Nachhaltigkeit Experten-Talk: Re-Commerce & Refurbishment – neue Anforderungen an Logistik-Immobilien

Von Konstantin Pfliegl 5 min Lesedauer

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Re-Commerce und Refurbishment werden im Onlinehandel immer wichtiger. Damit ändern sich auch die Anforderung an die Logistik. Das e-commerce magazin fragt bei Experten nach: Welche Immobilien-Anforderungen entstehen für Händler, die gebrauchte Ware aufbereiten und wieder verkaufen?

(Bild:  © Rizqi/stock.adobe.com)
(Bild: © Rizqi/stock.adobe.com)

Re-Commerce (Reverse Commerce, An- und Verkauf gebrauchter Produkte) und Refurbishment (Wiederaufbereitung gebrauchter Waren) gewinnen in unserer heutigen Wirtschaft zunehmend an Bedeutung – aus ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Gründen. Durch die Verlängerung der Produktlebensdauer werden Ressourcen geschont, weniger Elektroschrott produziert und CO2-Emissionen reduziert. Statt Wegwerf-Mentalität steht die Kreislaufwirtschaft (Circular Economy) im Mittelpunkt.

Re-Commerce und Refurbishment sind weit mehr als ein Trend: Sie sind zentrale Bausteine einer nachhaltigen Zukunft. Doch auch die Logistik muss hierfür ausgelegt sein. Das e-commerce magazin fragt daher bei Experten nach: „Re-Commerce & Refurbishment boomen: Welche neuen Immobilien-Anforderungen entstehen für Händler, die gebrauchte Ware aufbereiten und wieder verkaufen?“

Bernd Jungholt – Geschäftsführer Bremer Projektentwicklung

Während E-Commerce-Versandlager sich in der Regel durch große und hohe Hallen sowie automatisierte Prozesse für eine hochvolumige Abwicklung auszeichnen, steht bei Immobilien für das Retouren-Management die manuelle Bearbeitung der Rückläufer im Mittelpunkt.

Bernd Jungholt, Geschäftsführer Bremer Projektentwicklung.(Bild:  Bremer Projektentwicklung)
Bernd Jungholt, Geschäftsführer Bremer Projektentwicklung.
(Bild: Bremer Projektentwicklung)

Zwar sind auch hier ausreichend Überladebrücken und Sektionaltore für die Anlieferung erforderlich, der Fokus liegt jedoch klar auf großzügigen und funktionalen Flächen im Inneren. Für die Prüfung, Aufbereitung und das Umpacken der Ware werden Bereiche benötigt, die eher Werkstatt- oder Produktionsflächen ähneln.

Light-Industrial-Immobilien: Da diese Flächen zumeist als dauerhafte Arbeitsplätze dienen, steigen die Anforderungen entsprechend: Gute Lichtverhältnisse, ein angenehmes Raumklima sowie effiziente Beheizung und funktionierende Luftzirkulation werden benötigt.   In der Praxis haben sich insbesondere flexibel nutzbare Light-Industrial-Immobilien als optimal erwiesen. Sie erfüllen sowohl die Anforderungen produzierender Unternehmen ebenso wie logistischer Nutzungen.

Diese Flexibilität ermöglicht es den Versandhändlern, sich auch kurzfristig auf saisonale Spitzen, etwa nach dem Weihnachtsgeschäft oder bei Kollektionswechseln im Fashion-Bereich, vorzubereiten.   Hinzu kommt der Standortfaktor. Gute Verkehrsanbindung und eine hohe Erreichbarkeit für Arbeitskräfte über den ÖPNV sind typisch für Light-Industrial-Immobilien.

Christian Kah – Geschäftsführer sowie Head of Industrial & Logistics Germany bei Colliers

Der E-Commerce steht inzwischen für knapp 14 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes. Mit seinem Wachstum verändern sich auch die Anforderungen an Logistikimmobilien. Gleichzeitig erreichen die Retouren-Qquoten in einzelnen Segmenten bis zu 50 Prozent. Hinzu  kommen ein steigendes Nachhaltigkeitsbewusstsein der Verbraucher sowie ESG-Vorgaben, die Unternehmen zum Aufbau von Rücknahme- und Wiederverwertungssystemen verpflichten. Die Retoure entwickelt sich damit vom Kostenfaktor zu einer eigenständigen Wertschöpfungsstufe.

Christian Kah, Geschäftsführer sowie Head of Industrial & Logistics Germany bei Colliers.(Bild:  Colliers)
Christian Kah, Geschäftsführer sowie Head of Industrial & Logistics Germany bei Colliers.
(Bild: Colliers)

Flexible Immobilien: Entsprechend verändern sich auch die Flächenanforderungen. Neben der klassischen  Distribution werden Bereiche für Sortierung, Prüfung, Reinigung, Reparatur und  Neuverpackung benötigt. Gefragt sind daher flexible Immobilien mit größeren Flächentiefen,  einer leistungsfähigen technischen Ausstattung (höhere Stromkapazitäten) und einem  ausreichenden Arbeitskräftepotenzial im Umfeld. Die Nähe zu Arbeitskräften wird damit zu  einem wichtigen Standortfaktor. Besonders profitieren dürften Light-Industrial-Immobilien und kleinteilige Last-Mile-Immobilien.

Refurbishment ist näher an einer produktionsähnlichen Nutzung als an klassischer Lagerhaltung und erfordert werkstattähnliche Flächen mit höheren Stromkapazitäten sowie flexiblen Nutzungsmöglichkeiten. Gleichzeitig erwarten wir eine stärkere Dezentralisierung  der Netzwerke. Regionale Hubs für die Rücknahme und Wiederaufbereitung können Transportwege verkürzen und Kosten senken, wodurch insbesondere kleinere, citynahe  Logistikstandorte an Bedeutung gewinnen. Aufgrund der Preissensibilität der Nutzer werden  auch B-Lagen an Attraktivität gewinnen. Den Trend erkennen wir bereits heute. Bei den Neuanmietungen spiegelt er sich bislang  jedoch kaum wider. Wir gehen davon aus, dass große E-Commerce-Unternehmen ihre  bestehenden Logistikflächen zunächst anpassen und für diese neuen  Wertschöpfungsprozesse weiterentwickeln, bevor zusätzlicher Flächenbedarf entsteht.

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