Handelsverband Deutschland (HDE) Temu & Shein schaden der deutschen Wirtschaft 2,4 Milliarden Euro pro Jahr

Verantwortliche:r Redakteur:in: Konstantin Pfliegl 3 min Lesedauer

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Die Online-Plattformen Temu und Shein liefern täglich 460.000 Pakete nach Deutschland – und kosten der deutschen Wirtschaft 2,4 Milliarden Euro pro Jahr, so der Handelsverband Deutschland.

(Bild:  © Ascannio/stock.adobe.com)
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Asiatische Shopping-Plattformen boomen – und der europäische E-Commerce ächzt unter der Konkurrenz aus Fernost. Vor allem die Online-Plattformen Temu und Shein machen dem E-Commerce in Deutschland das Leben schwer: „Die beiden Unternehmen verstoßen gegen zahlreiche EU-Regeln. Am Ende steht damit ein unfairer Wettbewerb, gegen den Händler aus der EU keine Chance haben“, so der Handelsverband Deutschland (HDE).

Die Studie „Temu und Shein – Impact auf die deutsche Wirtschaft“ im Auftrag des HDE kommt zu dem Ergebnis, dass durch die 460.000 Pakete, welche die beiden chinesischen Plattformen täglich nach Deutschland senden, der deutschen Wirtschaft jährlich 2,4 Milliarden Euro Wertschöpfung verloren gehen. Davon gehen  1,3 Milliarden Euro allein im Einzelhandel verloren.

„Die Lage ist eindeutig. Die Politik hat bei dem Thema trotz großer Versprechungen noch immer nicht geliefert“, warnt HDE-Präsident Alexander von Preen. Temu und Shein würden sich oft nicht an die rechtlichen und regulatorischen Vorgaben halten, unsichere Ware in unseren Markt liefern, die mitunter gesundheitsgefährdend sei, und bringe viele heimische Händler an den Rand des Ruins.

Die Missstände hinterlassen laut Alexander von Preen deutliche Spuren: Insgesamt entgingen Bund, Ländern und Kommunen durch Temu und Shein nach der aktuellen Studie 429 Millionen Euro Steuereinnahmen pro Jahr. Darüber hinaus würden durch den unfairen Wettbewerb über 40.000 Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen, davon 28.300 Arbeitsplätze allein im Einzelhandel.

Temu und Shein: Die EU greift dem E-Commerce unter die Arme

Die Politik hat das Problem langsam erkannt und die EU-Zollfreigrenze für Pakete mit einem Wert unter 150 Euro abgeschafft. Die 150-Euro-Zollfreigrenze fällt laut dem Beschluss der EU-Finanzminister mit der Inbetriebnahme des sogenannten EU-Daten-Hub – eine geplante zentrale Plattform der EU für die Zusammenarbeit mit den Zollbehörden. Das soll aber erst Jahr 2028 der Fall sein.

Ein Termin, den der eine oder andere Onlinehändler in Europa und Deutschland womöglich nicht mehr erleben dürfte, weil ihn die Konkurrenz aus Asien schon plattgemacht hat. Das fürchten wohl auch die EU-Kommission und die Mitgliedsstaaten und legten nach: Ab Juli dieses Jahres wird in der EU ein Zollsatz von 3 Euro pro Sendung auf E-Commerce-Pakete mit einem Wert von weniger als 150 Euro eingeführt.

Der Handelsverband Deutschland fordert von der Politik weiteres rasches Handeln: „Die aktuellen Daten machen die Dramatik der Lage deutlich: Die massenhaften Regelverstöße von Temu und Shein schädigen den Einzelhandel und die gesamte deutsche Wirtschaft in großem Umfang. Wenn die Politik nach Jahren des Zuschauens hier nicht endlich massiv und spürbar tätig wird, dann sehe ich schwarz für den Standort Deutschland“, so von Preen weiter. Wenn sonst nichts helfe, dann müsse bei solch massiven Regelverstößen der Stecker gezogen werden. Wettbewerb sei gut, aber er müsse fair sein.

Der HDE fordert den Zoll auf, ähnlich wie in Frankreich bei der Einfuhr der Pakete mit massiven Schwerpunktkontrollen deutliche Signale zu setzen und den Kontrolldruck zu erhöhen. Darüber hinaus erneuert der Verband seine Forderung, dass jeder Händler und jede Plattform aus Drittstaaten einen solventen und in der Praxis erreichbaren Repräsentanten innerhalb der EU haben muss – damit bei Verstößen Sanktionen durchgesetzt und rechtskonformes Verhalten sichergestellt werden kann.

Nichtsdestotrotz entsteht mit den asiatischen Plattformen auch ein neues Reichweitepotenzial für den europäischen E-Commerce. Ein Onlinehändler aus Deutschland, der seit März 2025 den Marktplatz Temu als zusätzlichen Verkaufskanal nutzt, ist PremiumXL. Der Online-Möbelhändler hat seitdem rund 30.000 Bestellungen über den asiatischen Marktplatz abgewickelt und einen siebenstelligen Umsatz generiert. 

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