Hybrid Commerce Ist Online only tot? Der E-Commerce braucht eine neue physische Realität 

Ein Gastkommentar von André Jonker 6 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Wer heute im E-Commerce gewinnt, tut das nicht mehr ausschließlich digital. Die Branche bewegt sich in eine neue Phase – und diese ist hybrid. Marken wachsen erneut dort, wo man sie früher für tot erklärt hat: offline.

(Bild:  © photo for everything/stock.adobe.com)
(Bild: © photo for everything/stock.adobe.com)

DARUM GEHT'S

Hybrid Commerce: Reines Online-Wachstum ist ausgereizt. Showrooms als Experience Center schließen die Conversion-Lücke: anfassen, konfigurieren, online bestellen. Ergebnis: mehr Vertrauen, höhere Conversion, weniger Retouren.

Showroom-Halo-Effekt: Präsenz vor Ort erhöht regionale Onlinekäufe selbst ohne Besuch. Google Maps, Bewertungen und reale Bilder steigern Vertrauen; Warenkorbwerte steigen, CAC sinkt, organischer Traffic wächst.

Offline-Einstiegspfad: Erst Pop-ups (testen, flexibel), dann Shop-in-Shop (Risiko senken), später eigener Showroom (Marke, Community). Lohnt sich bei hohem Warenkorb, hoher Retourenquote, Erklärbedarf und langer Journey.

Ist Online Only tot? Es klingt radikal, doch genau diese Frage müssen sich E-Commerce-Betreiber heute stellen. Die Zeiten reiner Online-Wachstumslogik sind vorbei. Die Customer-Acquisition-Costs steigen seit Jahren dramatisch, Lagerbestände binden Kapital und bergen das Risiko von Abschreibungen, während die Conversion Rates stagnieren. Parallel dazu sind Konsumenten misstrauischer geworden. Jeder kennt die unpersönlichen Anzeigen, die austauschbaren Shops und die übertriebenen Versprechen. Und spätestens beim hochpreisigen Warenkorb zögern die Kunden.

Wer heute im E-Commerce gewinnt, tut das nicht mehr ausschließlich digital. Die Branche bewegt sich in eine neue Phase – und diese ist hybrid. Marken wachsen erneut dort, wo man sie früher für tot erklärt hat: offline.

Wenn Online an seine Grenzen stößt

Die Probleme sind seit Jahren bekannt, aber sie waren noch nie so deutlich spürbar wie jetzt:

Die CAC-Death-Spiral frisst Margen auf, das Inventarrisiko engt die Liquidität ein und Produkte werden immer schneller kopiert. Selbst die besten Anzeigen schaffen es nicht, Haptik, Vertrauen und Erlebnis zu ersetzen. Wer ausschließlich digital agiert, vermarktet sein Produkt in einem zunehmend überfüllten und teurer werdenden Raum.

Westwing setzt auf eigene Home-Showrooms in München, Hamburg und Wien. Purelei tourt mit Pop-ups durch Deutschland. Chronext baut Luxus-Showrooms in München und Zürich.

Sie alle starteten als reine Online-Unternehmen und entschieden sich dann bewusst für physische Touchpoints. Warum? Weil Online allein die Conversion-Lücke nicht mehr schließen kann.

Die Renaissance der Berührung: Warum Showrooms funktionieren

Was digitale Werbung verspricht, bestätigt ein Showroom innerhalb von Sekunden: das echte Erlebnis. Wenn man ein Produkt anfassen, die Materialien spüren oder die Größenverhältnisse im Raum sehen kann, wird ein Vertrauensniveau erreicht, das kein Bildschirm erreicht. Das ist keine Romantik, sondern harte Conversion-Mechanik.

Ein Showroom ist kein Laden im herkömmlichen Sinne, sondern ein Experience Center: Es gibt keine Lagerhaltung, keine Kasse und keinen klassischen POS-Betrieb. Die Kunden probieren das Produkt aus, konfigurieren es digital und bestellen es direkt im Onlineshop.

Die Effekte sind messbar:

  • Mehr Vertrauen
  • Höhere Conversion
  • Deutlich weniger Retouren
  • Regional sinkende CACs
  • Höherer Warenkorbwert
  • Mehr organischer Traffic

Und dann gibt es noch den unterschätzten Superstar des stationären Handels: den Halo-Effekt. Allein die Präsenz eines Showrooms in einer Region erhöht die Online-Kaufwahrscheinlichkeit – selbst bei Kundinnen und Kunden, die ihn nie betreten.

Showrooms lohnen sich vor allem bei haptisch erlebbaren, erklärungsbedürftigen oder hochpreisigen Produkten. Dazu gehören beispielsweise Möbel, Matratzen, Mode, Schmuck, Luxusartikel oder komplexe technische Produkte.

Sobald der durchschnittliche Warenkorbwert regelmäßig über 1.000 Euro liegt, die Retouren-Quote hoch ist oder die Customer Journey lang ist, wird lokale Präsenz vom „Nice to Have“ zum strategischen Vorteil.

Das gilt nicht nur für große Marken. Auch Mid-Market-D2C-Brands profitieren – oft früher, als sie selbst glauben.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung