Kundenservice im E-Commerce Chatbot-Frust: Wenn der menschliche Support unerreichbar scheint

Von Elisabeth Müller 5 min Lesedauer

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Ein Chatbot entlastet den Kundenservice im E-Commerce. Doch bei komplexen Reklamationen wird der Weg zum menschlichen Ansprechpartner oft zur Geduldsprobe. So helfen hybride Modelle.

(Bild:  ©Zaleman/stock.adobe.com)
(Bild: ©Zaleman/stock.adobe.com)

DARUM GEHT'S

Chatbots als Standard im Kundenservice: KI-gestützte Assistenten bearbeiten Routineanfragen wie Sendungsverfolgung, Retouren oder Adressänderungen rund um die Uhr – und entlasten so die Service-Teams spürbar.

Frust an den Grenzen der Automatisierung: Bei komplexen Fällen wie beschädigter Ware, Garantieansprüchen oder Kulanzentscheidungen entsteht häufig der Eindruck einer „digitalen Sackgasse“, wenn der Wechsel zum menschlichen Support fehlt oder Angaben erneut gemacht werden müssen.

Hybride Konzepte als Erfolgsfaktor: Entscheidend ist nicht der Einsatz von Chatbots an sich, sondern die nahtlose Verzahnung von automatisierter und persönlicher Hilfe – inklusive vollständiger Übernahme des Gesprächsverlaufs.

Das neue Smartphone ist angekommen – allerdings mit einem gesprungenen Display. Die Reklamation scheint zunächst unkompliziert: Im Kundenkonto führt ein Klick zum Hilfebereich, ein Chatfenster öffnet sich und ein virtueller Assistent fragt nach dem Anliegen. Nach einigen Eingaben folgen Vorschläge aus der Wissensdatenbank, anschließend dieselben Rückfragen erneut. Eine E-Mail-Adresse ist nicht zu finden, eine Telefonnummer erst nach mehreren Unterseiten. Aus einem eigentlich einfachen Anliegen wird eine zeitraubende Suche nach einem menschlichen Ansprechpartner.

Solche Erfahrungen gehören für viele Verbraucher inzwischen zur Onlineshopping Erfahrung dazu. Chatbots haben sich in den vergangenen Jahren zu einem festen Bestandteil des Kundenservices entwickelt. Unterstützt durch generative Künstliche Intelligenz beantworten sie längst nicht mehr nur einfache Schlagworte, sondern verstehen natürliche Sprache, führen durch Retouren-Prozesse oder geben Auskunft zum Lieferstatus.

Chatbots entlasten den Kundenservice

Der Onlinehandel wächst seit Jahren, ebenso die Zahl der Serviceanfragen. Liefertermine, Rücksendungen, Zahlungsfragen oder Informationen zur Produktverfügbarkeit verursachen täglich Millionen von Kontakten zwischen Kunden und Händlern. Viele dieser Anliegen folgen einem festen Ablauf und lassen sich standardisiert beantworten. Genau hier setzen Chatbots an.

Während frühe Systeme vor allem auf vordefinierte Antwortbäume angewiesen waren, arbeiten moderne Lösungen zunehmend mit Sprachmodellen und maschinellem Lernen. Dadurch können sie Anfragen flexibler einordnen und auch unterschiedlich formulierte Fragen verstehen. Im E-Commerce übernehmen sie beispielsweise die Sendungsverfolgung, unterstützen bei Retouren, helfen beim Ändern von Lieferadressen oder beantworten Fragen zu Bestellungen und Produkten. Für Händler bedeutet dies kürzere Bearbeitungszeiten bei Routineanfragen und eine bessere Erreichbarkeit außerhalb klassischer Servicezeiten.

Nicht die Frage, ob ein Chatbot eingesetzt wird, bestimmt die Qualität des Kundenservices, sondern wie intelligent automatisierte und persönliche Unterstützung miteinander verzahnt sind.

Elisabeth Müller, Content Expert bei ImpulsQ

Steigende Erwartungen

Branchenstudien sehen darin einen wichtigen Baustein moderner Customer Experience. Viele Kunden erwarten heute eine sofortige Rückmeldung – unabhängig davon, ob sie am Vormittag oder spät am Abend einkaufen. Automatisierte Systeme können diesen Anspruch erfüllen und entlasten gleichzeitig Serviceteams, die sich stärker auf individuelle Fälle konzentrieren sollen.

Auch in einem Online-Casino spielt ein gut erreichbarer Kundenservice eine wichtige Rolle. Anbieter wie JackpotPiraten setzen deshalb auf verschiedene Kontaktmöglichkeiten, darunter Live-Chat, E-Mail und Telefon. Persönlicher Support und automatisierte Serviceangebote ergänzen sich dabei. Dieses Zusammenspiel gehört heute in vielen Branchen zum Standard. Das Beispiel zeigt, dass viele Unternehmen heute auf einen Mix aus automatisierten Angeboten und persönlichen Kontaktmöglichkeiten setzen, um unterschiedlichen Anliegen gerecht zu werden.

Wenn Standardprozesse an ihre Grenzen stoßen

Studien zur Customer Experience zeigen allerdings, dass Verbraucher vor allem eines erwarten: einen unkomplizierten Wechsel zu einem Menschen, wenn automatisierte Prozesse nicht weiterhelfen. Während sich der Status einer Bestellung oder die Erstellung eines Retourenlabels meist automatisiert erledigen lassen, werden viele Reklamationen deutlich komplexer. Beschädigte Ware, unvollständige Lieferungen, fehlerhafte Rechnungen oder Garantieansprüche lassen sich häufig nicht allein anhand hinterlegter Regeln bearbeiten. Hinzu kommen Sonderfälle wie mehrere gleichzeitig betroffene Bestellungen oder Kulanzentscheidungen, die eine individuelle Prüfung erfordern.

Genau an dieser Stelle entsteht bei vielen Kunden der Eindruck, in einer digitalen Sackgasse gelandet zu sein. Der Chatbot bietet immer neue Auswahlmöglichkeiten an, verweist auf bereits bekannte Informationen oder stellt dieselben Fragen mehrfach. Aus Sicht der Unternehmen liegt das häufig nicht an mangelnder Technik, sondern an den Grenzen automatisierter Entscheidungsprozesse. Viele Systeme dürfen aus rechtlichen oder organisatorischen Gründen keine verbindlichen Entscheidungen über Erstattungen, Preisnachlässe oder Garantieansprüche treffen. Sie sammeln Informationen, prüfen Standardfälle und bereiten den Vorgang für die weitere Bearbeitung vor.

Wenn Hilfe zur Geduldsprobe wird

Angesichts steigender Bestellzahlen und wachsender Servicevolumina setzen Händler verstärkt auf sogenannte Self-Service-Angebote. Kunden sollen möglichst viele Anliegen eigenständig lösen können – etwa über Hilfecenter, FAQ-Bereiche oder Chatbots. Dieses Konzept funktioniert bei Routineanfragen häufig gut. Schwieriger wird es jedoch, wenn der digitale Assistent ein Problem nicht eindeutig zuordnen kann. 

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Dann beginnt für viele Kunden eine Abfolge aus Rückfragen, Auswahlmenüs und standardisierten Antworten, ohne dass ein direkter Kontakt zu einem Servicemitarbeiter erkennbar wird. Hinzu kommt, dass einige Unternehmen Telefon-Hotlines reduziert oder Kontaktformulare tief in den Hilfebereichen ihrer Internetseiten eingebunden haben. Das Ziel besteht meist darin, Standardfälle möglichst effizient zu bearbeiten und die Mitarbeiter von wiederkehrenden Routineaufgaben zu entlasten.

Frustration entsteht dabei weniger durch den Chatbot selbst als durch den Eindruck, mit einem individuellen Anliegen nicht voranzukommen. Besonders kritisch bewerten viele Kunden, wenn sie nach einer Weiterleitung ihre Angaben erneut machen müssen oder der bisherige Gesprächsverlauf nicht übernommen wird. Genau diese Brüche im Serviceprozess gelten nach aktuellen Untersuchungen als einer der häufigsten Gründe für Unzufriedenheit im digitalen Kundenservice.

Wo Chatbots den Einkauf tatsächlich erleichtern

Trotz aller Kritik haben Chatbots den Kundenservice in vielen Bereichen spürbar verändert – und nicht ausschließlich zum Nachteil der Verbraucher. Wer lediglich wissen möchte, wo sich eine Bestellung befindet, einen Retourenschein benötigt oder die Lieferadresse ändern will, erhält häufig innerhalb weniger Sekunden eine Antwort. Auch Fragen zur Produktverfügbarkeit, zu Versandkosten oder zu Öffnungszeiten lassen sich automatisiert zuverlässig beantworten.

Für viele Kunden überwiegt in solchen Situationen der Zeitgewinn. Anders als klassische Hotlines sind digitale Assistenten rund um die Uhr erreichbar und bearbeiten mehrere Anfragen gleichzeitig. Das verkürzt Wartezeiten und ermöglicht schnelle Lösungen auch außerhalb üblicher Geschäftszeiten. Untersuchungen internationaler Customer-Experience-Anbieter zeigen, dass ein großer Teil der Verbraucher automatisierte Unterstützung inzwischen akzeptiert oder sogar bevorzugt – vorausgesetzt, das Anliegen bleibt überschaubar und die Antwort führt tatsächlich zum Ziel.

Für Händler ergeben sich daraus ebenfalls Vorteile. Servicemitarbeiter müssen sich seltener mit einfachen Standardfragen beschäftigen und können ihre Zeit auf komplexere Reklamationen oder persönliche Beratung konzentrieren. Damit dieses Modell funktioniert, kommt es jedoch weniger auf die Zahl der eingesetzten Chatbots an als auf deren Einbindung in den gesamten Kundenservice.

Während KI Routinevorgänge schneller bearbeiten kann, bleiben Empathie, Kulanzentscheidungen und die Bewertung ungewöhnlicher Einzelfälle weiterhin menschliche Stärken. Deshalb investieren viele Unternehmen in hybride Konzepte, bei denen Chatbots und Servicemitarbeiter eng zusammenarbeiten. Ziel ist es, den vollständigen Gesprächsverlauf zu übernehmen und den Wechsel zwischen beiden möglichst nahtlos zu gestalten.

Für Verbraucher dürfte genau dieser Punkt künftig entscheidend sein. Nicht die Frage, ob ein Chatbot eingesetzt wird, bestimmt die Qualität des Kundenservices, sondern wie intelligent automatisierte und persönliche Unterstützung miteinander verzahnt sind.

Chatbot – Kundenservice – E-CommerceElisabeth Müller
ist Content Expert bei ImpulsQ.

Bildquelle: ImpulsQ