Clean Clothes Campaign Lieferkettengesetz: Otto hat Ärger mit Arbeitern aus Myanmar

Verantwortliche:r Redakteur:in: Konstantin Pfliegl 4 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Arbeiter aus Myanmar beklagen, dass sie in Thailand Kleidung für Otto hergestellt haben – und auf ihren Lohn warten. Die Clean Clothes Campaign sieht Otto nach dem Lieferkettengesetz in der Pflicht. Otto weist die Vorwürfe als falsch und unberechtigt zurück.

(Bild:  Clean Clothes Campaign)
(Bild: Clean Clothes Campaign)

Arbeiter aus Myanmar stellten in der thailändischen Fabrik Royal Knitting Kleidung her. Doch im April 2020, im Zuge der COVID-19-Pandemie, entließ die Geschäftsleitung über 200 Beschäftigte. Doch diese verweigerte den Entlassenen rechtswidrig den Lohn für geleistete Arbeit sowie Abfindungen. Fast fünf Jahre später und trotz des Urteils des thailändischen Gerichts gegen Royal Knitting, warten die Arbeiter immer noch auf über 1 Million US-Dollar an unbezahlten Löhnen und Abfindungen. Die Clean Clothes Camapaign sieht hier nach dem deutschen Lieferkettengesetz Otto in der Pflicht.

Die Clean Clothes Campaign, in Deutschland die „Kampagne für Saubere Kleidung“, ist ein internationales Netzwerk aus Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften. Es setzt sich für Arbeits- und Frauenrechte, gewerkschaftliche Rechte, existenzsichernde Löhne, Arbeitssicherheit und die Verbesserung von Arbeitsbedingungen ein.

Produzierte die Royal Knitting Factory Kleidung für Otto-Marken?

„Ich möchte Otto sagen, dass wir zehn Jahre lang Kleidung hergestellt haben“, zitiert die „Kampagne Saubere Kleidung“ einer der Arbeiterinnen, die aus Myanmar kommt. Über 90 Prozent der Betroffenen sind Frauen aus Myanmar.

Da Royal Knitting sich weigerte zu zahlen und es kaum Möglichkeiten gibt, das Gerichtsurteil durchzusetzen, baten die Entlassenen das Familienunternehmen Otto um Unterstützung. Laut der Clean Clothes Campaign lehnt Otto es aber ab, die ausstehenden Löhne zu übernehmen – und gibt ab, dass Kleidung für Otto zum Zeitpunkt der Entlassungen nicht aus der besagten Firma kamen. Die Geschäftsbeziehungen seien 2017 beendet worden.

Die Clean Clothes Campaign habe jedoch übereinstimmende Aussagen von den Arbeitern gesammelt, dass sie Kleidung für die Marken der Otto Group produzierten. Die ehemaligen Royal-Knitting-Beschäftigten hätten Packlisten und Produktionsanweisungen übermittelt, die sie nach 2017 zur Herstellung von Kleidung für Otto-Marken verwendeten. Die Beschäftigten hätten auch Kleidungsetiketten von Otto-Marken – wie Sieh An! und Ambria (Witt) – vorgewiesen, die sie vor ihrer Entlassung im Jahr 2020 auf Kleidungsstücke genäht haben.

Lieferkettengesetz: Rechtliche Schritte gegen Otto

Auch wenn die Otto Group den Arbeitnehmern die Löhne nicht direkt schuldet, sei das Unternehmen nach Auffassung der Clean Clothes Campaign nach dem deutschen Lieferkettengesetz dafür verantwortlich, wirksame Maßnahmen zu ergreifen gegen Arbeitsrechtsverletzungen wie die im zugrunde liegenden Fall.

Die internationale Clean Clothes Campaign bereitet nun im Namen der Arbeiter eine Beschwerde im Rahmen des Lieferkettengesetzes beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle vor. Otto habe es bis heute versäumt, Abhilfe zu schaffen im Sinne der Beschäftigten. Das mache deutlich, dass das Unternehmen in diesem Fall seine Menschenrechtsverpflichtungen gemäß dem deutschen Lieferkettengesetz nicht erfüllt hat.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung