Hybrid Commerce

Ist Online only tot? Der E-Commerce braucht eine neue physische Realität 

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Die Marktchance 2026: Ein perfektes Fenster öffnet sich

Das Timing könnte kaum besser sein: 15 Prozent der Innenstadtflächen stehen leer, B-Lagen sind um bis zu 20 Prozent günstiger geworden und etablierte Handelsketten geben Filialen auf. Dadurch entsteht ein neues Spielfeld, das insbesondere für E-Commerce-Brands überraschend attraktiv ist: gute Erreichbarkeit, faire Mieten und ausreichend Platz für Erlebnisse statt Warenlager. Die beste Zeit, Offline neu zu denken, ist jetzt.

Deshalb setzen wir bei Mozart Bett seit einigen Jahren auf Showrooms und sind damit ein Paradebeispiel für diese Entwicklung. Wir starteten online und betreiben heute sieben Showrooms in Deutschland und Österreich: in Hamburg, Nürnberg, Nordhorn, Dresden, Hannover, München und Wien. Nicht als Beiwerk. Sondern als zentralen Bestandteil der Wachstumsstrategie.

Die Ergebnisse sind eindeutig: In Hamburg stieg die Zahl der Bestellungen von 68 auf 141 pro Monat – ein Plus von 107 Prozent. Die Region verzeichnete ein Umsatzwachstum von 36 Prozent. Die Besucherzahlen wuchsen um 71 Prozent. Der ROI wurde nach sechs Monaten positiv – trotz Setup-Kosten von rund 50.000 Euro pro Standort.

Die Retouren sanken spürbar, unsere Kunden kamen schneller zur Entscheidung und die Online-Conversion in der gesamten Region stieg – auch dort, wo die Menschen nie im Showroom waren.

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis ist: Showrooms funktionieren nicht trotz B-Lage, sondern wegen ihr. Eine gute Erreichbarkeit schlägt teure Laufkundschaft.

Warum ein Showroom den Online-Marketing-Mix entlastet

Ein häufig übersehener Vorteil ist, dass Showrooms den Druck auf die Online-Kanäle reduzieren. Die Präsenz vor Ort signalisiert Zuverlässigkeit. Google-Maps-Einträge, positive Bewertungen, reale Bilder und lokale Events erzeugen Vertrauen und machen bezahlte Anzeigen effizienter.

Kunden finden ihren Weg über:

  • Regionale Social Ads
  • Google Maps (Traffic-Booster Nr. 1)
  • Newsletter und CRM
  • Event-Marketing
  • Lokale Kooperationen
  • Social Proof über Instagram und TikTok

Ein Showroom ist kein Einkaufsort, sondern ein Vertrauensbeschleuniger.

Ab wann lohnt sich der Einstieg?

Sobald drei der folgenden vier Kriterien erfüllt sind, sollte man handeln:

  • 1. Hoher Warenkorbwert
  • 2. Hohe Retourenquote
  • 3. Erklärungsbedürftiges Produkt
  • 4. Lange Entscheidungswege

Pop-up-Stores bieten sich ideal als erstes Testfeld für den stationären Handel an. Sie ermöglichen es Unternehmen, neue Märkte zu erkunden, Produkte live zu präsentieren und direktes Feedback von Kunden zu erhalten – und das ohne langfristige Verpflichtungen. Durch die temporäre Präsenz kann flexibel auf Trends und saisonale Schwankungen reagiert werden. Insbesondere für Marken, die bislang ausschließlich online aktiv waren, ist ein Pop-up eine kosteneffiziente Möglichkeit, den Übergang zum physischen Erlebnis zu erproben.

Showrooms als Ergänzung: Mozart Bett betreibt mittlerweile sieben Showrooms in Deutschland und Österreich. Zum Beispiel in Hamburg stieg so der Umsatz um 36 Prozent.(Bild:  Comfort One)
Showrooms als Ergänzung: Mozart Bett betreibt mittlerweile sieben Showrooms in Deutschland und Österreich. Zum Beispiel in Hamburg stieg so der Umsatz um 36 Prozent.
(Bild: Comfort One)

Ein Shop-in-Shop Konzept hingegen minimiert das unternehmerische Risiko, da die Marke nicht selbst für die gesamte Infrastruktur verantwortlich ist. Durch die Integration in einen bestehenden Handelspartner profitieren Unternehmen von dessen Kundenstamm, Standort und Know-how. Gleichzeitig können sie ihre Produkte in einem realen Umfeld testen und wertvolle Erfahrungen sammeln, ohne hohe Investitionen zu tätigen.

Ein eigener Showroom stellt die höchste Form des stationären Markenauftritts dar. Dieser lohnt sich in der Regel ab einem Jahresumsatz von mehreren Millionen Euro, da die Investitionen in Fläche, Ausstattung und Personal entsprechend hoch sind. Allerdings kann ein Showroom auch schon früher sinnvoll sein – insbesondere wenn die eigene Community aktiv nach einem physischen Treffpunkt verlangt. Ein Showroom dient nicht nur als Präsentationsfläche, sondern als Vertrauensbeschleuniger und bietet die Möglichkeit, die Marke erlebbar zu machen. Er festigt Beziehungen zu Kundinnen und Kunden und stärkt das Vertrauen in Produkt und Unternehmen.

Die Zukunft des Handels: Hybrid ist das neue Normal

Die Innenstädte erleben keine Rückkehr des Einzelhandels von gestern – sie erleben die Geburt eines neuen Formats: Showrooms als Erlebnisse, Pop-ups als Kampagnen, Markenräume statt Warenräume.

E-Commerce und stationärer Handel verschmelzen endlich zu dem, was Kundinnen und Kunden schon lange erwarten: eine nahtlose, hybride Customer Journey.

Wer heute ausschließlich auf digitale Kanäle setzt, macht sich abhängig von steigenden CACs, volatilen Algorithmen und einem zunehmend skeptischen Publikum.

Showrooms sind keine Nostalgie. Sie sind ein strategischer Wachstumshebel für Conversion, Vertrauen, Content, Customer Lifetime Value und letztlich für nachhaltige Profitabilität.

Die Frage ist nicht mehr, ob, sondern wann du offline gehst. Die Frage ist nur noch, wann.

E-Commerce – ShowroomAndré Jonker
ist CEO von Mozart Bett und Seriengründer aus Leidenschaft. Das Erfolgsrezept des 32-jährigen Betriebswirts: Schlanke Prozesse, eine starke Marke und tiefes Digital-Know-how. Er ist ein Macher, der lieber Klartext spricht, als Buzzwords zu dreschen.

Bildquelle: Comfort One

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