Kommentar

Nachhaltige Innovationen: Die Tech-Welt verliert alle 15 Jahre ihr Gedächtnis

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Warum nachhaltige Innovation mehrdimensional ist

Während ein Großteil der Investorenmeute dem jeweils nächsten Innovations-Nordstern hinterherläuft, lohnt der Blick zurück – nicht aus Nostalgie, sondern zur Mustererkennung. Nur so lässt sich unterscheiden zwischen kurzlebigen Moden, bei denen frühe Investoren allenfalls vom schnellen Weiterreichen der „heißen Kartoffel“ profitieren, und echten Innovationswellen, aus denen tragfähige Ökosysteme entstehen.

Seit den Anfängen der Halbleiterindustrie im Silicon Valley gilt eine einfache Regel: Tiefgreifende Innovationen sind fast nie eindimensional.

Christian Claussen, General Partner beim VC Ventech

Seit den Anfängen der Halbleiterindustrie im Silicon Valley gilt eine einfache Regel: Tiefgreifende Innovationen sind fast nie eindimensional. Der Durchbruch des Internets Mitte der 1990er-Jahre war kein Zufall, sondern das Ergebnis mehrerer zusammenlaufender Entwicklungen: ein modernes DARPA-Übertragungsprotokoll, endlich deregulierte und massiv ausgebaute Glasfasernetze, millionenfach verfügbare PCs – und schließlich Netscapes Browser als Katalysator. Auch das iPhone war keine plötzliche Eingebung, sondern die konsequente Fusion vorhandener Technologien und Markttrends: ein mit der massiven Nutzung von Mobiltelefonen bereits vertrautes Publikum, nun ausreichend leistungsfähige digitale Mobilnetze und ein erstmals praktikables Verhältnis von mobiler Prozessor- und Bildschirmleistung zu Energieverbrauch.

Solche Konvergenzen schaffen Plattformen, auf denen über Jahre hinweg nachhaltige Wertschöpfung entstehen kann. Ihnen gegenüber stehen eindimensionale Trends, getrieben von einem einzelnen technologischen Durchbruch, isoliertem regulatorischem Rückenwind oder kurzfristiger Markteuphorie. Sie mögen spektakulär beginnen, enden jedoch nicht selten im Gegenwind.

Oft liegt diesen Hypes eine inzestuöse Dynamik zugrunde: Ein singulärer Investorenerfolg genügt, um ganze Branchen in Überfinanzierung zu treiben. Die MEMS‑Euphorie nach einigen spektakulären Optical-Networking-Exits Anfang der 2000er oder der Next-Gen-Solarzellen-Boom nach dem Börsengang von Q‑Cells sind Lehrstücke dieser Logik. Jüngst ließen sich ähnliche Muster in den regulatorisch befeuerten Climate- und New-Space-Sektoren beobachten. Und auch der aufstrebende New-Defense-Bereich wird bislang vor allem durch einen politischen Trigger getragen: stark steigende Verteidigungsbudgets.

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