E-Commerce von morgen

Marktplätze: Technologie ist schnell, Vertrauen ist langsam

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Agentic Commerce, Human in the Loop und digitale Souveränität

Sie waren kürzlich auf der größten Agentic-AI-Konferenz in New York. Was haben Sie mitgenommen?

Bartosz Skwarczek: 2.500 Teilnehmer waren, knapp drei Wochen ist es her. Mein erster Eindruck: Es ist wie ein Goldrausch. Hunderte Gründer, CEOs, Top-Executives – alle bauen agentische KI. Das ist nicht mehr aufzuhalten, zu viele Menschen wollen es. Beeindruckend war der CEO von Thomson Reuters: Sie haben 2.400 Journalisten, aber das ist nur fünf Prozent des Geschäfts. 95 Prozent sind Legal und Tax. Dort bauen sie jetzt agentische KI, die das Wissen ihrer Senior-Anwälte extrahiert. Ein Junior plus KI schafft heute 80 Prozent der Verifizierungsarbeit, der Senior macht nur noch die letzten 20 Prozent. Das verändert ganze Berufsbilder – schneller, günstiger, effektiver.

Haben Sie noch weitere Take-Aways mitgenommen?

Bartosz Skwarczek: Eindeutig „Human in the loop." Zwei Tage lang, in jedem einzelnen Panel, war das das zentrale Gesprächsthema. Warum? Weil der Mensch nach wie vor das Vertrauen trägt. Technologie entwickelt sich extrem schnell, aber Vertrauen wächst langsam. Es ist viel einfacher, Technologie zu bauen als Trust aufzubauen. Der CEO von Akamai sagte etwas Bemerkenswertes: „Nutze KI nur dann, wenn nichts anderes funktioniert." Akamai liefert 99,99 Prozent Genauigkeit. KI ist davon noch weit entfernt. Aber wenn sie dort ankommt – dann wird es eine gewaltige Veränderung geben. Aktuell sind viele klassische Prozesse schlicht zuverlässiger als KI.

Wie wichtig wird Vertrauen im Zeitalter von Agentic Commerce?

Bartosz Skwarczek: Ohne Vertrauen gibt es keine Transaktion. Bei der Discovery-Phase ist eine Halluzination der KI noch verzeihbar – man kann nachprüfen, korrigieren. Aber wenn der Agent eigenständig kauft, wird Trust zur absoluten Voraussetzung. Heute haben wir noch keine Welt, in der Agenten an Agenten verkaufen. Es sind Menschen, die kaufen und verkaufen, unterstützt von KI-Tools. Aber meine klare Überzeugung: Marktplätze, die in fünf, spätestens zehn Jahren keine KI-Strategie haben, sind bankrott. So einfach ist das. Die Konsumenten sind offen für KI-gestützte Suche und Personalisierung – aber bei agentischem Einkauf bleiben sie noch vorsichtig. Das ist eine natürliche Phase. Jede transformative Technologie braucht Zeit, um Vertrauen aufzubauen.

Was bedeutet das konkret für G2A.com?

Bartosz Skwarczek: Wir sind heute der weltweit größte Marktplatz für digitale Unterhaltung – 35 Millionen Kunden in 180 Ländern, 150 Millionen Transaktionen. Gaming bleibt unsere Wurzel, aber 40 Prozent unseres Geschäfts sind heute schon kein Gaming mehr: digitale Abos, Geschenkkarten, jede Art von digitalem Content. Wir müssen diese Verbreiterung mit derselben Sorgfalt absichern wie unser Kerngeschäft. Anti-Fraud-Engines, Cybersecurity-Layer – das sind Millioneninvestitionen, Jahr für Jahr.

Stichwort digitale Souveränität – ein heißes Thema in Europa. Wie souverän ist G2A.com?

Bartosz Skwarczek: G2A wurde in Polen geboren, und darauf sind wir sehr stolz. Polen hat einen erstaunlichen Unternehmergeist – im jüngsten EU-Report ist Polen die am schnellsten wachsende große Volkswirtschaft Europas. Die Holding sitzt heute in den Niederlanden, weil wir von Anfang an global gedacht haben. Wir haben seit über zehn Jahren ein Büro in Hongkong, Mitarbeiter aus rund 50 Nationen – von Indonesien bis Portugal. Aber die entscheidende Frage ist nicht, wo die Firma sitzt, sondern wo die Daten liegen. Das ist ein Punkt, den die gesamte europäische Industrie ernster nehmen muss.

Ihre Vision für die nächsten Jahre?

Bartosz Skwarczek: Das Internet wurde ursprünglich auf den Ideen von Offenheit und Zugänglichkeit gebaut. Diese Werte zu bewahren, wird unsere größte Aufgabe. Ich bin überzeugt: Die Zukunft des Digital Commerce gehört nicht den schnellsten oder technologisch fortschrittlichsten Unternehmen. Sie gehört den vertrauenswürdigsten. Wer Innovation mit Transparenz, Technologie mit Verantwortung und Skalierung mit echter Sorge für den Nutzer verbindet, der gewinnt. Vertrauen ist kein Add-on des E-Commerce – es ist sein Fundament.

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