Die eigene Website ist wichtig, reicht aber nicht. KI-Systeme ziehen ihre Antworten aus vielen Quellen – und manche davon haben mehr Gewicht als andere. Die entscheidende Frage lautet: Welche fünf bis zehn Plattformen zitiert ChatGPT oder Perplexity, wenn jemand nach meiner Produktkategorie fragt?
Ein konkretes Beispiel: Ein Händler für Küchengeräte stellt fest, dass ChatGPT bei Empfehlungen zu Standmixern regelmäßig Testberichte von Stiftung Warentest und Rezensionen von einem bestimmten Food-Blog als Quellen anführt. Dann ist die Aufgabe klar: auf beiden Plattformen mit aktuellen, korrekten Informationen präsent sein.
Wer dort nicht auftaucht, wird von der KI nicht als relevante Marke wahrgenommen – egal wie gut der eigene Shop optimiert ist.
GLOSSAR
GEO (Generative Engine Optimization): Inhalte so aufbereiten, dass KI-Systeme sie als Quelle in ihren Antworten verwenden. Denken Sie an SEO, aber mit dem Ziel, zitiert zu werden, nicht nur gerankt.
E-E-A-T: Googles Bewertungsraster: Erfahrung, Expertise, Autorität, Vertrauenswürdigkeit. Gilt zunehmend auch für die Sichtbarkeit in KI-Antworten.
Zero-Click-Suche: Die KI oder die Suchmaschine beantwortet die Frage direkt, ohne dass der Nutzer eine Website besucht. Die Marke wird vielleicht erwähnt, aber der Klick bleibt aus.
Entitäten: Klar identifizierbare Objekte wie Marken, Produkte, Personen oder Orte. KI-Systeme arbeiten stark mit Entitäten – je eindeutiger Sie Ihre Produkte benennen, desto besser werden sie zugeordnet.
Structured Data / Schema Markup: Maschinenlesbare Auszeichnungen im Quellcode einer Website, die Suchmaschinen und KI-Systemen helfen, Inhalte korrekt zu verstehen.
Vorsicht bei Fake-Testportalen und Bewertungsseiten
Bei Händlern und Herstellern sind manchmal selbst erstellte und betriebene Testportale und Bewertungsseiten beliebt. Sie gaukeln dem Konsumenten neutrale Produkttests vor oder listen unendliche viele positive Bewertungen auf.
KI-Systeme können solche Fake-Bewertungen und gefälschte Testseiten mit Fake-Produkttests meistens erkennen, indem sie Muster analysieren, die für Menschen oft unsichtbar sind. Der Betrugs-Versuch, der bei Konsumenten oft funktioniert, geht bei KI-Systemen meistens nach hinten los.
Warum Fachbeiträge und PR jetzt näher an SEO rücken
Hier kommt ein Aspekt ins Spiel, den viele Händler noch nicht auf dem Schirm haben: Erwähnungen der eigenen Marke in Fachartikeln, Studien oder Experten-Interviews wirken sich zunehmend auf die KI-Sichtbarkeit aus – auch ohne klassischen Backlink.
Wenn ein Branchenmagazin über nachhaltige Verpackungslösungen schreibt und dabei den Händler X als Praxisbeispiel erwähnt, registrieren KI-Systeme diese Erwähnung als Relevanz- und Vertrauenssignal. Je häufiger eine Marke in hochwertigen Kontexten auftaucht, desto wahrscheinlicher wird sie als Quelle zitiert.
Das bedeutet konkret: Content-Erstellung und Fachkommunikation sollten nicht mehr getrennt gedacht werden. Wer einen fundierten Gastartikel in einem Fachmedium veröffentlicht, eine Studie zu einem branchenrelevanten Thema beiträgt oder als Experte in einem Podcast auftritt, stärkt nicht nur die eigene Marke bei der Zielgruppe – sondern auch die Sichtbarkeit in den Antworten von KI-Systemen.
Ein praktischer Ansatz: Starten Sie damit, drei bis fünf Themen zu identifizieren, bei denen Ihr Unternehmen echte Expertise hat. Dann prüfen Sie, welche Fachmedien, Blogs oder Plattformen für diese Themen als KI-Quellen relevant sind. Und dann platzieren Sie dort Inhalte – nicht als Werbung, sondern als echten Wissensbeitrag.
Dieser Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit, denn er betrifft eine Schwäche, die viele Shops teilen: austauschbare Ratgebertexte.
Wer „Die 10 besten Kaffeemaschinen 2026“ schreibt und dabei dieselben Informationen zusammenfasst, die zwanzig andere Seiten auch haben, produziert Content, der für KI-Systeme kaum Mehrwert bietet. Große Sprachmodelle bilden den statistischen Durchschnitt der vorhandenen Inhalte ab. Wer genau diesen Durchschnitt schreibt, geht im Rauschen unter.
Was stattdessen funktioniert? Inhalte mit eigener Perspektive, mit Praxiserfahrung, mit einer Haltung.
Ein Beispiel: Ein Fachhändler für Büromöbel, der nicht einfach Schreibtische vergleicht, sondern aus der Beratungspraxis berichtet: „80 Prozent unserer Kunden unterschätzen die Tischtiefe. Wer regelmäßig mit zwei Monitoren arbeitet, braucht mindestens 80 cm und die meisten populären Modelle liefern nur 60.“ Das ist eine Information, die ChatGPT nirgendwo anders findet. Und genau solche Inhalte werden zitiert.
Der Schlüssel ist also nicht mehr Volumen, sondern Profil. Weniger Texte, dafür solche, die einen Unterschied machen.
Fazit KI-Kaufberatung: Jetzt die Grundlagen schaffen
Die Studienlage ist eindeutig: Die Recherche hat sich bereits verschoben, das Vertrauen in KI-Empfehlungen wächst, und die Shortlists werden kürzer. Wer als Händler wartet, bis der KI-Check-out flächendeckend funktioniert, verpasst die Phase, in der sich entscheidet, wer überhaupt noch empfohlen wird.
Die gute Nachricht: Die Maßnahmen sind keine Raketenwissenschaft. Produktdaten sauber halten, Content mit Substanz und eigener Perspektive schreiben, in den relevanten Drittquellen präsent sein und die eigene Expertise sichtbar machen. Das meiste davon ist solides Handwerk – mit neuer Wirkung.
Stand: 16.12.2025
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Mein Vorschlag für den Anfang: Nehmen Sie sich zwei Wochen Zeit und testen Sie, was ChatGPT, Gemini und Perplexity über Ihre wichtigsten Produktkategorien sagen:
Wo taucht Ihre Marke auf?
Wo nicht?
Welche Quellen werden zitiert?
Die Antworten auf diese drei Fragen sind der beste Startpunkt.
Frank Bärmann ist PR-Berater, GEO-Experte und freier Journalist mit über 28 Jahren Erfahrung in Kommunikation und strategischer Pressearbeit. Er ist Inhaber der Sichtbarkeitsagentur Conpublica.