Der Onlinehandel steht vor einer Herausforderung: Bis zum Jahr 2028 werden Kunden von Shop-Betreibern verstärkt Komfort, Transparenz und Nachhaltigkeit einfordern. Diese acht Trends eröffnen Onlineshops neue Geschäftschancen.
(Bild: Ariep/Adobe Stock - generiert mit KI)
Der Onlinehandel steht weiterhin im Spannungsfeld zweier widersprüchlicher Prioritäten: personalisierte Kundenerlebnisse bieten und gleichzeitig die betriebliche Effizienz wahren. Einerseits gilt die zunehmende Fokussierung auf das Kundenerlebnis, angetrieben durch Fortschritte in digitalen Technologien und immersiven Umgebungen, als entscheidendes Differenzierungsmerkmal. Andererseits erfordern die logistischen Abläufe im Onlinehandel, einschließlich Einkauf, Transport, Verkauf und Lieferung von Produkten, Konsistenz und Präzision, um Kostenkontrolle und Servicezuverlässigkeit zu gewährleisten.
Die richtige Balance zwischen diesen vielfältigen Anforderungen ist von zentraler Bedeutung. Deshalb ist die Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen Technologie, Logistik, Werbung und weiteren Bereichen unerlässlich. Nur so können Einzelhändler flexibel auf die sich wandelnden Bedürfnisse der Verbraucher reagieren und gleichzeitig die erforderliche Effizienz für nachhaltiges Wachstum sicherstellen. Um dies erfolgreich umzusetzen, gilt es, zentrale Trends zu beachten, die das E-Commerce-Geschäft in den kommenden Jahren prägen werden. Folgende acht wichtige Entwicklungen eröffnen Unternehmen signifikante Geschäftschancen.
Verbesserung der Zustellung durch Schnelligkeit, Komfort und Innovation.
Verbraucher erwarten heutzutage standardmäßig eine schnelle, flexible und umweltfreundliche Lieferung als Standard. KI-gesteuerte Routingsysteme werden die Logistik optimieren und sowohl Betriebskosten als auch den CO2-Fußabdruck durch verbesserte Liefergenauigkeit und Verkürzung der letzten Meile reduzieren. Das rasante Wachstum von Mikro-Fulfillment-Zentren (MFCs) wird die Zustellung weiter rationalisieren und es Einzelhändlern ermöglichen, ihre Bestände näher an den städtischen Verbrauchern zu lagern. Diese hoch automatisierten Zentren, die strategisch günstig positioniert sind, werden Lieferungen am selben Tag oder sogar stündlich ermöglichen.
KI-gestützte Personalisierung im Onlinehandel
Künstliche Intelligenz revolutioniert das Einkaufserlebnis im Onlinehandel durch hochgradig personalisierte Angebote. Durch die Analyse großer Mengen von Verbraucherdaten hilft KI den Einzelhändlern, ihre Marketingmaßnahmen zielgenau anzupassen, Produktempfehlungen individuell zu gestalten und den Kundenservice zu optimieren. Diese Personalisierung steigert nicht nur die Kundenzufriedenheit, sondern verbessert auch das Bestandsmanagement durch präzisere Bedarfsprognosen. Angesichts steigender Erwartungen der Verbraucher an maßgeschneiderte Erlebnisse wird die Rolle der KI im Onlinehandel entscheidend sein, um eine dynamische Personalisierung auf jeder Etappe der Kundenreise zu ermöglichen.
Auch Augmented und Virtual Reality (AR/VR) werden ein integraler Bestandteil des Online-Einkaufserlebnisses werden. AR- und VR-Technologien haben das Potenzial die Lücke zwischen Online- und stationärem Einkaufen schließen, indem sie es den Kunden ermöglichen, Produkte in realistischen Umgebungen zu visualisieren. So können z. B. virtuelle „Anproben“-in Apps von Mode- und Einrichtungsmarken eine neue Dimension der Interaktivität schaffen, die Retourenquote senken und das Vertrauen der Verbraucher in Online-Käufe stärken.
Direktvertrieb im Onlinehandel stärkt Markentreue und Markenbewusstsein
Der Direktvertrieb (Direct-to-Consumer, DTC), der in Branchen wie Mode und Kosmetik bereits erfolgreich ist, wird weiter an Bedeutung gewinnen. Verbraucher suchen zunehmend nach authentischen und transparenten Marken. DTC-Ansätze ermöglichen es Markenunternehmen direkte Kundenbeziehungen zu fördern und personalisiertere Einkaufserlebnisse zu bieten. Dies eröffnet Unternehmen auch wertvolle Einblicke in das Verbraucherverhalten, so dass sich ändernde Präferenzen besser verstanden werden und eine schnelle Reaktion möglich ist.
Soziale Medien werden eine zentrale Rolle für den Erfolg des Direktvertriebs spielen. Jüngere Generationen nutzen Plattformen wie Instagram und TikTok, um Produkte zu entdecken und zu bewerten. Der Einsatz von Influencern und Markenbotschaftern, insbesondere solchen, die ein Nischenpublikum ansprechen, wird die Reichweite und Glaubwürdigkeit von DTC-Marken weiter erhöhen.
Onlinehandel: Vertrauen der Verbraucher hängt von Nachhaltigkeit ab
Bis 2028 werden Verbraucher einen umfassenden Überblick über den ökologischen Fußabdruck eines Produkts erwarten, vergleichbar mit den Informationen auf Lebensmittelverpackungen. Digitale Produktpässe (DPPs) werden in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle spielen, da die Fristen für die Umsetzung der Vorschriften näher rücken. Diese Pässe werden eine vollständige Produkthistorie enthalten, von den verwendeten Materialien bis hin zu Empfehlungen für die Entsorgung, so dass die Verbraucher informierte und nachhaltige Entscheidungen treffen können.
Einzelhändler werden zudem umweltfreundliche Praktiken einführen, wie die CO2-Kompensation oder Aufschläge auf umweltschädliche Einkäufe. Nachhaltigkeit wird nicht länger eine optionale Ergänzung sein, sondern ein wesentlicher Bestandteil des Wertversprechens des Onlinehandels. Dies wird Unternehmen dazu zwingen, umweltfreundliche Verpackungen, ethische Beschaffung und recycelbare Materialien als Standard zu etablieren.
Stand: 16.12.2025
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Retourenmanagement bringt Komfort und Kosten in Einklang
Effizientes Retourenmanagement wird immer wichtiger. Diese Entwicklung spiegelt einen allgemeinen Trend zu verantwortungsbewusstem Konsum wider, bei dem die Verbraucher die Verantwortung für ihr Rückgabeverhalten übernehmen müssen. Einzelhändler können insbesondere bei Artikel mit geringem Wert eine Rückerstattung ohne Rücksendung einführen (Returnless Refunds), um den logistischen Aufwand und damit die Umweltbelastung zu reduzieren. Außerdem lassen sich damit Kosten senken und gleichzeitig ein hohes Serviceniveau sicherstellen. Wichtige Elemente dabei sind die automatisierte Rückverfolgung von Retouren, Packstationen sowie gemeinsam genutzte Abhol- und Abgabestellen (Pick-up & Drop-Off, PUDO Zudem tragen sofortige Rückerstattungen zur höheren Kundenzufriedenheit bei, während sie zugleich die Kostenkontrolle unterstützen. Technologiebasierte Lösungen, wie KI-gestützte Analysen von Retourenmustern, helfen Einzelhändlern, häufige Ursachen für Rücksendungen zu erkennen und Qualitäts- oder Passformprobleme proaktiv zu beheben
Blockchain und transparente Lieferketten schaffen Vertrauen und Authentizität
Die Blockchain-Technologie ermöglicht eine noch nie dagewesene Transparenz, die es Verbrauchern erlaubt, die Herkunft ihrer Einkäufe zurückzuverfolgen und so Authentizität und ethische Produktion sicherzustellen. Einzelhändler experimentieren bereits mit Blockchain, um den Wunsch der Verbraucher nach einer transparenten Lieferkette zu erfüllen. Bis 2028 wird diese Technologie im Onlinehandel zum Standard werden und es den Konsumenten ermöglichen, den Weg eines Produkts vom Rohstoff bis ins Regal zu verfolgen.
Intelligente Verträge (Smart Contracts) auf Blockchain-Basis optimieren Transaktionen, indem sie automatische Zahlungen auf Grundlage der Vertragsbedingungen ermöglichen und somit das Betrugsrisiko verringern. Insbesondere im Luxussegment bietet die Blockchain eine zusätzliche Sicherheitsebene, die dem wachsenden Bedürfnis nach Schutz vor Fälschungen gerecht wird.
Recommerce: Second-Hand erobert den Onlinehandel
Der Second-Hand-Markt über Plattformen wie Ebay oder Vinted boomt weltweit und wird bis 2028 voraussichtlich ein Volumen von 350 Milliarden US-Dollar erreichen. Dieser Trend wird durch das wachsende Bewusstsein der Verbraucher für Nachhaltigkeit und den Wunsch, Abfall zu reduzieren, angetrieben. Große Einzelhändler reagieren darauf, indem sie neben neuen Produkten auch Second-Hand-Angebote integrieren und Recommerce nutzen, um umweltbewusste Kunden anzusprechen.
Recommerce bietet auch Chancen für den stationären Handel: Pop-up-Stores digitaler Anbieter steigern die Markenpräsenz, gleichzeitig können traditionelle Geschäfte Leerstände durch attraktive Second-Hand-Konzepte nutzen. Mit dem Wachstum des Recycling-Handels müssen Einzelhändler ihre Lieferketten anpassen, um den Prozess mit gebrauchten Waren zu optimieren und eine effiziente Verarbeitung, Qualitätskontrolle und Logistik zu gewährleisten.
Neue Kundensegmente durch Generation Alpha und Gaming-Communities
Bis 2030 wird die Generation Alpha, die jüngste Verbrauchergruppe, zu Digital Natives herangewachsen sein, die sich intensiv mit Online-Shopping und den sozialen Medien beschäftigen. Einzelhändler werden gezwungen sein, ihre Strategien grundlegend zu überdenken, um diese technikversierte Zielgruppe erfolgreich anzusprechen. Dabei wird die Nutzung von Datenanalysen entscheidend sein, um die spezifischen Vorlieben dieser Generation zu verstehen und maßgeschneiderte Inhalte zu entwickeln. Der Gaming-Markt, der mit 2,69 Milliarden Spielern weltweit ein enormes Potenzial darstellt, bietet Einzelhändlern eine weitere vielversprechende Möglichkeit. Da die Gaming-Zielgruppe über Alters- und Geschlechtsgrenzen hinweg wächst, integrieren Marken zunehmend In-Game-Werbung und Kooperationen mit Streaming-Anbietern, um dieses engagierte Publikum zu erreichen.
Herausforderungen und Chancen für den Onlinehandel
Der sich dynamisch entwickelnde Onlinehandel konfrontiert Unternehmen mit vielfältigen Herausforderungen, bietet aber gleichzeitig immense Chancen. Die steigenden Verbraucheransprüche hinsichtlich Personalisierung und Nachhaltigkeit erfordern substanzielle Investitionen in innovative Technologien. Die Gratwanderung zwischen Kostenoptimierung und ökologischer Verantwortung kann durch kooperative Projekte, fortschrittliche Verpackungslösungen und optimierte Logistikprozesse erfolgreich gemeistert werden. Die kontinuierliche Integration technologischer Innovationen wie künstlicher Intelligenz (KI), Augmented Reality (AR) und Blockchain ist für Einzelhändler unerlässlich, um immersive Einkaufserlebnisse zu schaffen und das Vertrauen der Konsumenten zu gewinnen.
Rory O’Connor ist Gründer und CEO von Scurri, einer Liefermanagement-Plattform für Bestell-, Versand- und Lieferprozesse. Als E-Commerce-Experte spricht O'Connor regelmäßig auf Technologiekonferenzen. Zuvor sammelte er Erfahrung in leitenden Vertriebs-, Marketing- und Technologiepositionen bei Unternehmen wie Waterford Wedgwood, AOL und Carphone Warehouse.