Weg vom Flickwerk

Der Handel will investieren – doch isolierte Systeme bremsen den Fortschritt aus

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Aus vielen sinnvollen Projekten wird ein Flickwerk

Verstehen Sie mich nicht falsch: Jedes dieser Projekte ist für sich genommen richtig. Schwierig wird es erst, wenn sie sich summieren: für den Onlineshop ein System, für die Kasse ein anderes, für Zahlungen einen weiteren Anbieter, dazu Tools für Kundenkommunikation, Buchhaltung und Lagerbestand. Am Ende verwaltet ein Händler nicht mehr sein Geschäft, sondern seine Systemlandschaft. Dann dauert es nicht Minuten, bis Händler sagen können, wie viel Umsatz sie gestern über alle Kanäle hinweg gemacht haben, sondern einen halben Nachmittag und drei Datenexporte, und zwar schlicht deshalb, weil die Systeme nichts voneinander wissen.

Das bestätigt auch unsere Befragung. 66 Prozent der Händler nennen die zunehmende Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern als Herausforderung, 60 Prozent die Zusammenführung von Kundendaten über verschiedene Kanäle hinweg, 52 Prozent die fehlende technische Infrastruktur und Kompatibilität ihrer Software- und Backoffice-Systeme. 

Digitalisierung scheitert damit häufig nicht am Willen der Händler, sondern an der Komplexität ihrer Systeme und Strukturen.

Digitalisierung scheitert damit häufig nicht am Willen der Händler, sondern an der Komplexität ihrer Systeme und Strukturen.

Pascal Beij, Chief Commercial Officer bei Unzer

Zahlungen müssen mit dem Geschäft mitlaufen

Gerade bei Zahlungen wird das sichtbar. Jede neue Zahlart kann Kunden mehr Wahlfreiheit geben und Kaufabschlüsse erleichtern, aber nur, wenn sie sich ohne getrennte Auswertungen und manuelle Nacharbeit in Kasse, Onlineshop, Abrechnung und Reporting einfügt. Das gilt für flexible Zahlungsarten ebenso wie für neue europäische Angebote wie Wero, das 25 Prozent der befragten Händler bereits einsetzen und weitere 24 Prozent bis Ende 2026 einführen wollen.

Noch fehlt vielen Unternehmen dafür der vollständige Überblick. Nur 43 Prozent der Befragten überprüfen, wie sich die gewählte Zahlart auf den Kaufabschluss auswirkt; fast jeder Vierte erfasst nach eigenen Angaben gar keine Kennzahlen zum Zahlungsprozess. Wer Daten aus Kasse, Onlineshop und Payment nicht zusammenführen kann, trifft wichtige Entscheidungen teilweise im Blindflug, etwa darüber, an welcher Stelle Kunden ihren Einkauf abbrechen oder welche Angebote tatsächlich funktionieren.

Fazit: Neue Technologien brauchen eine gemeinsame Basis

Das wird bei der nächsten Entwicklungsstufe noch wichtiger: Agentic Commerce. KI-Assistenten könnten künftig Produkte recherchieren, Preise vergleichen und Einkäufe im Auftrag ihrer Nutzer vorbereiten oder tätigen. 54 Prozent der Befragten halten das Thema in den kommenden ein bis drei Jahren für relevant.

Doch ein weiterer Kanal schafft noch keinen Fortschritt. Entscheidend ist, dass Sicherheit, Zahlung, Einwilligung und Verantwortlichkeiten von Anfang an in bestehende Prozesse eingebunden sind. Sonst wird aus einer neuen Möglichkeit lediglich das nächste isolierte Projekt.

Die Lösung ist daher meist kein weiteres Tool, sondern die Verknüpfung der Systeme, die schon im Haus sind. Das ist unspektakulär und steht in keinem Trendreport. Aber es ist der einzige Schritt, der die nächsten leichter macht statt schwerer.

Digitalisierung im HandelPascal Beij
ist Chief Commercial Officer bei Unzer.

Bildquelle: Unzer

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