Nachhaltigkeit

Experten-Talk: Re-Commerce & Refurbishment – neue Anforderungen an Logistik-Immobilien

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Logivest & P3 Logistic Parks

Kuno Neumeier – CEO der Logivest Gruppe 

Die Anforderungen an Logistik-Immobilien für Refurbishment unterscheiden sich nicht wesentlich von denen für andere Nutzungen. Für die Abwicklung des Retouren- und Aufbereitungsprozesses besteht allerdings ein hoher Flächenbedarf. Denn der Prozess umfasst verschiedene Arbeitsschritte von der Annahme, Prüfung und Sortierung über die Aufbereitung inklusive Reinigung und gegebenenfalls Reparatur bis hin zur Neuverpackung. Zudem ist der Ablauf oft zeitkritisch, weil das Produkt schnellstmöglich wieder zum Versand bereitgestellt werden soll. Die Lagerung der aufbereiteten Ware wird deshalb oft flexibel gehandhabt.

Kuno Neumeier, CEO der Logivest Gruppe.(Bild:  Logivest Gruppe)
Kuno Neumeier, CEO der Logivest Gruppe.
(Bild: Logivest Gruppe)

Viele manuelle Arbeitsschritte: Ein Unterschied in der Logistik des Refurbishments aus der Perspektive von Logivest ist, dass viele der Arbeitsschritte noch manuell ablaufen, da die Möglichkeiten zur Automatisierung von Kontrolle und Reparatur für viele Produkte aktuell begrenzt sind. Das Refurbishment von technischen Geräten ist besonders aufwendig, denn eine äußere Kontrolle reicht bei ihnen nicht aus, es müssen auch ihre Systeme gewartet werden.

Derzeit beobachten wir auch noch keine gesteigerte Nachfrage nach Flächen für Refurbishment. Wir erwarten jedoch, dass dies früher oder später eintreten wird. Denn die zunehmende Ansiedlung von chinesischen Unternehmen wie Temu, Shein und anderen Verkaufsplattformen in der EU und Deutschland, stellt diese Unternehmen vor die Frage, wie sie die Rücksendungen operativ bewältigen wollen. In der EU werden sie in Zukunft gegebenenfalls dazu verpflichtet sein, Refurbishment zu betreiben und über entsprechende Flächen zu verfügen. Die Frage ist, ob diese Plattformen rechtzeitig auf derartige Anforderungen reagieren können. 

Sönke Kewitz – Geschäftsführer P3 Logistics Parks Deutschland

Re-Commerce verändert die Anforderungen an Logistikimmobilien grundlegend. Wer gebrauchte Waren professionell aufbereitet und wieder in den Verkehr bringt, benötigt deutlich mehr als klassische Lagerfläche. Im Mittelpunkt steht daher Flächenflexibilität. Eingehende Ware muss zunächst geprüft, sortiert und bewertet werden, bevor sie in unterschiedliche Aufbereitungsprozesse fließt. Das erfordert klar getrennte Zonen für Warenannahme, Qualitätskontrolle, Refurbishment und Versand. Und diese Abläufe verlangen großzügige, gut strukturierte Hallen-Layouts.

Sönke Kewitz, Geschäftsführer P3 Logistic Parks Deutschland.(Bild:  P3 Logistic Parks)
Sönke Kewitz, Geschäftsführer P3 Logistic Parks Deutschland.
(Bild: P3 Logistic Parks)

Gebäudestandards und Nachhaltigkeitszertifizierungen: Hinzu kommen technische Anforderungen, die über das übliche Maß hinausgehen. Für die Aufbereitung von Elektronik sind eine stabile Stromversorgung sowie geeignete Sicherheitsvorkehrungen erforderlich. Darüber hinaus müssen die Hallen Anforderungen an den Gewässerschutz erfüllen, etwa für den sicheren Umgang mit Batterien und anderen wassergefährdenden Stoffen. Gleichzeitig gewinnen nachhaltige Gebäudestandards und Nachhaltigkeitszertifizierungen an Bedeutung, denn Re-Commerce positioniert sich als grünes Geschäftsmodell und das sollte sich auch in der Immobilie widerspiegeln.

Standort und Anbindung spielen mittlerweile ebenfalls eine größere Rolle. Rückläufer kommen aus vielen Kanälen und aufbereitete Produkte gehen schnell zurück in den Markt. Kurze Wege zu Ballungszentren und leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur sind daher keine Kür, sondern Pflicht.

Bei P3 sehen wir, dass diese Nutzer individuelle Hallenkonzepte benötigen. Standardlösungen stoßen schnell an ihre Grenzen. Wer im Re-Commerce wächst, braucht also einen Immobilienpartner, der mitdenkt und Flächen aktiv mitgestaltet.

Konstantin Pfliegl
ist leitender Redakteur für das e-commerce magazin und das DIGITAL BUSINESS Magazin. Er verfügt über mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung als Journalist für verschiedene Print- und Online-Medien.

Bildquelle: Foto Marquart, Tutzing

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