Interview

Shop, Shop Pay und KI: Shopify baut seine Commerce-Infrastruktur aus

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Shop-Feeds, Agentic Commerce & Shop Campaigns

Der große Unterschied zu Amazon ist ja, dass Händler bei Shopify Marke, Kundendaten und Checkout behalten. Aber verlieren sie nicht trotzdem etwas, wenn ihre Produkte künftig in einem gemeinsamen Shop-Feed neben der Konkurrenz auftauchen – ähnlich wie bei Amazon?

Pia Schratzenstaller: Kunden vergleichen und entdecken Produkte heute auf vielen unterschiedlichen Wegen – über Suchmaschinen, soziale Medien, KI-Assistenten und natürlich auch innerhalb von Shopping-Angeboten. Entscheidend ist daher nicht, ob verschiedene Marken sichtbar sind, sondern wie Händler sich dabei präsentieren und welche Beziehung entsteht.

Shop hilft Kaufinteressenten, sowohl Marken wiederzufinden, denen sie bereits folgen, als auch neue Produkte und Brands zu entdecken, die zu ihrer Suche und ihren Interessen passen. Für unabhängige Marken ist das eine zusätzliche Möglichkeit, eine Zielgruppe zu erreichen, die ihr Angebot möglicherweise noch gar nicht kennen.

Wie schon zuvor gesagt, behält jede Marke ihr eigenes Branding. Denn unser Ziel ist nicht, Marken austauschbar zu machen, sondern ihnen zusätzliche relevante Berührungspunkte mit potenziellen Kunden zu eröffnen. Aus einer ersten Entdeckung soll eine direkte und langfristige Beziehung zwischen dem Kunden und der Marke entstehen können.

Der Markt für Agentic Commerce sortiert sich gerade in Lager: Amazon geschlossen, Sie mit Google eher offen, OpenAI und Stripe mit Fokus auf Chat-zu-Checkout. Wie ordnen Sie Shopifys Rolle in diesem Wettbewerb ein?

Pia Schratzenstaller: Diese Einteilung in geschlossene und offene Lager greift aus unserer Sicht zu kurz. Wir arbeiten daran, Händler überall dort erreichbar und transaktionsfähig zu machen, wo ihre Kunden künftig Produkte entdecken und einkaufen.

Das Universal Commerce Protocol (UCP) haben wir gemeinsam mit Google als offenen Standard entwickelt. Gleichzeitig ermöglichen unsere Agentic Storefronts Shopify-Händlern den Zugang zu unterschiedlichen KI-Angeboten, darunter ChatGPT, Microsoft Copilot, Google AI Mode und Meta. Welche Funktionen verfügbar sind, unterscheidet sich je nach Markt und Kanal. Es geht also nicht darum, sich für einen einzelnen Kanal zu entscheiden.

Eine zentrale Grundlage dafür ist Shopify Catalog. Er strukturiert die Produktinformationen der Händler so, dass KI-Systeme Produkte zuverlässig finden, verstehen und empfehlen können. Inzwischen umfasst Shopify Catalog mehr als eine Milliarde Produkte. 

Shopifys Rolle ist die Commerce-Infrastruktur unter diesen Erlebnissen. Wir sorgen dafür, dass KI-Systeme auf verlässliche Produktdaten zugreifen, Warenkörbe erstellen und einen Checkout auslösen können. Dabei müssen die individuellen Regeln eines Händlers – von Steuern und Rabatten über Bundles und Verfügbarkeit bis hin zu Fulfillment – zuverlässig erhalten bleiben. Bestellungen und ihre Verwaltung fließen anschließend wieder im Shopify-Admin zusammen.

Für Händler ist das entscheidend, weil sie nicht für jeden neuen KI-Assistenten eigene Produktkataloge, Payment-Lösungen und Checkout-Integrationen aufbauen müssen. Sie verwalten alles an einem Ort und können Produkte über unterschiedliche Oberflächen verfügbar machen.

Wie rasant sich dieser Bereich entwickelt, zeigt unter anderem die aktuelle Integration von Shop Pay in Muse, den persönlichen KI-Agenten von Meta. Nutzer können Muse bitten, ein passendes Produkt zu finden, und anschließend mit den bereits in ihrem Shop-Pay-Konto gespeicherten Karten- und Lieferinformationen bezahlen. Vor der Belastung müssen sie den Kauf ausdrücklich prüfen und freigeben. Die Kartendaten werden dabei nicht mit dem Agenten geteilt, und die Bestellung läuft als reguläre Transaktion über den Shopify Checkout des Händlers. Muse nutzt dafür UCP, sodass die bestehenden Regeln und Prozesse des Händlers berücksichtigt werden.

Auch die Nachfrage entwickelt sich schnell: Sowohl KI-generierter Traffic als auch Bestellungen bei Shopify-Händlern haben sich im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr verdreifacht. Bestellungen von Neukunden entstehen über diese Kanäle fast doppelt so häufig wie über andere Kanäle. Agentic Commerce ist gemessen am gesamten Handelsvolumen noch klein, entwickelt sich aber sehr dynamisch.

Shop Campaigns ist seit Ende Juli auch in Deutschland verfügbar. Wie ist der Start gelaufen, und wann kommen die angekündigten Meta- und Google-Integrationen für deutsche Händler?

Pia Schratzenstaller: Shop Campaigns ist seit dem 23. Juli auch für berechtigte Händler in Deutschland verfügbar. Das Angebot hilft ihnen, neue Kundinnen und Kunden zu gewinnen und dabei ihre Akquisitionskosten besser zu kontrollieren. Händler legen selbst fest, welchen Betrag sie für einen neuen Kunden zahlen möchten. Kosten entstehen erst, wenn tatsächlich ein Verkauf erzielt wird – nicht bereits für Sichtkontakte oder Klicks, die nicht konvertieren.

Der operative Aufwand bleibt dabei gering: Händler müssen keine eigenen Werbemittel erstellen, keine zusätzlichen Pixel implementieren und nicht für jeden Markt oder Kanal separate Werbekonten und Kampagnen verwalten. Sie können ihre Produkte in den unterstützten Märkten bewerben, in die sie versenden, und Budgets sowie Abrechnung in der jeweiligen Landeswährung steuern.

Erste Händlerstimmen sind positiv, zum Beispiel Kollo Health - Natasha Whiting, CEO und Mitgründerin des Unternehmens, sagt: „Für uns als Marke sieht das nach einem echten Fortschritt aus. Das Setup war einfach und reibungslos, und der Ansatz ist sofort nachvollziehbar. Wir freuen uns darauf, zu sehen, wie sich das in der Praxis entwickelt.“ Für eine umfassende Bilanz des deutschen Marktes ist es derzeit allerdings noch zu früh.

Wie gesagt, erfolgt der internationale Rollout schrittweise. Zum Start konnten Händler in den neuen Märkten ihre Produkte zunächst innerhalb von Shop bewerben. Die Erweiterung auf zusätzliche Kanäle ist der nächste Schritt. Für Händler in den USA unterstützt Shop Campaigns bereits Drittplattformen wie Meta, Google, X, Snap und Pinterest. Die Anbindung an Meta und Google für die neu hinzugekommenen internationalen Märkte haben wir angekündigt. Einen konkreten Termin können wir heute aber noch nicht nennen.

Wenn Sie in zwei Jahren zurückblicken – ist für Sie der Erfolg der Shop App in Deutschland daran zu messen, dass sie zu einer echten Amazon-Alternative wird, oder verfolgen Sie ein ganz anderes Ziel?

Pia Schratzenstaller: Unser Maßstab für den Erfolg von Shop ist nicht, ob die App zu einer Alternative zu Amazon wird. Das wäre das falsche Ziel, an dem wir Shop ausrichten. Für uns ist entscheidend, dass Menschen relevante Marken und Produkte entdecken, zu Händlern zurückkehren und einfacher einkaufen können. Gleichzeitig soll Shop dabei helfen, neue Kunden zu erreichen, Wiederkäufe zu fördern und langfristige Kundenbeziehungen aufzubauen. Unsere Vision ist nicht, Handel an einem einzigen Ort zu zentralisieren. Wir wollen Händlern dabei helfen, überall dort präsent zu sein, wo Konsumen Produkte entdecken und kaufen – in Shop, im eigenen Onlineshop, im stationären Handel, über soziale Plattformen oder über KI-Assistenten. Wichtig sind für uns mehr relevante Entdeckungen, weniger Reibungsverluste beim Kauf und stärkere, loyale Beziehungen zwischen Kunden und unabhängigen Marken.

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