ECommerce Masterminds Podcast Mehr Carrier, weniger Stress: Zustell-Exzellenz im E-Commerce

Das Gespräch führte Heiner Sieger 5 min Lesedauer

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Mit Regelwerken, Robustheit und proaktiver Kommunikation lassen sich Engpässe überbrücken und Lieferversprechen halten. Dirk Haschke von Descartes zeigt, wie Daten, Multi Carrier  und effiziente Logistik die Hochsaison stabilisieren – und Kunden zu Fans machen.

(Bild:  © KaiTong/stock.adobe.com)
(Bild: © KaiTong/stock.adobe.com)

Herr Haschke, zum Einstieg: Wofür stehen Sie und Descartes im E‑Commerce – und wo setzen Ihre Lösungen an?

Dirk Haschke: Bei Descartes unterstützen wir Händler, Marken und Fulfillment-Dienstleister entlang der gesamten Prozesskette: vom Wareneingang über Lagerprozesse bis zum Versand. Dazu zählen OMS, WMS und Multi Carrier Shipping – in Deutschland vor allem Descartes pixi und ShipRush. Wir betreuen hunderte Händler mit Volumina von rund 100 bis zu mehreren Tausend Bestellungen täglich. Logistik ist dabei ein zentraler Hebel der Kundenzufriedenheit – vom Lieferversprechen bis zur Übergabe an der Haustür.

Viele Kunden möchten den Carrier wie eine Zahlungsart wählen – weil der Paketshop im Haus liegt oder die Retoure damit bequemer ist. Hier besteht Nachholbedarf. Händler sollten Auswahl bieten, ohne den Check-out zu überfrachten.

Dirk Haschke, VP & General Manager E Commerce Solutions bei The Descartes Systems Group

Die Hochsaison ist gestartet – von Black Friday bis Weihnachten. Welche speziellen Herausforderungen beobachten Sie in diesem Jahr?

Dirk Haschke: Die Peak Season ist fragmentiert: Rabattaktionen erzeugen kurzfristig extreme Volumina, Weihnachten hat ein hartes Fälligkeitsdatum. Wir sehen bei manchen Händlern das Zehnfache des Normalvolumens. Parallel erschweren Inflation, verändertes Konsumverhalten und gestiegene Transport , Energie  und Personalkosten die Planung und drücken auf die Margen, gerade wenn mit Rabatten gearbeitet wird. Die Netzwerke waren in der Vergangenheit zeitweise überlastet, Personal ist knapp, Kunden erwarten Transparenz. Wer ohne hocheffiziente Prozesse in die Rabattsaison geht, verliert Rendite.

Sie sagen: Nur die beste Logistik zu haben sei „langweilig“. Warum ist Stabilität wichtiger als spektakuläre Neuerungen?

Dirk Haschke: Weil sie zuverlässig funktioniert. Wenn niemand im Unternehmen über Logistik sprechen muss, laufen die Prozesse. Das entsteht durch saubere Bestände, robuste Lagerabläufe, redundante Carrier-Anbindungen und konsequentes Exception Management. Innovation ist wertvoll, wenn sie diese Robustheit erhöht – nicht, wenn sie nur Showeffekte erzeugt.

Hören Sie sich das ausführliche Interview mit Dirk Haschke in unserem ECOMMERCE MASTERMINDS PODCAST an

Welche Lehren aus früheren Engpässen in der Peak-Saison sollten Händler jetzt umsetzen?

Dirk Haschke: Da gibt es Einiges: Frühzeitige Planung statt Last‑Minute. Bestände rechtzeitig sichern, Engpassartikel priorisieren, Dispositionen nicht aufschieben. Und Flexibilität aufbauen: Mehrere Carrier und Services wie Packstationen einsetzen, skalierbare Retourenprozesse, zusätzliche Lieferquellen – idealerweise auch im europäischen Ausland. Und klare Regelwerke mit Automatismen, um bei Störungen tagesaktuell umschalten zu können.

End‑to‑End‑Transparenz gilt als Schlüssel. Wo beginnt sie – und wie unterstützen Ihre Systeme konkret?

Dirk Haschke: Sie beginnt vor dem Kauf mit einem belastbaren Lieferversprechen. Shop und Marktplätze brauchen dafür in Echtzeit die korrekten Bestände, um Überverkäufe zu vermeiden. Im Lager sichern wir taggleiche Verarbeitung bis hin zu definierten Cut‑offs und priorisieren Bestellungen nach Serviceleveln, zum Beispiel Prime. Im After‑Sales binden wir verschiedene Lösungen an, die Sendungsstatusdaten aus dem WMS und Carrier‑Systemen bündeln und Kunden proaktiv informieren.

DER GESRPRÄCHSPARTNER

Dirk Haschke ist VP & General Manager E-Commerce Solutions bei The Descartes Systems Group und verantwortet den DACH Markt. Zuvor war er Geschäftsführer bei der pixi* Software GmbH. Das WMS wird heute als Descartes pixi weitergeführt. Unter seiner Leitung verzahnt Descartes Lager  und Versandlösungen wie Descartes pixi und ShipRush für skalierbares E-Commerce-Fulfillment.

Carrier
(Bild: Descartes)

Overselling dürfte auch dieses Jahr wieder ein Dauerbrenner werden. Wie lässt sich das wirksam verhindern?

Dirk Haschke: Mit einem WMS, das Bestände kanalübergreifend in Echtzeit synchronisiert, Reservierungen korrekt bucht und Retouren zügig wiedereinlagert. Wichtig sind klare Prioritäten zwischen Kanälen, sekundengenaue Updates und konsistente Datenflüsse zwischen Shop, Marktplätzen, Lager und Versand. So sinken Stornos, Kosten und Frust.

Können KI und datengetriebene Prognosen die Peak‑Planung spürbar verbessern?

Dirk Haschke: Auf jeden Fall. Wir sehen deutlich bessere Forecasts, wenn datenbasierte Modelle den Einkauf steuern. Das Bauchgefühl bleibt die letzte Kontrolle, aber ist nicht der erste Impuls. Ein zweiter Hebel ist das Lager: Altbestände, die sich 365 Tage nicht gedreht haben, binden Kapital und blockieren Fläche. Wer vor der Saison ausmistet, schafft Kapazität und Tempo.

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