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Logistik bei Otto: „Synchronisation wird wichtiger als Geschwindigkeit“

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Software und physische Logik, Resilienz

Wie gelingt die Verzahnung von Software und physischer Logistik?

Martin Umland: Die Grenze zwischen digitaler und physischer Welt verschwindet zunehmend. Moderne Lagertechnik, Robotik, Transportsteuerung und digitale Plattformen erzeugen permanent Daten. Der entscheidende Erfolgsfaktor ist dabei nicht die einzelne Technologie, sondern die Fähigkeit, alle Informationen in einem gemeinsamen Steuerungssystem zusammenzuführen. Unsere Kooperation mit Nvidia geht genau in die Richtung der Vernetzung von Warehouse-Prozessen in einem digital Twin und die koordinierte Robotersteuerung – Stichwort „Physical AI“, also künstliche Intelligenz, die nicht nur Daten verarbeitet, sondern in der physischen Welt agiert, lernt und entscheidet. Gerade in Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft entscheidet nicht die Stärke einzelner Komponenten, sondern das Zusammenspiel des Gesamtsystems. Synchronisation wird wichtiger als Geschwindigkeit.

Welche Rolle spielt KI heute und künftig?

Martin Umland: KI entwickelt sich vom Analysewerkzeug zum Entscheidungspartner. Schon heute unterstützt sie dabei, Muster zu erkennen, Prognosen zu verbessern und operative Entscheidungen vorzubereiten. Künftig wird sie viele Routineentscheidungen eigenständig treffen. Die Grenze sehe ich dort, wo Zielkonflikte entstehen oder grundsätzliche Prioritäten festgelegt werden müssen. KI kann Empfehlungen geben, Verantwortung bleibt jedoch eine menschliche Aufgabe.

Wie resilient muss eine moderne Supply Chain sein?

Martin Umland: Früher wurde Resilienz häufig mit Sicherheitsbeständen gleichgesetzt. Heute bedeutet Resilienz vor allem Anpassungsfähigkeit. Geopolitische Veränderungen, Lieferengpässe oder Nachfrageverschiebungen werden nicht verschwinden. Deshalb kommt es darauf an, Veränderungen früh zu erkennen und schnell reagieren zu können. Die erfolgreichsten Lieferketten der Zukunft werden nicht unbedingt die effizientesten sein, sondern die lernfähigsten. Daten und KI helfen dabei, Risiken früher sichtbar zu machen und Handlungsoptionen schneller abzuleiten.

Welche drei Ratschläge geben Sie anderen Handels- und Logistikentscheidern mit?

Martin Umland: Gerne diese hier: 

  • 1. Denken Sie in Wertströmen statt in Funktionen. Die Magie entsteht zwischen den Silos.
  • 2. Machen Sie Daten zur gemeinsamen Sprache Ihres Unternehmens. Ohne ein gemeinsames Verständnis von Fakten wird keine autonome Steuerung möglich sein.
  • 3. Nutzen Sie KI als Verstärker menschlicher Fähigkeiten. Nicht jede Entscheidung muss automatisiert werden, aber jede Entscheidung sollte besser werden können.

Erlauben Sie mir noch einen Persönlichen Schlusssatz: Die Zukunft der Supply Chain wird nicht durch einzelne Technologien entschieden. Sie wird durch die Fähigkeit entschieden, Menschen, Daten und Prozesse zu einem lernenden Gesamtsystem zu verbinden. Wer das schafft, wird auch in einer zunehmend volatilen Welt erfolgreich sein.

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