Seit 23 Monaten gibt es nun das Verpackungsgesetz. Doch trotz einer positiven Entwicklung reicht das Engagement von Online-Marktplätzen und Herstellern bei Weitem noch nicht aus, um den Verpackungsmüll zu reduzieren.
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Etwa 200.000 Unternehmen haben sich seit dem 1. Januar 2019 beim Verpackungsregister eingeschrieben. Im Vergleich zu 2017 ist das ein Zuwachs von 17 Prozent. Damit kommen heute immerhin rund drei Mal so viele Unternehmen ihrer Produktverantwortung nach wie noch vor vier Jahren. Doch für Online-Marktplätze gelten scheinbar noch immer andere Regeln. Das Umweltbundesamt (UBA) deshalb schlägt vor, Betreiber von Online-Marktplätzen dazu zu verpflichten, die Einhaltung des Verpackungsgesetzes auf ihren Plattformen sicherzustellen.
"Auch Online-Marktplätze können mehr für den Umweltschutz tun. Wir empfehlen daher, dass alle Online-Plattformen künftig vor dem Verkauf von Waren prüfen, ob sich die Verkäufer an die Pflicht zur Registrierung im Verpackungsregister gehalten haben. Dies sollte gesetzlich festgeschrieben werden", erklärt Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamts. Seit dem 1. Januar 2019 besteht die Pflicht für Hersteller von Verpackungen, die typischerweise beim privaten Endverbraucher als Abfall anfallen, sich im Verpackungsregister zu registrieren.
Online-Marktplätze zu mehr Recycling verpflichten
Durch das Verpackungsgesetz ist die Verpackungsentsorgung in Bewegung geraten. Rund 80 bis 90 Prozent – der bei den dualen Systemen beteiligten Verpackungen geht auch tatsächlich ins Recycling und nicht in die Verbrennung. Bei Kunststoffverpackungen beträgt der Anteil 2019 rund 58,5 Prozent – etwa 50 Prozent mehr als im Vorjahr.
"Unsere Verpackungen werden in sehr großen Anteilen recycelt. Dem Märchen, es werde sowieso alles verbrannt, was in gelber Tonne oder gelbem Sack lande, kann ich in aller Deutlichkeit widersprechen", sagt Dirk Messner. Dem UBA zufolge leiste das Verpackungsgesetz somit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Jede Tonne Kunststoff, die als Werkstoff recycelt wird, spare etwa zwei Tonnen CO2 ein. Berechnet auf die Gesamtmenge des werkstofflich recycelten Kunststoffs in Deutschland ergebe sich so eine Einsparung von etwa 900.000 Tonnen CO2 pro Jahr.
Steigende Menge an Verpackungsmüll
2018 fielen in Deutschland einschließlich Gewerbe 18,9 Millionen Tonnen Verpackungsabfall an. Das entspricht 227,5 kg pro Kopf. Allein 8,9 Millionen Tonnen Verpackungsabfall produzierten Endverbraucher. Pro Kopf und Jahr umgerechnet, waren das 107,2 kg. Es gibt Möglichkeiten, dem entgegenzusteuern, erklärt Dirk Messner: "Viele Produkte können auch mit weniger Verpackung oder sogar unverpackt verkauft werden, etwa große Teile des Obst- und Gemüsesortiments im Supermarkt."
Recyclingquote erhöht sich
Insgesamt wurden 5,3 Tonnen Verpackungen der privaten Endverbraucher stofflich verwertet – eine Steigerung von 13 Prozent bei recycelten Verpackungsmengen. Bei Kunststoffen sind es 50 Prozent. „Die Recyclingmengen haben zwei Treiber: Die höheren Quoten des Verpackungsgesetzes und die höheren Mengen, die an Systemen beteiligt werden“, erläutert Gunda Rachut, Vorstand der Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR),die Dynamik, die das Verpackungsregister LUCID beim Recycling erzeugt hat. Doch besteht auch hier noch viel Potenzial nach oben.
Online-Marktplätze: Potenzial von Mehrweg-Versandverpackungen nutzen
Gerade für den Online-Handel und Onlinemarkplätze bieten Mehrweg-Versandverpackungen eine gute Möglichkeit Verpackungsmüll zu vermeiden. Doch der Trend geht genau in die falsche Richtung. So sinkt beispielsweise bei Getränkeverpackungen der Mehrweganteil seit Jahren. Er betrug 2018 nur noch 41,2 Prozent. Laut UBA sei eine Trendumkehr dringend nötig und auch möglich. So sollten nach Auffassung des Umweltbundesamtes Mehrwegflaschen zu gleichen oder sogar niedrigeren Preisen als Einweg angeboten werden. Auch im Onlinehandel könnten deutlich mehr Mehrweg-Versandverpackungen zum Einsatz kommen, die von Kunden dann kostenlos zurückgeschickt werden.
Hersteller setzen verstärkt Rezyklate ein
Wo Mehrwegverpackungen keine Option sind, sollten die Verpackungen nicht nur materialsparend designt sein, sondern auch Rezyklate enthalten. Grundsätzlich könnten viel mehr Verpackungen aus Rezyklaten aus dem gelben Sack/der gelben Tonne hergestellt werden. Sie werden bisher etwa in Verpackungen für Reinigungsmittel und Farben eingesetzt.
"Ich sehe da deutlich mehr Potentiale. Auch bei Pflanztöpfen, Paletten oder Baumarktartikeln können deutlich mehr Rezyklate eingesetzt werden. Dass Verpackungen aus recycelten Verpackungsabfällen aus der gelben Tonne die Regel werden, sollte unser Ziel sein. Nur so können wir Kreisläufe schließen und den Bedarf an Rohstoffen reduzieren", erklärt Dirk Messner.
Preise für Rezyklat noch zu hoch
Die EU-Einwegkunststoff-Richtlinie schreibt nunmehr einen Rezyklateinsatz in PET-Einwegflaschen von 25 Prozent ab 2025 und 30 Prozent in allen Einwegflaschen aus Kunststoff ab 2030 vor. Auch der neue Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft als Teil des Europäischen Green Deal zielt darauf ab, die Rate der Verwendung von Sekundärmaterialien deutlich zu erhöhen. Der Knackpunkt dabei ist jedoch, dass der Preis pro Tonne Rezycalt durchschnittlich etwa um 400 bis 600 Euro über dem eines Neuprodukts liegt, wie das UBA bestätigt. Viele Hersteller scheuen die hohen Kosten und setzen lieber auf Neuware, also nicht-recycelten Kunststoff.
Stand: 16.12.2025
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Gerade wenn es um das Design und die Verpackung von Produkten, die neben dem stationären Handel verstärkt über Online-Marktplätze und dem Online-Handel vertrieben werden, besteht noch viel Potenzial, Müll zu vermeiden. Laut UBA ist es dabei wichtig, schon beim Entwicklungsprozess vier Regeln zu beachten:
Verpackung einsparen oder erst gar nicht entstehen lassen
Verpackung nur einsetzen, wenn es wirklich notwendig ist
Neue Innovationen in Unternehmen zulassen, um recyclingfähige Verpackungen zu entwickeln
Beim Produkt- und Verpackungsdesign auf recylingfähige Materialien (Rezyclate) setzen.
Die Vertreter von UBA hoffen, dass sich dies positive auf die Recyclingrate auswirken wird, um Müll zu vermeiden. Allerdings gesteht Dirk Messner ein: „Wir sind noch immer eine Wegwerfgesellschaft.“ (Christiane Manow-Le Ruyet)