Binnen vier Tagen finanzierte der Wiener Chatarmin-Gründer Johannes Mansbart die insolvente Messe New Com komplett durch Sponsoren. So hat er das gewuppt.
(Bild: New Com Summit)
DARUM GEHT'S
Die New Com Media GmbH befand sich Ende August 2026 im vorläufigen Insolvenzverfahren – Chatarmin-Gründer Johannes Mansbart übernahm die Marke, nicht die Firma.
Innerhalb von vier Tagen sammelte sein Team über 150.000 Euro an Sponsoring-Einnahmen ein – ganz ohne Zugriff auf historische Kennzahlen.
Warum ausgerechnet ein SaaS-Gründer ohne Eventerfahrung dieses Risiko einging, hat mit Bilanzen am wenigsten zu tun.
Wer ein angeschlagenes Unternehmen übernimmt, prüft für gewöhnlich zuerst die Zahlen. Johannes Mansbart interessierte sich stattdessen für die Chancen. Innerhalb weniger Tage unterschrieb der Chatarmin-Gründer aus Wien einen Deal, der die bekannteste E-Commerce-Messe New Com im DACH-Raum retten sollte – und finanzierte das Event danach binnen vier Tagen komplett durch Sponsoren-Einnahmen.
Johannes Du warst zwei Jahre Gast, dann Sponsor – was hast Du in den Zahlen gesehen, das Dich zur Übernahme statt zum stillen Rückzug bewogen hat?
Johannes Mansbart: In den Zahlen gar nichts. Ich kenne die historischen Zahlen noch nicht mal, auf die haben wir bis heute keinen Zugriff bekommen. Was ich stattdessen sehe, ist die einmalige Chance, einen einmaligen Raum für die E-Commerce-Szene zu schaffen, ganz nach Chatarmins Prinzipien: „Zero bullshit, 100 Prozent Transparenz, love and trust, great people having a great time.“
Das ist die einmalige Chance, einen einmaligen Raum für die E-Commerce-Szene zu schaffen, ganz nach Chatarmins Prinzipien: ‚Zero bullshit, 100 Prozent Transparenz, love and trust, great people having a great time.‘
„Sterben lassen oder retten“ – was hätte Chatarmin konkret verloren, wenn Du New Com hättest sterben lassen?
Johannes Mansbart: Abgesehen von den 23.000 Euro, die wir selbst in Stände und Masterclasses der New Com 2026 investiert hatten, hätten wir die beste Brand und das tollste Event im E-Commerce-DACH verloren. Das konnten wir nicht zulassen und haben die unternehmerische Challenge gewagt.
Übernimmst Du Altverbindlichkeiten aus dem laufenden Insolvenzverfahren, oder ist das ein sauberer Asset-Deal ohne Risiko für Dich?
Johannes Mansbart: Nein, die Insolvenzmasse bleibt außerhalb des Asset-Deals – der sich um die Assets der Marke, Website, CMS, CRM und Social-Media-Auftritte konzentriert hat – unberührt. Die alte New Com GmbH bleibt in Insolvenz, Ausrichter und Vertragspartner der New Com ist ab sofort die chatarmin.com GmbH. Dadurch haben Gäste und Partner kein Risiko mehr: Der Partner ist nun ein finanzkräftiges Unternehmen aus Wien, das einen Ruf zu riskieren hat. Das liefert die nötige Stabilität und Sicherheit und auch Durchschlagskraft in der Organisation und Gestaltung des Events.
DER GESPRÄCHSPARTNER
Johannes Mansbart ist Geschäftsführer von Chatarmin.com.
(Bild: Chatarmin)
Das Partner-Line-up steht schon ziemlich komplett – wie viel davon war eigentlich schon vor dem Insolvenzantrag in trockenen Tüchern?
Johannes Mansbart: Kein einziger. Wir haben durch vertriebliche Aktivitäten binnen vier Tagen über 150.000 Euro Sponsoren-Einnahmen von unseren Partnern wie Sebastian Szalinski, Chris Waske, Max Rast, Maurice Marinelli, Marc Weindinger und Co. einnehmen können und das Event damit sofort ausfinanziert. Das alte Geld und die alten Verbindlichkeiten in alle Richtungen bleiben davon unberührt – das Event wurde komplett von null auf neu gedacht, konzeptioniert und auch finanziert. Wir lieben es, bei null zu beginnen und das Unmögliche möglich zu machen – und das gelingt uns hier.
Du positionierst Dich ja als „Mr. Bootstrapped“ – stemmst Du die Rettung komplett aus eigener Tasche, oder holst Du Dir für das Event zusätzliches Kapital rein?
Johannes Mansbart: Die New Com wird zu 100 Prozent aus Sponsoren-Einnahmen finanziert. Das Event ist damit autark, gesund, betriebswirtschaftlich astrein und leistungs- und handlungsfähig. Das Ganze hat mit dem operativen Geschäft der chatarmin.com GmbH nichts zu tun. Kein Cent für die New Com wird querfinanziert oder kommt von außen. Das ist einzig und allein der Community, unseren starken Partnern und unseren Vertriebsfähigkeiten zu verdanken. Außerdem haben Tobias Tins und Michael Kibele hier eine Brand geschaffen, die die nötige Strahlkraft besitzt. Das ist das Asset, und das sehen auch andere, nicht nur wir. Wir waren nur die, die das Risiko genommen haben und ins kalte Wasser gesprungen sind.
Key Takeaways
Für Aussteller/Partner: Neuer Vertragspartner ist die chatarmin.com GmbH, nicht die insolvente New Com Media GmbH – das reduziert das Ausfallrisiko für zukünftige Buchungen.
Für Sponsoren: Das Event ist laut Mansbart vollständig durch neue Sponsoring-Einnahmen finanziert, unabhängig von Alt-Verbindlichkeiten.
Für die Branche: Der Deal zeigt ein Muster, das auch für andere insolvente Event-Marken im DACH-Raum relevant werden könnte – Markenrettung per Asset-Deal statt Firmenübernahme.
Offene Frage: Ob aus der Rettungsaktion ein dauerhaftes zweites Standbein für Chatarmin wird, bleibt laut Mansbart selbst noch unbeantwortet.
Was übernimmst Du vom bisherigen Team – Michael, Carla, Christoph & Co. – und was änderst Du strukturell, damit sich das Finanzierungsproblem nicht wiederholt?
Johannes Mansbart: Nur Florian Melzer bleibt der New Com erhalten und ist ein unverzichtbarer Partner, mit dem ich binnen Tagen eng zusammengewachsen bin. Alle anderen Teammitglieder haben das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlassen und hatten kein Interesse an einer weiteren Beschäftigung oder Zusammenarbeit. Das respektieren wir und wünschen dem scheidenden Team nur das Allerbeste – und freuen uns auf ihren Besuch.
Ganz ehrlich: Warum tut sich ein SaaS-Gründer wie Du ein physisches Event mit all seinen Fixkosten und dem Risiko an, das gerade erst zum Insolvenzantrag geführt hat?
Johannes Mansbart: Ich denke, die einzig wahre Motivation ist Neugierde und zu schauen, „ob wir es können und schaffen“. Andere Gründe kann es nicht geben.
Der Fall New Com – Fakten im Überblick
Insolvenzverfahren: Amtsgericht München, Az. 1509 IN 3153/26, Antrag vom 21.08.2026 (vorläufiges Verfahren)
Betroffene Gesellschaft: New Com Media GmbH, HRB 291604, München
Finanzierung: Vollständig durch neue Sponsoring-Einnahmen, keine Querfinanzierung durch Chatarmin
Hinweis: Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung befand sich das Insolvenzverfahren gegen die New Com Media GmbH im vorläufigen Stadium. Eine formale Eröffnung war zu diesem Zeitpunkt nicht öffentlich bestätigt.
Was ist Dein persönliches Ziel mit dem Summit – reine Marken-/Leadgen-Spielwiese für Chatarmin, oder siehst Du da ein eigenes Geschäftsfeld entstehen?
Johannes Mansbart: Unser einziger Fokus gilt nun, mit der New Com 2026 das geilste Ecom-Event des Jahres zu veranstalten. Wie es dann weitergeht, werden wir sehen. Erste Partner haben allerdings schon mehrjährige Verträge mit uns abgeschlossen, also ist das der Auftrag, hier etwas Großes entstehen zu lassen.
Heiner Sieger
ist Chefredakteur des e-commere magazins und des Digital Business Magazins.
Bildquelle: WIN-Verlag
Stand: 16.12.2025
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