Von Excel zur KI-Echtzeitsteuerung Pricing: Wie KI-gestützte Engines die Margen im E-Commerce absichern

Ein Gastbeitrag von Sebastian Rahmel 4 min Lesedauer

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Die Preissteuerung über verschiedene Vertriebskanäle hinweg zählt zu den größten Herausforderungen für Onlineshops. KI-gestützte Pricing Engines schaffen Abhilfe: Sie verbessern datenbasiert Preisstrategien, Lagerbestände und Marketingaktivitäten und sichern auf diese Weise die Profitabilität.

Intelligente Pricing Engines geben datenbasiert Empfehlungen zu Preisen und Prognosen zu Verkaufsmengen ab.(Bild:  unsplash)
Intelligente Pricing Engines geben datenbasiert Empfehlungen zu Preisen und Prognosen zu Verkaufsmengen ab.
(Bild: unsplash)

Preisanpassungen bedeuten für viele Unternehmen noch immer einen immensen Zeitaufwand. Die Arbeit mit Excel-Ungetümen oder gar manuelle Eintragungen bindet unnötig Ressourcen und erlaubt die Steuerung von mutmaßlich 20 % des Sortiments. Intelligente Pricing Engines hingegen gestatten die Echtzeitkontrolle des kompletten Produktportfolios und sorgen für kräftiges Umsatzwachstum. Sie überwachen neben Wettbewerbspreisen auch Lagerbestände und geben datenbasiert fundierte Empfehlungen zu Preisen sowie Prognosen zu Verkaufsmengen ab. Anstatt nach dem Pi-mal-Daumen-Prinzip vorzugehen, treffen Verantwortliche auf Basis dieser verdichteten Informationslage fundierte Einkaufs-, Herstellungs- und Abverkaufsentscheidungen.

Multichannel-Strukturen mit unterschiedlichen Preisen abhängig von Ländern, Regionen und Marktplätzen lassen sich ohne Automatisierung, also ohne Pricing-Software, kaum managen. Eine KI-getriebene Engine greift auf Produkt-, Lager- und Kostendaten zu und bricht diese bis auf das Einzelprodukt herunter. So justieren Händler ihre Preise nicht länger pauschal über die Produktkategorie, sondern gezielt pro Artikel. Ergänzt die KI-basierte Pricing Software eine KI-gestützte Attributerkennung – die vergleichbare Produkte anhand von Artikeldaten- und -Merkmalen identifiziert –, entsteht ein Gesamtbild, das Probleme nicht nur aufzeigt, sondern in Echtzeit Preise, Lagerbestände und Rentabilität optimiert.

Profit vor Umsatzmaximierung

Eine intelligente Pricing Engine filtert Billigheimer im Wettbewerb aus, schützt und stärkt Erträge und gewährt Preisflexibilität innerhalb vordefinierter Ranges. Umsatzsteigerung bleibt ein Ziel, ausschlaggebend ist jedoch die Wirtschaftlichkeit. KI-Systeme lernen kontinuierlich aus allen Eingaben und Interaktionen, verbessern ihre Ergebnisqualität mit wachsender Datenbasis und passen auf Langstrecke selbstständig Produktpreise- und -kategorien an.

Im Mittelpunkt steht der sogenannte Sweet-Spot-Preis – jener Wert, bei dem die Verdienstspanne am höchsten ausfällt. Dabei zählt nicht die Prozentprofitabilität allein, sondern der tatsächliche Cashflow pro Produkt. Folgendes Beispiel macht dies deutlich: Ein Online-Anbieter verkauft einen 100 Euro teuren Artikel mit 20 Euro Gewinn durchschnittlich 100-mal pro Woche. Reduzieren Entscheidungsträger den Preis auf 95 Euro, schrumpft der Erlös zwar auf 15 Euro, doch der wöchentliche Absatz erhöht sich voraussichtlich auf 150 oder 200 Stück. Die Firma erzielt bestenfalls mehr Gewinn bei einem niedrigeren Einzelpreis. Werden allerdings nur 110 Artikel verkauft, geht die Rechnung nicht mehr auf. 

Intelligente Pricing-Softwares testen deshalb selbstlaufend verschiedene Preispunkte. Sie zeigen, ob eine Preissenkung einträglich ist, und beschließen das ideale Marketingbudget. Auf der Grundlage der Vollkostenrechnung legen Firmen Ober- und Untergrenzen fest. Sie ordnen auch an, wie viel Prozent des Margenanteils in Perfomance-Marketing-Aktivitäten fließen. KI-Systeme erinnern den Umfang dieses Investments und wissen für die Zukunft, welches Budget für einen bestimmten Preispunkt den größten Erfolg verspricht.

Auch Überbestände steuern Händler mithilfe der Pricing Engine gezielt. Verantwortliche reduzieren bewusst Margen oder akzeptieren temporäre Verluste, um Lagerbestände abzubauen. Häufig bilden sich daraus neue Preispunkte, die Produkte im Markt erfolgreich zu positionieren. Kann ein Onlineshop mit dem Wettbewerbspreis aufgrund einer aggressiven Werbeaktion nicht mitgehen, deaktiviert die KI die Kampagnen für diesen Artikel und spart Budget ein. Gleichzeitig berücksichtigt das System die Lagersituation: Sinkt die Reichweite – also der Bestand –, steigt automatisch der Preis. Preissteuerung wird so zu einem dynamischen Zusammenspiel von Wettbewerb, Marketing und Profitabilität in Echtzeit.

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