Die Shop App soll mehr können als Bestellungen verfolgen: Shopify baut sie für Produktsuche, Einkauf und Kundenbindung aus. Pia Schratzenstaller erklärt, wie Payment und KI-Assistenten die Commerce-Infrastruktur verändern.
Schratzenstaller beschreibt Shop als zusätzlichen Berührungspunkt zwischen Kunden und Marken – nicht als Marktplatz oder Amazon-Kopie.
Sie spricht über dialogorientierte Produktsuche, Shop Pay und die Rolle strukturierter Produktdaten im Agentic Commerce.
Das Interview beleuchtet, wie Händler ihre Angebote über verschiedene digitale Kanäle verfügbar machen können.
Außerdem geht es um Shop Campaigns und den Ausbau des Angebots in Deutschland.
Shopify gibt Händlerinnen und Händlern die Infrastruktur, um ihr Unternehmen überall dort aufzubauen und weiterzuentwickeln, wo Handel stattfindet. Shop ist ein Teil dieses umfassenderen Systems: Kundinnen und Kunden können dort Produkte und Shops entdecken, Marken folgen, Favoriten speichern, einkaufen und ihre Bestellungen verfolgen. Händler können selbst gestalten, wie ihre Marke in Shop präsentiert wird, Shoppable Content veröffentlichen und ihre Produktseiten individuell anreichern.
Shop erweitert damit die Präsenz eines Händlers entlang der gesamten Customer Journey – von der Entdeckung über den Kauf bis nach der Bestellung. Shop ist kein Marktplatz und auch kein Versuch, Amazon nachzubauen. Die eigentliche Geschichte ist, dass ein seit Langem bestehendes Angebot kontinuierlich vielseitiger und nützlicher wird – nicht die Eröffnung eines neuen Wettbewerbs.
Grundsätzlich entwickelt sich Payments von einem technischen Schritt am Ende des Checkouts zu einem zentralen Bestandteil der gesamten Commerce-Infrastruktur. Zahlungen müssen künftig eng mit Identität, Betrugserkennung, lokalen Zahlungspräferenzen, Steuern, Währungen und den operativen Abläufen eines Händlers zusammenspielen.
Pia Schratzenstaller, Head of Communication EMEA bei Shopify
In der Spring '26 Edition hat Shopify eine Funktion angekündigt, mit der sich Produkte künftig direkt in Unterhaltungen der Shop App entdecken, vergleichen und recherchieren lassen. Können Sie uns dazu den aktuellen Stand einordnen – ist das inzwischen ausgerollt, und was hat sich seit der Ankündigung im Juni konkret getan?
Pia Schratzenstaller: Die konkrete Entwicklung seit der Ankündigung im Juni ist der Rollout der dialogorientierten Suche. Die in der Spring ’26 Edition angekündigte Funktion ist inzwischen auch in Deutschland verfügbar. So können Nutzerinnen und Nutzer Produkte direkt im Gespräch entdecken, vergleichen und näher recherchieren. Dabei können sie ihr konkretes Bedürfnis in eigenen Worten beschreiben, anstatt nur nach Produktnamen oder Kategorien zu suchen.
Shop Pay bietet in Deutschland bislang nur Kartenzahlung – Klarna, PayPal oder Ratenzahlung fehlen im beschleunigten Checkout, obwohl Klarna hierzulande extrem verbreitet ist. Beim Thema Payment bewegt sich gerade einiges bei Shopify. Können Sie uns schon sagen, in welche Richtung das geht?
Pia Schratzenstaller: Zunächst ist es wichtig, zwischen Shopify Payments und Shop Pay zu unterscheiden. Shopify Payments ist unsere vollständig in Shopify integrierte Zahlungsinfrastruktur. Händler können Zahlungen und Bestellungen zentral im Shopify-Admin verwalten und profitieren unter anderem von integrierter Betrugserkennung, Verschlüsselung und 3D Secure.
Shop Pay ist der beschleunigte Checkout. In Deutschland sind innerhalb von Shop Pay derzeit ausschließlich Kartenzahlungen verfügbar. Klarna, PayPal und Google Pay können aktuell nicht direkt innerhalb von Shop Pay genutzt werden. Wenn Händler diese Zahlungsarten aktiviert haben, können Kundinnen und Kunden sie jedoch weiterhin im regulären Checkout auswählen.
Zur Entwicklung von Payments: Grundsätzlich entwickelt sich Payments von einem technischen Schritt am Ende des Checkouts zu einem zentralen Bestandteil der gesamten Commerce-Infrastruktur. Zahlungen müssen künftig eng mit Identität, Betrugserkennung, lokalen Zahlungspräferenzen, Steuern, Währungen und den operativen Abläufen eines Händlers zusammenspielen. Das gilt über den Onlineshop hinaus – im stationären Handel, im B2B-Geschäft, beim internationalen Verkauf und zunehmend auch in KI-gestützten und agentischen Einkaufserlebnissen.
Gerade in Europa ist lokale Relevanz entscheidend: Eine Zahlungsart, die in einem Land Vertrauen schafft, kann in einem anderen kaum eine Rolle spielen. Die Richtung ist eine zentrale Infrastruktur, die globale Skalierung ermöglicht und zugleich lokale Währungen, Zahlungsmethoden, regulatorische Anforderungen und Auszahlungslogiken berücksichtigt.
Mit der zunehmenden Anzahl neuer Verkaufskanäle wird außerdem entscheidend, dass die Regeln zuverlässig mitwandern: Produkt- und Bestandsdaten, Checkout-Logik, Zahlungspräferenzen, Steuern und Fulfillment müssen unabhängig davon funktionieren, ob ein Kauf im Onlineshop, in einer App, im stationären Geschäft oder künftig über einen KI-Assistenten beginnt. Unser Ziel ist es, diese Komplexität im Hintergrund zu lösen, damit Händler sich auf ihre Produkte, ihre Marke und ihre Kunden konzentrieren können.
Shopify Payments ist in Deutschland verfügbar und unterstützt Kredit- und Debitkarten von American Express, Maestro, Mastercard, UnionPay und Visa. Hinzu kommen die beschleunigten Bezahloptionen Apple Pay, Google Pay und Shop Pay sowie lokale Zahlungsmethoden. Dazu zählt in Deutschland insbesondere Klarna. Abhängig vom Standort können Händler außerdem beispielsweise Bancontact, BLIK, EPS, iDEAL beziehungsweise MobilePay, Przelewy24, Satispay oder TWINT anbieten. Weitere Anbieter wie PayPal können separat im regulären Shopify Checkout aktiviert werden.
Shop Pay ist unser beschleunigter Checkout. Konsument können Zahlungs- und Lieferinformationen sicher hinterlegen und diese bei teilnehmenden Shopify-Händlern wiederverwenden. Dadurch müssen sie ihre Daten nicht bei jedem Kauf erneut eingeben. Das verkürzt den Prozess und macht den Checkout schnell und bequem.
Wenn Ratenzahlung oder Klarna tatsächlich in Shop Pay integriert würden – wäre das ein Nischen-Update oder ein echter Wachstumshebel für den deutschen Markt?
Pia Schratzenstaller: Grundsätzlich sind lokale Zahlungspräferenzen in Deutschland alles andere als ein Nischenthema. Zahlungsmethoden sind ein wichtiger Teil der Customer Experience und können beeinflussen, ob Kundinnen und Kunden einem Checkout vertrauen und ihren Kauf abschließen. Klarna ist für Händler in Deutschland bereits als lokale Zahlungsmethode über Shopify Payments im regulären Checkout verfügbar. Innerhalb von Shop Pay stehen in Deutschland derzeit Kartenzahlungen zur Verfügung. Shop Pay Installments ist ein separates Angebot, das aktuell in den USA, Kanada und Großbritannien verfügbar ist.
Eine einzelne Zahlungsmethode kann für bestimmte Händler durchaus wichtig sein. Der größere Hebel liegt darin, dass Händler ihren Kunden die jeweils relevanten Zahlungsarten anbieten können, ohne für jeden Markt eigene Systeme und Integrationen aufbauen zu müssen. Je besser lokale Zahlungsmethoden mit einem schnellen Checkout, Identität, Betrugserkennung und den übrigen Commerce-Prozessen zusammenspielen, desto weniger Reibung entsteht für Kunden und Händler.
DIE GESPRÄCHSPARTNERIN
Pia Schratzenstaller verantwortet als Head of Communication die Kommunikation von Shopify in der EMEA-Region.
(Bild: Shopify)
Shopify positioniert die Shop App zunehmend als Gegenmodell zu Amazon: keine eigene Ware, aber ein gemeinsamer Auftritt unabhängiger Händler mit geteilter Discovery- und Checkout-Infrastruktur. Ist das eine bewusste Kampfansage an Amazon – oder würden Sie das nicht so zuspitzen wollen?
Pia Schratzenstaller: Nein, Shop ist weder als Kampfansage an Amazon gedacht, noch würden wir Shop als Gegenmodell zu Amazon beschreiben. Shop ist kein Marktplatz, sondern eine Shopping Experience, die Käufer dabei unterstützt, Produkte und Marken zu entdecken, einzukaufen und ihre Bestellungen zu verfolgen. Discovery, ein schneller Checkout und die Begleitung nach dem Kauf gehören seit dem Start von Shop im April 2020 zum grundlegenden Konzept.
Im Zentrum von Shop stehen die Marken und Händler auf Shopify. Sie können ihren eigenen Shop in der App gestalten, Produktseiten mit eigenen Inhalten anreichern und eigene Shoppable Posts veröffentlichen. Bei geeigneten Produkten können sie außerdem festlegen, ob Kunden direkt in Shop kaufen oder zum eigenen Onlineshop weitergeleitet werden. Shop soll Händler zusätzliche Möglichkeiten geben, entdeckt zu werden und Beziehungen zu Konsumenten aufzubauen – in Shop, im eigenen Onlineshop, stationär und überall dort, wo Handel künftig stattfindet.
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