Für den Einzelhandel war die Corona-Pandemie ein herausforderndes Jahr: Zwar haben die Lockdowns Händlern viel abverlangt, doch viele von ihnen haben die Einschränkungen auch als Chance verstanden. Denn der Einzelhandel befindet sich schon seit einigen Jahren in einem Transformationsprozess.
(Quelle: Montri Nipitvittaya/Shutterstock)
Die Einschnitte des vergangenen Jahres haben vielen Händlern den entscheidenden Schub gebracht, Veränderungen anzupacken und das eigene Geschäft voranzubringen. Dazu zählt unter anderem der Ausbau des E-Commerce-Bereichs. Nicht nur wenn Filialen geschlossen bleiben müssen, sind digitale Kundenerlebnisse wichtiger denn je. Bereits vor der Corona-Pandemie ist der E-Commerce-Anteil im Einzelhandel jedes Jahr deutlich gestiegen und hat im vergangenen Jahr nochmals deutlich zugelegt. Eine Entwicklung, die sich zukünftig eher noch eher beschleunigen wird, denn die Konsumenten haben die Bequemlichkeit des Onlineshoppings deutlich mehr zu schätzen gelernt. Die Auswirkungen auf den Einzelhandel haben wir in vier Prognosen für 2021 zusammengefasst.
1. Onlineshop und Filiale wachsen zusammen
Zwar erfreut sich das Onlineshopping bereits seit Jahren wachsender Beliebtheit, doch im vergangenen Frühjahr hat die Entwicklung einen deutlichen Sprung gemacht. Millionen Menschen haben sich online erst mit Waren des täglichen Bedarfs eingedeckt. Nicht wenige dürften auch jetzt, knapp Jahr später, noch immer von den Toilettenpapier- und Nudelvorräten vom März 2020 zehren. Als deutlich wurde, dass der Lockdown und die damit verbundenen Einschränkungen länger andauern würden, zog die Nachfrage beispielsweise nach Outdoor- und Hobby-Ausrüstung an.
Wenn das Bestellaufkommen steigt, wird auch die Logistikleistung komplexer. 2021 müssen Einzelhändler deutlich nachrüsten, um die gestiegene Nachfrage bewältigen zu können und den Verbrauchern erstklassige Kundenerlebnisse zu bieten. Daher gilt dieses Jahr: Schluss mit dem Silodenken. Filiale und Onlineshop werden nicht mehr getrennt gedacht, sondern als Einheit organisiert. Geschäfte werden zu hybriden Zentren, in denen Kunden traditionell stöbern und einkaufen, aber auch per Click & Collect bestellte Ware abholen können. Filialen werden zudem in den Onlineshop angebunden, sodass Bestellungen direkt aus dem Warenbestand im Ladengeschäft entnommen werden statt auf externe Lager zuzugreifen.
2. Authentizität im Einzelhandel gewinnt
Waren Nachhaltigkeit und ein klares Bekenntnis zu ethischen Werten in den letzten fünf Jahren eher ein Nischenthema, sind Transparenz und Authentizität in Ethik- und Umweltfragen 2020 zu einem zentralen Entscheidungskriterium für viele Kunden geworden. Für Einzelhändler heißt das: Mit austauschbaren Phrasen und weichgespülten Formulierungen lassen sich Konsumenten heute nicht mehr überzeugen, im Zweifelsfall wird bei der Konkurrenz gekauft. Gerade Millennials sind Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit. Lauf Adobe Research legen 63 Prozent der Konsumenten beim Onlineshopping Wert auf recycel- oder kompostierbare Versandmaterialien.
Dass sich Authentizität und ein klares Bekenntnis zur Nachhaltigkeit lohnen, zeigt sich auch in der Wahl des Shoppingkanals: 70 Prozent der Millennials ziehen es vor, direkt bei Marken statt auf unpersönlichen Marktplätzen einzukaufen, und 80 Prozent kaufen lieber bei authentischen Marken ein. Gleichzeitig sind gerade jüngere Konsumenten darauf bedacht, Qualität statt Quantität zu kaufen. Hochwertige Produkte und ein authentisches Markenimage sind für sie wichtige Kriterien, die nicht nur über den Kauf, sondern auch über die Loyalität gegenüber einer Marke entscheiden.
3. Einzelhandel: Die Fußgängerzone muss sich verändern
Mit dem Wachstum des Onlineshoppings leidet die Fußgängerzone. Auf absehbare Zeit wird sich das kaum ändern, denn viele Konsumenten ziehen inzwischen die bequeme Einkaufstour vom Sofa aus einem stressigen Nachmittag in der Innenstadt vor. Das bedeutet jedoch nicht das Ende des Stadtbummels, wenn Einzelhändler mit der Zeit gehen und das Einkaufserlebnis in der Filiale umstrukturieren. Mithilfe künstlicher Intelligenz, Robotik sowie Virtual und Augmented Reality lassen sich die Vorteile des Onlineshoppings direkt in die Filiale holen. Entscheidender Treiber dieser Entwicklung wird der neue Mobilfunkstandard 5G sein. Denn wenn sich Online- und Offline-Erlebnisse nahtlos verbinden lassen, ist das für die Fußgängerzone eine echte Chance.
4. 5G als Enabler für Omnichannel-Erlebnisse
Doch nicht nur die Fußgängerzone, auch Omnichannel-Einkaufserlebnisse profitieren deutlich von der Einführung des 5G-Standards. 73 Prozent der befragten Konsumenten informieren sich laut Adobe Research über verschiedene Kanäle, bevor sie eine Kaufentscheidung treffen. Für Einzelhändler bedeutet das konkret: Wer auf mehr als einem Kanal aktiv ist, kann seinen Umsatz um durchschnittlich 13 Prozent steigern.
Entscheidenden Anteil am Erfolg der Omnichannel-Strategie hat der 5G-Standard. Der Netzausbau ermöglicht es dem Einzelhandel, sowohl neue Daten aus Filialeinkäufen zu gewinnen als auch bereits vorhandene Daten effektiver zu nutzen. Die so gewonnenen Ergebnisse geben Einzelhändlern ein deutlich detaillierteres Bild ihrer Kunden und entsprechend die Möglichkeit, gezielt auf ihre Bedürfnisse reagieren zu können.
Stand: 16.12.2025
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Auch logistisch ist der Ausbau des 5G-Netzwerks entscheidend. Dank der hohen Geschwindigkeit und nahezu unbegrenzten Bandbreite lassen sich Milliarden von Geräten und Sensoren miteinander vernetzen und selbst datenintensive Technologien wie KI, Gesichtserkennung und Augmented Reality reibungslos nutzen. (sg)
(Volker Grümmer ist Sales Director Commerce, Central Europe bei Adobe Magento. (Bild: Adobe))
Über den Autor: Volker Grümmer ist Sales Director Commerce, Central Europe bei Adobe Magento. Er ist erfahrener SaaS-Vertriebsleiter und hat sowohl in internationalen Start-ups, die den DACH-Markt erschließen wollten, als auch in weltweit tätigen Unternehmen Sales-Teams geleitet. Seit Juli 2019 verantwortet Grümmer als Sales Director Commercial, Central Europe, den Vertrieb der Lösungen von Magento in Zentraleuropa im gehobenen Mittelstand. Seit Dezember 2020 verantwortet er die Themen Adobe Commerce, Customer Journey Management und Digital Foundation für den gehobenen Mittelstand. Vor seinem Einstieg bei Magento war er als Director Sales für das Marketing-Cloud-Geschäft von Oracle verantwortlich. Davor war er neun Jahre lang in verschiedenen Positionen bei IBM tätig, zuletzt als Manager Solution Sales für WebSphere-Software. (sg)