Interview Peak Management: So bleibt die Logistik auch unter Dauerlast stabil und effizient

Das Gespräch führte Heiner Sieger 4 min Lesedauer

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Peaks sind kein saisonales Phänomen mehr: Der Handel steht ganzjährig unter Volllast. Und Peak Management wird zum Erfolgsfaktor. Gerhard Unterweger von Knapp zeigt Strategien für stabile Systeme.

(Bild:  Knapp)
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DARUM GEHT'S

Peak Seasons: Auslastungsspitzen sind heute kein rein saisonales Phänomen mehr, sondern treten ganzjährig auf, ausgelöst durch klassische Ereignisse wie Black Friday oder Weihnachten, aber auch durch Kampagnen, Sortimentswechsel oder externe Einflüsse wie Social Media.

Automatisierung: Ein zentraler Hebel entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Sie sorgt für planbare Leistung, reduziert Fehler, stabilisiert Durchsatzraten und schafft mehr Transparenz und Steuerbarkeit, gerade in Spitzenzeiten.

Faktor Mensch: Mitarbeiter bleiben in Peaks oft der Engpass. Flexible interne Ressourcennutzung, etwa der temporäre Einsatz von Kollegen aus anderen Unternehmensbereichen im Lager, reduziert Abhängigkeiten von externem Personal und stärkt das Prozessverständnis. Ergonomische Arbeitsplätze und unterstützende Technologien entlasten zusätzlich.

Retouren-Management: Ein „Peak nach dem Peak“ mit Rücksendequoten von 30 bis 50 Prozent in Branchen wie Fashion. Entscheidend ist die Durchlaufzeit: Je schneller Waren geprüft, sortiert und wieder verkaufsfähig sind, desto höher der Wiederverkaufserfolg und desto größer die Kundenzufriedenheit.

Herr Unterweger, haben sich Peak Seasons in der Logistik verändert?

Gerhard Unterweger: Ja, deutlich. Früher konzentrierten sich Peaks primär auf das Herbst- und Weihnachtsgeschäft. Heute sprechen wir von mehreren, teils ganzjährigen Auslastungsspitzen. Neben klassischen Ereignissen wie Black Friday oder Weihnachten entstehen zusätzliche Peaks durch Kampagnen, Sortimentswechsel oder externe Einflüsse wie Social Media, politische Entwicklungen oder globale Störungen.

Gerade in Spitzenzeiten sind Fehler besonders teuer. Automatisierte Prozesse sichern Qualität, während gleichzeitig die Leistungsfähigkeit konstant bleibt. Zusätzlich ermöglichen moderne Systeme eine bessere Transparenz und Steuerbarkeit. 

Gerhard Unterweger, Head of Sales & Business Development Retail bei Knapp

Welche Arten von Peaks lassen sich unterscheiden?

Gerhard Unterweger: Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen planbaren und unvorhersehbaren Peaks. Planbare Peaks sind etwa saisonale Ereignisse oder bekannte Verkaufsaktionen. Diese lassen sich gut vorbereiten, erfordern aber dennoch eine exakte Orchestrierung aller Prozesse und Beteiligten. Schwieriger sind dynamische Peaks, etwa ausgelöst durch Influencer-Kampagnen oder kurzfristige Marktveränderungen, die extreme Nachfrage sprunghaft erzeugen können.

Was bedeutet das für die Intralogistik?

Gerhard Unterweger: Die Anforderungen an Stabilität und Flexibilität sind massiv gestiegen. Eine leistungsfähige Logistik ist heute kein Nebenschauplatz mehr, sondern geschäftskritisch. Unternehmen müssen ihre Systeme so auslegen, dass sie unterschiedliche Lastszenarien zuverlässig abbilden können – vom Regelbetrieb bis zur extremen Spitze.

Welche Rolle spielt Automatisierung dabei?

Gerhard Unterweger: Automatisierung ist ein zentraler Hebel, beginnt aber nicht erst im Lager. Sie muss entlang der gesamten Wertschöpfungskette gedacht werden – von der Produktionsplanung bis zur Zustellung. Entscheidend ist, dass Systeme integriert sind und Informationen effizient fließen. Nur so lassen sich Prozesse skalieren und stabil betreiben. Automatisierung sorgt für planbare Leistung, reduziert Fehler und stabilisiert Durchsatzraten. Gerade in Spitzenzeiten sind Fehler besonders teuer. Automatisierte Prozesse sichern Qualität, während gleichzeitig die Leistungsfähigkeit konstant bleibt. Zusätzlich ermöglichen moderne Systeme eine bessere Transparenz und Steuerbarkeit.

Welche Rolle spielt dabei der Faktor Mensch?

Gerhard Unterweger: Mitarbeiter bleiben zentral. Gerade in Peaks sind sie oft der Engpass, weil zusätzlicher Bedarf entsteht. Ein interessanter Ansatz ist, interne Ressourcen flexibel zu nutzen. Ein Beispiel ist der temporäre Einsatz von Mitarbeitern aus anderen Unternehmensbereichen im Lager. Das reduziert Abhängigkeiten von externem Personal und stärkt gleichzeitig das Verständnis für die Prozesse.

Wie können Mitarbeiter zusätzlich entlastet werden?

Gerhard Unterweger: Durch ergonomische Arbeitsplätze, klare Prozesse und unterstützende Technologien. Automatisierung übernimmt repetitive oder körperlich belastende Tätigkeiten. Gleichzeitig hilft eine gute Systemführung, Fehler zu vermeiden und Mitarbeitern Sicherheit im Prozess zu geben. Das steigert Motivation und Produktivität zugleich.

DER GESPRÄCHSPARTNER

Gerhard Unterweger ist Head of Sales & Business Development Retail bei der Knapp AG.

Peak Management
(Bild: Knapp)

Ein wichtiger Teil der Peak Season ist das Retouren-Management. Was macht hier ein gutes System aus?

Gerhard Unterweger: Retouren sind ein eigener Peak nach dem Peak und ein echter Belastungstest für die Logistik. In Branchen wie Fashion können Rücksendequoten von 30 bis 50 Prozent auftreten, was enorme Anforderungen an Geschwindigkeit und Effizienz stellt.

Ein gutes Retouren-Management zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass Waren schnell geprüft, sortiert und wieder in den Verkaufskreislauf integriert werden. Entscheidend ist die Durchlaufzeit: Je schneller ein Produkt wieder verfügbar ist, desto höher ist die Chance auf Wiederverkauf und desto geringer sind die Kosten. Lange Bearbeitungszeiten führen hingegen zu Wertverlusten, gerade bei schnelllebigen Sortimenten.

Gleichzeitig bringen Retouren eine hohe Komplexität in die Prozesse. Unterschiedliche Artikelzustände, Qualitätsprüfungen und die Rückführung ins Lager erfordern präzise Abläufe. Fehler wirken sich hier besonders negativ aus, weil sie zusätzliche Kosten und Verzögerungen verursachen.

Automatisierung kann dabei erheblich unterstützen. Sie reduziert manuelle Aufwände, beschleunigt die Verarbeitung und sorgt für Transparenz.

Am Ende ist Retouren-Management nicht nur eine operative Notwendigkeit, sondern auch ein entscheidender Faktor für Kundenzufriedenheit. Schnelle Rückerstattungen, transparente Prozesse und eine hohe Produktverfügbarkeit nach Retouren beeinflussen maßgeblich die Kundenbindung – und damit den langfristigen Geschäftserfolg.

Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Erfolgsfaktor für Unternehmen in der Peak Season?

Gerhard Unterweger: Ganz klar: das Zusammenspiel aus Technologie, Prozessen und Organisation. Es reicht nicht, nur zu automatisieren. Entscheidend ist ein ganzheitlicher Ansatz entlang der gesamten Wertschöpfungskette – kombiniert mit einer engen Zusammenarbeit aller Beteiligten. Nur so lassen sich auch extreme Spitzen erfolgreich bewältigen.

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