an. Das lässt sich vermeiden, wenn die E-Commerce-Plattform flexibel skalierbar ist, mit dem Modell der Composable Architecture.

(Bild:  Freepik)
(Bild: Freepik)

E-Commerce-Plattformen sind nicht selten große IT-Schlachtschiffe, deren Grundlage eine ERP-Software ist. Durch das Tagesgeschäft und leichte Schwankungen manövriert das Schiff geschmeidig, denn es lässt sich modular um Funktionalitäten erweitern. „Mal eben“ die fünffache Menge an Buchungen am Black Friday abzufangen, gestaltet sich jedoch etwas eckiger. Denn der Kern einer solchen IT-Infrastruktur ist nicht von jetzt auf gleich beliebig skalierbar – insbesondere, wenn diese noch im Unternehmen auf On-Premise-Systemen läuft. 

Besonders fatal wird es, wenn es nicht nur Onlineshops und Shopping-Apps betrifft, sondern auch die Kassen im stationären Handel beeinflusst werden, die dann Geldgeschäfte nicht mehr abwickeln können oder Bonuspunkte nicht verbuchen, weil der Server überlastet ist. Dieser wird dann zum Single Point of Failure und der Black Friday zu einem sehr schwarzen Tag.

Composable Architecture für mehr Prozessvielfalt

Moderne Customer-Experience-Plattformen weisen eine hohe Funktionsvielfalt und damit einhergehende komplexe Dynamik auf. Typische Einzelbereiche, die solch eine Architektur unter anderem mit sich bringt, sind E-Commerce, Marketing und Personalisierung, aber auch Loyalty und Search sowie Analytics & AI. Die diesen Bereichen zugrundeliegenden Prozesse lassen sich nur mit größerer Mühe in einem monolithischen, wenn auch modular erweiterbaren System (einem sogenannten Smart-Hub), abbilden. 

Der Gegenentwurf einer solchen IT-Infrastruktur ist eine Composable Architecture, die dem MACH-Prinzip (Microservices, API-first, Cloud-native, Headless) folgt. Vereinfacht gesagt besteht eine E-Commerce-Plattform dabei aus den jeweils besten Cloud-Anwendungen, die über umfangreiche Schnittstellen (APIs) verfügen und über Microservices zu einem Gesamtsystem zusammengefügt werden. Es ist also ein Verbund von Best-of-Breed-Anwendungen. Der Vorteil: Die Austauschbarkeit aller Komponenten – selbst der zugrundeliegenden Datenbank –, ohne dass das restliche Gebilde davon beeinflusst wird. Jede einzelne Komponente kann von einem anderen Anbieter stammen.

MACH macht jede Komponente skalierbar

Ein weiterer Vorteil: Jede einzelne Komponente lässt sich bei Bedarf unabhängig von den anderen skalieren. Im Ergebnis bedeutet dies: Tschüss Single Point of Failure! Diese Flexibilität macht es leicht, sich ad hoc an Trends anzupassen, neue Funktionen einzuführen oder auf Umsatzpeaks wie Black Friday oder Weihnachten zu reagieren. IT-Admins können im Back-End auch eine Komponente tauschen, ohne dass es die Front-End-Oberflächen des Webshops beeinflusst.

Die Kehrseite dieser gewonnenen Flexibilität ist eine höhere Komplexität des Gesamtsystems – sowohl bei Design und Integration wie auch im Betrieb. Denn wer das jeweils am besten für seine Bedürfnisse passende Modul nutzen möchte, muss einen umfassenden und aktuellen Marktüberblick besitzen und die Eigenheiten und Funktionalitäten der Lösungen kennen. Auch kann die Vielzahl an Einzellizenzen schnell zu mehr Verwaltungsaufwand und auch Kostensteigerungen führen. Für die IT-Abteilung reicht es nicht mehr aus, sich nur in einem System auszukennen. Sie muss alle Cloud-Anwendungen administrieren und Microservices betreuen können.

Aus diesem Grund gibt es in der Praxis häufig Mischformen, bei denen ein nicht austauschbares Kernsystem um diverse Komponenten ergänzt wird, die sich leicht tauschen oder in der Performance skalieren lassen. So wird man den gestiegenen Anforderungen an Performance, Prozessvielfalt und Skalierbarkeit gerecht, ohne sich selbst mit zu viel Komplexität zu überfordern.

Eine Composable Architecture macht sich schnell bezahlt

Die aktuelle Studie „Customer Experience Trends 2024“ zeigt, dass sich eine flexible Plattform-Struktur sehr positiv auswirkt. So sind etwa Unternehmen mit Microservices flexibler in ihrer Skalierbarkeit (82 Prozent) und widerstandsfähiger gegen Lastspitzen bei ihrer Website-Performance (81 Prozent). Unternehmen mit (sehr) ausgeprägter Systemintegration (85 Prozent) und Entwicklung sowie Betrieb in der Cloud (85 Prozent) weisen zudem deutlich häufiger eine stabile Performance der Internetseite auf. Ein modularer Aufbau (Composability) unterstützt ebenfalls deutlich bei der Website-Stabilität: 79 Prozent geben an, eine generell sehr oder eine eher stabile Performance vorweisen zu können. 33 Prozent der befragten Unternehmen kämpfen aber mit der Stabilität in Peak-Zeiten.

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Templates für Composable-Infrastrukturen

Der Umstieg auf eine Composable Architecture ist dabei dennoch nicht so komplex, wie es den ersten Anschein hat. Auf Composible Architecture spezialisierte IT-Beratungsunternehmen besitzen häufig Best-Practice-Vorlagen und vordefinierte Vorschläge hinsichtlich der zu verwendenden Cloud-Komponenten, um für typische Anwendungsfälle in kurzer Zeit ein lauffähiges Gesamtsystem bereitzustellen. Entscheidend ist nämlich ebenfalls die Auswahl der verschiedenen Cloud-Komponenten, die aufgrund des komplexen Softwaremarktes eine nicht unerhebliche Hürde darstellt.

Mit einer MACH-basierten E-Commerce-Plattform können Unternehmen zu Peak-Zeiten „verkaufen, was das Lager hergibt“, ohne befürchten zu müssen, dass die IT unter der Last zusammenbricht. Sie bietet darüber hinaus noch zahlreiche weitere Vorteile; vor allem die Möglichkeit, sehr schnell auf neue Markttrends reagieren zu können. Sie macht Unternehmen fit für die Zukunft und bringt sie in eine strategisch vorteilhafte Wettbewerbsposition.

Composable ArchitectureDr. Lucas Calmbach 
ist Managing Partner bei der KPS AG und verantwortet den Bereich Customer Engagement Solutions.

Bildquelle: KPS AG