Interview

Agentic Commerce: So verlieren Händler nicht den Anschluss an die KI-Revolution

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Regulierung und Schutz beim Bezahlen

Wie wichtig ist eine klare Regulierung für den Erfolg von Agentic Commerce?

Bernardo Caldas: Regulierung ist ein zentraler Vertrauensanker. Gerade wenn Transaktionen nicht mehr ausschließlich direkt vom Menschen ausgelöst werden, sondern teilweise automatisiert durch Agenten erfolgen, müssen Verbraucher wissen, was im Problemfall passiert. Entscheidend sind Situationen außerhalb des gewünschten Prozesses: Wenn beispielsweise eine Lieferung nicht ankommt, wenn ein Produkt nicht der Beschreibung entspricht oder wenn es zu einem Fehler im Zahlungsprozess kommt. Hier zeigt sich, ob Schutzmechanismen greifen und ob Konsumenten abgesichert sind. 

Genau darin liegt die Stärke regulatorischer Rahmenwerke. Viele dieser Regelungen betreffen Zahlungsprozesse, Betrugsprävention und Haftungsfragen. Ein Beispiel ist die geplante Zahlungsdiensterichtlinie PSD3, die Sicherheits- und Schutzmechanismen weiter stärken soll. Solche Vorgaben sind kein Innovationshemmnis, sondern schaffen die Grundlage dafür, dass neue Modelle wie Agentic Commerce in einem verlässlichen Umfeld wachsen können.

Das Wissen, beim Bezahlen geschützt zu sein, ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Akzeptanz neuer Einkaufsformen.

Bernardo Caldas, Director of Data and AI bei Mollie

Beim KI-gesteuerten Einkauf tendieren Kunden eher zu Zahlungsmethoden, die ihnen ein Gefühl der Kontrolle vermitteln. Mehr als die Hälfte würden deshalb beim KI-Kauf der Rechnung am meisten vertrauen. PSD3 oder Anti-Betrugsmaßnahmen: Können diese Maßnahmen wirklich das Vertrauen der Verbraucher in den KI-Onlinehandel stärken?

Bernardo Caldas: Das Wissen, beim Bezahlen geschützt zu sein, ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Akzeptanz neuer Einkaufsformen. Anti-Betrugsmaßnahmen und regulatorische Schutzmechanismen wie sie im Rahmen von PSD3 vorgesehen sind, erhöhen Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Sicherheit von Transaktionen. Gleichzeitig werden KI-Agenten künftig nicht nur Produkte auswählen, sondern auch die jeweils geeignete Zahlungsmethode vorschlagen. Abhängig vom Händler, vom Produkt und vom damit verbundenen Risiko kann ein Agent etwa eine besonders geschützte Zahlungsart empfehlen. Dadurch könnte sich auch die Zusammensetzung des Payment-Mix verändern. Wenn Agenten kontextbasiert die passende Methode empfehlen, entsteht eine neue Form datengetriebener Zahlungsentscheidung, die Sicherheit und Komfort stärker miteinander verbindet.

Welche Rolle spielen reibungslose und sichere Zahlungsmethoden im Kundenvertrauen und der Conversion-Rate?

Bernardo Caldas: Reibungslose Zahlungsmethoden zählen mittlerweile zu den stärksten Conversion-Treibern. Je weniger die Kunden von den Prozessen hinter den Zahlungen spüren, desto entspannter wird das Einkaufserlebnis wahrgenommen. Misstrauen tritt zum Beispiel dann auf, wenn Kunden auf Drittanbieter weitergeleitet werden und in einem neuen Fenster Zahlungen abschließen müssen. Ebenso gelten Digitale Wallets als Goldstandard der User Experience und können dennoch ohne ausreichende Datenbasis und passende Fraud-Infrastruktur zum Risiko werden. Wenn Systeme aufgrund fehlender Kontextinformationen legitime Zahlungen blockieren, entstehen sogenannte False Positives, die unmittelbar Umsatz und Vertrauen kosten. Sicherheit und Komfort sind daher keine Gegensätze, sondern müssen gemeinsam gedacht werden, um die Conversion nachhaltig zu steigern.

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