Kommentar Fast-Fashion-Falle: Shein und Temu gefährden Nachhaltigkeit und lokale Märkte

Ein Gastkommentar von Henri Seroux 5 min Lesedauer

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Europas zwiespältige Besessenheit von Fast Fashion: unfair, unethisch, nicht nachhaltig, unaufhaltsam? Ein Kommentar von Henri Seroux von Manhattan Associates zu Fast-Fashion-Unternehmen wie Shein und Temu.

(Bild:  © Koshiro K/stock.adobe.com)
(Bild: © Koshiro K/stock.adobe.com)

Auf der ganzen Welt haben Menschen eine ungesunde Besessenheit von schnellen, billigen Waren entwickelt. Natürlich sind Geschwindigkeit und Preis für die Verbraucher im Jahr 2025 wichtige Faktoren. Trotzdem beunruhigt es mich zutiefst, zu sehen, wie chinesische Fast-Fashion-Unternehmen wie Shein und Temu unsere europäischen Märkte mit nachgeahmten Kreationen, extrem billiger, minderwertiger und noch schlechter beschaffter Ware überschwemmen.

Angetrieben von milliardenschweren Werbebudgets in den sozialen Medien, bezahlten Partnerschaften mit oberflächlichen, nichtssagenden Influencern und – in zunehmendem Maße – von Gier getriebenen Mainstream-Medien, die ihr eigenes Stück von den milliardenschweren Werbeausgaben abhaben wollen, wird täglich „Fast Fashion“ in jedes europäische Land eingeflogen. Dabei werden die nicht existenten Arbeitnehmerrechte in China und die laxen Einfuhrzollbestimmungen an unseren Grenzen ausgenutzt.

Mit fast sofortiger Befriedigung zu unschlagbaren Preisen berauschen Shein und Temu vor allem die Generation Z und die Generation Alpha, während sie langsam das Leben aus unseren Einzelhandelsvierteln und den lokalen europäischen Marken quetschen.

Unfair

Der wachsende Marktanteil von Shein und Temu setzt etablierte Einzelhändler und Marken, die in Europa entwerfen, in Geschäften verkaufen und Hunderttausende von Arbeitsplätzen im Einzelhandel auf dem gesamten Kontinent bereitstellen, unter Druck. Sie werden gezwungen ihre Praktiken anpassen, was sich auf die Rentabilität auswirkt, insbesondere bei kleineren Unternehmen, die mit den Niedrigpreisen nicht mithalten können.

Mit ihrer Präsenz in über 150 Ländern und über 100 Millionen aktiven monatlichen Nutzern in der Europäischen Union ist ihre Reichweite beträchtlich. Beide scheinen außerdem erhebliche Steuerlücken auszunutzen, was es für lokale Einzelhändler noch schwieriger macht, unter gleichen Bedingungen zu konkurrieren.

Shein und Temu haben in der Vergangenheit ein Schlupfloch ausgenutzt, durch das geringwertige Waren von den Einfuhrzöllen ausgenommen waren. Das hat bald ein Ende, denn die EU plant, Einfuhrzölle auch auf Billigwaren zu erheben. Die potenzielle Änderung ist eine Folge der wachsenden Unruhe unter den Einzelhändlern in Kontinentaleuropa, im Vereinigten Königreich und in den USA über die zunehmende Konkurrenz durch die mit China verknüpften Marktplätze. Und sie kann nicht früh genug kommen.

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