Interview

Agentic Commerce: So verlieren Händler nicht den Anschluss an die KI-Revolution

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Technik im Agentic Commerce

Blicken wir ein wenig in Richtung Technik. Welche spezifischen Herausforderungen sehen Sie für kleinere Händler im Hinblick auf Agentic Commerce?

Bernardo Caldas: Die größte Herausforderung für kleinere Händler besteht darin, technisch anschlussfähig zu werden. Wer in Agentic-Commerce-Umgebungen sichtbar sein möchte, muss seine Produkt- und Prozessdaten in für die KI-Agenten lesbaren Formaten bereitstellen und sich mit entsprechenden Agenten-Protokollen verbinden. Das betrifft nicht nur strukturierte Produktinformationen, sondern auch die technische Einbindung in die Systeme und Plattformen, über die KI-Agenten Kaufentscheidungen vorbereiten und ausführen. Händler müssen prüfen, ob ihre eigene E-Commerce-Plattform diese Anforderungen unterstützt oder ob zusätzliche System-Upgrades notwendig sind. Gleiches gilt für den Zahlungsdienstleister: Wenn diese entsprechenden Prozessabläufe nicht unterstützt werden, entsteht ein Engpass. Kleinere Händler sollten daher frühzeitig ihre technologische Ausgangslage analysieren, wie gut ihre Systeme bereits heute für solche Integrationen vorbereitet sind.

Welche Merkmale sind für Shop-Systeme entscheidend, um von Agentic-Commerce-Assistenten effektiv erkannt und empfohlen zu werden?

Bernardo Caldas: Entscheidend ist die konsequente Maschinenlesbarkeit des gesamten Angebots. Strukturierte Produktdaten, klare Informationen zu Versand- und Rückgabebedingungen, Echtzeit-Lagerbestände sowie API-basierte Check-out-Prozesse sind grundlegende Voraussetzungen. Darüber hinaus wird es zunehmend wichtig, auch erklärende Metadaten bereitzustellen. Agenten bewerten Produkte anhand unterschiedlicher Kriterien wie Preis, Qualität, Nachhaltigkeit oder Liefergeschwindigkeit. Je transparenter Händler darlegen, warum ihr Produkt in bestimmten Kategorien überlegen ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, in Empfehlungen aufzutauchen. Es geht also nicht nur um strukturierte Daten, sondern auch um die nachvollziehbare Begründung, weshalb ein Produkt für bestimmte Kundenbedürfnisse besonders geeignet ist. 

Welche Maßnahmen sollten Händler also ergreifen, um ihre Daten für Agentic Commerce vorzubereiten?

Bernardo Caldas: Im Kern geht es darum, Produkt-, Prozess- und Richtliniendaten in jenen Formaten bereitzustellen, die Agenten erwarten. Alle relevanten Informationen müssen maschinenlesbar und über Schnittstellen zugänglich sein. Darüber hinaus müssen Händler technisch mit Agentic-Systemen verbunden sein. Das kann über eine E-Commerce-Plattform geschehen, die entsprechende Protokolle bereits unterstützt, oder über eigene Integrationen. Wichtig ist, dass Daten zu Produkten, Verfügbarkeiten, Preisen, Rückgaben und Zahlungsoptionen strukturiert exponiert werden. Ohne diese Anbindung bleiben selbst hochwertige Angebote für KI-Agenten unsichtbar. 

Agentic Commerce ist gerade das Hype-Thema. Von OpenAI gibt es das Agentic Commerce Protocol, Google veröffentlichte unlängst das Universal Commerce Protocol. Woher weiß man als Shop-Betreiber, auf welches Pferd man setzen sollte?

Bernardo Caldas: Langfristig wird vermutlich eine gewisse Konsolidierung stattfinden. Kurz- bis mittelfristig ist es jedoch ratsam, möglichst breit anschlussfähig zu sein. Entscheidend ist nicht, welches Protokoll ein Händler bevorzugt, sondern welches Agentensystem seine Kundinnen und Kunden nutzen. Wenn Nutzer beispielsweise über Lösungen von OpenAI oder Google einkaufen, sollte ein Händler bei beiden Anbietern sichtbar sein. Ziel muss es daher sein, mit Partnern zusammenzuarbeiten, die mehrere relevante Protokolle unterstützen und aktiv weiterentwickeln. Somit gilt vorerst: Reichweite sichern, indem man mit möglichst vielen führenden Systemen kompatibel ist.

Was sind abschließend Ihre wichtigsten Ratschläge für Händler, die im Bereich Agentic Commerce aktiv werden möchten?

Bernardo Caldas: Mein wichtigster Rat ist: selbst ausprobieren. Händler sollten mit bestehenden Agenten experimentieren und aus erster Hand erleben, wie Produkte gesucht, bewertet und empfohlen werden. So entsteht ein realistisches Bild davon, wie sichtbar die eigene Marke und das eigene Sortiment heute bereits sind. Aus diesen Erfahrungen lassen sich konkrete Prioritäten ableiten. Oft beginnt es mit besser strukturierten Produktdaten, klareren Beschreibungen oder zusätzlichen Metadaten, die Agenten bei der Bewertung helfen. In einem nächsten Schritt kann dann ein API-basierter, agentenfähiger Check-out folgen. Wichtig ist, jetzt erste Schritte zu gehen und die eigene technologische und strategische Positionierung schrittweise weiterzuentwickeln, statt auf einen perfekten Endzustand zu warten.

Agentic CommerceKonstantin Pfliegl
ist leitender Redakteur für das e-commerce magazin und DIGITAL BUSINESS. Er verfügt über mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung als Journalist für verschiedene Print- und Online-Medien.

Bildquelle: Foto Marquart, Tutzing

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