ECommerce Masterminds Podcast

Integration statt Intuition: So bleibt E-Commerce 2026 profitabel

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90-Tage-Plan, Stolpersteine und Datenqualität

Welche konkreten 90‑Tage‑Schritte empfiehlst du für Einsteiger?

Dr. Dominik Benner:  Erstens risikoarm lernen: auf Amazon starten, Storno‑/Versandfristen, Service und kleine Marketingtests beherrschen. Zweitens entscheiden: eigener Shop, etwa bei starker Eigenmarke, oder Plattform für Tempo und Reichweite. Drittens Omnichannel ernst nehmen: ERP‑Schnittstellen, Bestand, PIM und Retourenprozesse wirklich integrieren – nicht nur ankündigen.

Wie geht ihr mit Händlern um, deren Datenlage schwach ist?

Dr. Dominik Benner: Wir bauen die Schnittstelle, sehen schnell die Lücken und reichern an: Bildproduktion, Attribute, Text. Dann Repricing, Kanalmapping, Content‑Tuning. Parallel schärfen wir die Sortimentlogik: raus mit Retouren- und Margenkillern, rein mit Produkten, die nachlieferbar sind und Preisdruck aushalten. So wird aus Reichweite Ertrag.

Erfolg braucht Spezialisierung, Datenqualität und Konsequenz. Die Strategie muss nicht „eigener Shop“ heißen – sie muss profitabel sein. Wer Kanäle, Prozesse, Bestände und Marketing integriert steuert, wächst auch ohne riesiges Tech‑Team.

Dr. Dominik Benner, CEO der The Platform Group (TPG)

Welche typischen Stolpersteine siehst du bei der Auslandsexpansion?

Dr. Dominik Benner: Start ohne Service in Landessprache, fehlende Retourenlogistik und kein Verständnis lokaler Preisanker. Dazu unterschätzte Compliance. Besser: erst Kanäle mit hohem lokalem Traffic nutzen, dann Service und Logistik modular aufbauen. Die Reihenfolge ist entscheidend, sonst produziert man nur teure Retouren.

Wo liefert KI 2026 bereits messbaren Mehrwert – und wo noch nicht?

Dr. Dominik Benner: Im Frontend steigern KI‑gestützte Recommendations die Conversion. In der Content‑Produktion senken KI‑Models und automatisierte Videos Kosten und Time‑to‑Content drastisch – wir haben früher mit großen Teams produziert, heute geht vieles schneller und günstiger. Im Backend helfen KI‑Datenanreicherung und Pricing. Viele Mittelständler nutzen das operativ noch nicht – das ist verschenktes Potenzial. Die Kauffunktion über KI‑Assistenten ist dagegen noch im Aufbau; die Suche verlagert sich, die Order landet weiter im Shop.

Wie stehst du zum Thema Governance, Datenqualität und Compliance bei KI?

Dr. Dominik Benner: Ich warne vor der deutschen Reflexhaltung, zuerst Regeln zu schreiben. Besser: breit testen, Nutzen heben, Lücken erkennen – dann gezielt nachschärfen. Wer früh lernt, skaliert schneller. Wer abwartet, verliert Tempo, Sichtbarkeit und am Ende Ertrag. Datenqualität bleibt Basis – schlechte Daten machen jede KI teuer.

Welche Produktstrategien funktionieren online besonders gut?

Dr. Dominik Benner: Altware mit stabiler Nachfrage und solider Marge, die stationär kaum noch wahrgenommen wird. Außerdem jederzeit nachlieferbare A‑Artikel mit klarer Preispositionierung. Finger weg von Sortimentsanteilen, die nur über Rabatt funktionieren oder im Buybox‑Dauerkrieg landen – das frisst Marge und Arbeitszeit.

GLOSSAR

PIM (Product Information Management): Zentrale Verwaltung und Ausspielung von Produktdaten über Kanäle.

ERP (Enterprise Resource Planning): System für Warenwirtschaft, Bestand, Finanzen und Prozesse.

ROAS (Return on Ad Spend): Umsatz pro Werbe-Euro.

POAS (Profit on Ad Spend): Gewinnbeitrag pro Werbe-Euro; berücksichtigt Kosten.

MER (Marketing Efficiency Ratio): Gesamtumsatz geteilt durch gesamte Marketingkosten.

CAC (Customer Acquisition Cost): Kosten für die Neukundengewinnung.

Buybox: Marktplatz-Position, die die Conversion stark beeinflusst.

Replenishment/Nachlieferfähigkeit: Topseller schnell nachbestellen, Verfügbarkeitslücken vermeiden.

Deckungsbeitrag II: Beitrag nach variablen Produkt- und kanalbezogenen Kosten.

Alt‑/Neuwarenanteil: Anteil älterer Ware (z. B. >6/12 Monate) vs. neuer Ware an Onlineverkäufen – relevanter Margehebel.

Omnichannel: Nahtlose Verzahnung von Stationär und Online (z. B. Click & Collect, Ship‑from‑Store).

Wie unterscheidet sich eure Zusammenarbeit mit Händlern vom klassischen Agenturmodell?

Dr. Dominik Benner: Wir tragen Risiko über ein erfolgsbasiertes Modell, integrieren Händler in über 50 Kanäle und übernehmen operativ Content, Repricing, Listing und Prozessüberwachung. Der Händler braucht kein großes Tech‑Team, aber klare interne Ansprechpartner für Daten, Preis und Sortiment. So wird aus Komplexität Skalierung.

Welche Trends prägen 2026 den Mittelstand im Handel am stärksten?

Dr. Dominik Benner: Erstens Rabattschlachten – mit allen Folgen für Marge und Cashflow. Zweitens „The middle man is being killed“ – Zwischenstufen verschwinden, Differenzierung wird Pflicht. Drittens KI als Gatekeeper der Suche: Sichtbarkeit verlagert sich, Google ist nicht mehr alleiniger Taktgeber. Gewinner integrieren Daten, Prozesse und Kanäle – und halten Marketing diszipliniert.

Dein Schlusswort für Händler, die jetzt starten oder neu aufstellen wollen?

Dr. Dominik Benner: Erfolg braucht Spezialisierung, Datenqualität und Konsequenz. Die Strategie muss nicht „eigener Shop“ heißen – sie muss profitabel sein. Wer Kanäle, Prozesse, Bestände und Marketing integriert steuert, wächst auch ohne riesiges Tech‑Team. Wir sehen das täglich: Mit klaren Rollen, sauberem PIM, harter Sortimentslogik und kontrolliertem Paid‑Einsatz kippen Stornos, Retouren und Prozesskosten – und der Deckungsbeitrag II steigt.

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